Die Gundelrebe oder der Gundermann ist eine alte germanische Heilpflanze, die hohes Ansehen genoss. Sie galt als Verkörperung eines Seelengeistes (Hausgeistes).
Früher legte man die Gundelrebe auf nässende und eiternde Körperstellen als Heilmittel. Hildegard von Bingen schätzte die Pflanze als heilkräftig gegen verschiedene Krankheiten und auch Brunfels lobte sie als wirksam bei Geschwüren, Ausschlägen, Fisteln, entzündeten Augen.
Die Gundelrebe liebt feuchte, nährstoffreiche Böden und man findet sie an Zäunen, Hecken, Rasen, Wiesen, in Wäldern und an Ufern.
Sie enthält viel ätherisches Öl, welches den stark balsamischen, sehr ungewöhnlichen Duft bedingt. Die ätherischen Öle lösen sich am besten in Fett, daher empfiehlt es sich, die Blättchen in heißer Milch ziehen zu lassen. Gundelrebenmilch wirkt schleimlösend und ist bei Bronchitis, Schnupfen und Schleimhautentzündungen sehr heilsam. Die Bitterstoffe und Saponine regen die Verdauung an und stärken Herz und Leber. Gundelrebe als Tee oder Salatbeigabe soll die Bleiausschwemmung aus dem Körper fördern.
Weiters hilft die Gundelrebe innerlich bei Husten mit zähem Schleim sowie Magenverstimmung mit Durchfällen, äußerlich zur Wundbehandlung und bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich. Früher bestrich man bei Zahnweh oder Mundfäule die schmerzende Stelle mit 3 Gundermannstängeln.
Schon Ärzte der Antike empfahlen den Gundermann bei Bronchialbeschwerden. Neben ihrer lindernden Eigenschaft hat die Pflanze auch die Fähigkeit, die Schleimhäute zu regenerieren. Sie wird daher auch bei Entzündungen der Magenschleimhaut, des Darms und der Harnwege angewendet.
In Tirol hieß es, eine Wunde heilt, wenn man 77 Gundelrebenblättlein darauf legt. Als blaue Blume soll der Gundermann dem Wettergott Donar zugeordnet gewesen sein und deshalb auch vor Gewitter und Blitzschlag geschützt haben.
Gundermann gehörte zu den neunerlei Gründonnerstags-Kräutern . Gundermann war Kultspeise: Das Gemüse oder die Suppe, das Gundermannpflanzl oder die in Ei gebackenen Gundelrebenblätter sollten das Jahr über vor Krankheit bewahren. In Altbayern buken die Bäuerinnen an Johanni neunerlei Kücheln, darunter auch "Gorebelkücheln".
Gundermann ist einer der wichtigsten Bestandteile der Gründonnerstagssuppe. Er gehört zu den Pflanzen, die in unmittelbarer Nähe unserer Häuser wachsen. Diese Pflanzen galten früher als Verkörperung der guten Haus- und Hofgeister, die Menschen in Zeiten der Not wie kleine Heinzelmännchen ihre Hilfe anboten. An bestimmten Tagen sollten sie in besonderer Beziehung zu den kosmischen Kräften stehen - solch ein Tag war nach altem Wissen der Gründonnerstag.
Der Gründonnerstag war das erste Fest im Jahreskreislauf, an dem der nahende Frühling begrüßt wurde, wo man sich mit der Neun-Kräuter-Suppe mit den erwachenden Lebenskräften der Mutter Erde verbinden wollte. Sicherlich enthält der Ausspruch "Ach, du grüne Neune!" noch das Wissen um die neun Kräuter der Gründonnerstagssuppe.
Verzehrten die Menschen solch eine Suppe, die ganz bestimmte "Kraftpflanzen" enthielt, so verbanden sie sich damit in vorchristlicher wie in christlicher Zeit mit den guten und heiligen Kräften. Was in früheren Zeiten als Kultspeise galt, mit der unsere germanischen Vorfahren teilhaben wollten an den Leben spendenden Kräften der Natur und die dann den Christen zur Fastenspeise wurde, hat bis heute seine Berechtigung: Alle in dieser Suppe verwendeten Kräuter haben eine reinigende und belebende Wirkung auf den menschlichen Organismus. Gerade zur Zeit der Frühjahrsmüdigkeit ist unser Körper für eine solche "grüne Anregung" besonders dankbar.
Die Zubereitung der Gründonnerstagssuppe ist denkbar einfach:
In eine heiße Fleisch- oder Gemüsebrühe werden die gewaschenen und zerkleinerten Kräuter gegeben. Dann nur noch etwas ziehen lassen - beim Kochen werden nämlich manche Kräuter leicht bitter. Zuletzt etwas Sahne unter die fertige Suppe heben und geröstete Brotwürfel darüber streuen.
Kräuter für die Gründonnerstagssuppe:
Gundermann (Gundelrebe), Schafgarbe, Brunnenkresse, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Brennessel, Vogelmiere, Sauerampfer, Guter Heinrich, Löwenzahn, Bärlauch.
Gundelrebe in der Wildkräuterküche:
Sie eignet sich besonders gut als Gewürzkraut. Für den frischen Gebrauch werden die jungen Blättchen sowohl in Salate gemischt als auch in Suppen gestreut. Wegen der Fettlöslichkeit der ätherischen Öle fixiert sich deren Aroma besonders gut in Kräuterbutter oder Quark-Aufstrichen. Man kann die Gundelrebe auch getrocknet als Gewürz verwenden.
Kartoffelsuppe mit Gundelrebe
5 große Kartoffeln, 1 Karotte, 1/2 Sellerie, 1 kleine Zwiebel, 60 g Öl, 50 g Mehl, Salz, Pfeffer, 3 Handvoll Gundelrebenblätter, 1 Handvoll Brennesselblätter.
Die rohen, gewürfelten Kartoffeln in Salzwasser mit dem kleingeschnittenen Gemüse weich kochen. Die Zwiebel im Öl anrösten, Brennesseln dazugeben und mit dem Mehl nochmals rösten, dann mit der Kartoffelsuppe aufgießen und 15 Minuten kochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und die feingehackte Gundelrebe einrühren.
Gundelreben-Erkältungstrunk
1 Tasse heiße Milch, 1 Eßlöffel Honig, 2 Eßlöffel Gundelrebenblätter
Die Gundelrebe in die heiße Milch geben und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und mit Honig süßen, warm trinken.
Eine Überlieferung besagt, dass derjenige, der die ersten drei Gundelrebenblätter, die er im Frühling findet, pflückt und an Ort und Stelle verspeist, ein ganzes Jahr lang gesund bleibt.
Liebe Grüße,
Viola![]()



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