Bereits in der Antike war diese Pflanze allgemein bekannt und beliebt und besonders bei Blutreinigungskuren angewandt. Aber erst Hippokrates integrierte die Brennessel in die Medizin. Sie wurde zu dieser Zeit bereits als eine der wichtigsten Heil- und Nährpflanzen anerkannt.
Brennesselblätter enthalten fast doppelt soviel Proteine wie die Sojabohne und in reichem Maß Spurenelemente, Vitamin A sowie wichtige Enzyme. Die Brennessel wirkt entgiftend und blutreinigend, aber auch harntreibend, deshalb wird sie für Frühjahrskuren verwendet.
Aus den Blättern, getrocknet und zerkleinert oer auch frisch gepflückt, wird wie aus der Wurzel ein Blutreinigungs- und Blasentee zubereitet. Getrocknete, zerriebene Brennesselblätter sollte man vielen Speisen zufügen, wenn man unter Eisenmangel, abgespanntheit oder Müdigkeit leidet. Sie sind im Geschmack neutral.
Um erhöhten Harnsäurewerten entgegenzuwirken, aus denen Gicht und Rheuma entstehen könnte, kann man zur Vorbeugung einen Blutreinigungstee aus Brennesseln trinken.
Pfarrer Kneip empfiehlt die Brennessel als gutes Mittel zur Entwässerung bei Nierenerkrankungen, die mit Ödemen einhergehen. Die Brennessel ist Bestandteil von Diabetikertees weil sie den Stoffwechsel entlastet und aktiviert. Die Brennessel hat auch gewebsaufbauende Wirkung und hilft gegen Appetitlosigkeit. Vitamin C, Eisen, Chlorophyll und Yantophyll regen die Blutbildung an.
Durch den hohen Gerbstoffgehalt der Pflanze kann man die durchfallhemmende und blutstillende Eigenschaft nützen. Der Anteil an Sekretin bewirkt eine Sekretsteigerung im Verdauungstrakt, ind er Bauchspeicheldrüse - und damit auch eine Anregung der Magen- und Gallenfunktion.
Brennesseln mit Essig gekocht ist eines der bekanntesten Haarwuchsmittel und sehr wirksam gegen Schuppen.
Verwendung in der Wildkräuterküche:
Die frischen, jungen Blättchen und Triebspitzen können roh als Aufstriche oder in Salaten verzehrt werden. Damit sie nicht brennen, werden sie fein gehackt und mit Öl beträufelt oder mit heißem Wasser übergossen. Frische Brennesseltriebe, kleingehackt in Butter gemischt, ergeben einen köstlichen Brotaufstrich. Meist werden die Blätter jedoch gekocht. Am besten schmecken die ersten, etwa zwanzig Zentimeter langen Triebe im Frühjahr. Später werden nur noch die obersten Blätter und Triebspitzen verwendet. Der klassische Brennesselspinat ist nur eine Verwendungsmöglichkeit, es lassen sich auch Suppen, Aufläufe, Saucen zubereiten. Alles, was man mit Spinat kochen kann, kann man auch mit der Brennessel kochen. Wobei zum Beispiel die Engländer den Brennesselgeschmack bevorzugen.
Eine ganz große Delikatesse sind gebackene Brennesselblätter. dazu müssen die jungen, schönen Blätter "unbrennbar" gemacht werden, indem man einige Male mit einem Nudelholz darüberrollt.
Brennesseln enthalten Vitamin A und C, die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Eisen, schwefel, Natrium und Silizium.
Die Brennessel hat feste Fasern aus denen man starke Gewebe, das sogenannte Nesseltuch, aber auch ein sehr festes, widerstandsfähiges Garn erzeugte. Das gewebe war leinwandähnlich und wurde allgemein für Kleidungsstücke, aber sogar auch für Segel verwendet. Dieses "Nesselzeug" hat bereits Nestorius, Patriarch von Konstantinopel, in seinen Schriften um das Jahr 980 erwähnt. Die Brennessel war in früheren Zeiten eine wichtige Textilfaserpflanze, wie etwa in Hans Christian Andersens Märchen "Die wilden Schwäne" beschrieben.
In einem Gemälde von Albrecht Dürer (1471 - 1528) sieht man einen Engel, der eine Brennessel zum Thron des Schöpfers bringt.
Sogar der berühmte römische Dichter Horaz rühmte das Brennesselmus als eine äußerst gesunde Speise.
Viele Bauern mischen selbst heute noch gehackte Brennesseln unter das Hühnerfutter, um das gackernde Volk zum besseren Eierlegen zu veranlassen.
Auch im Volksglauben und in der Naturheilkunde spielt die Brennessel eine bedeutende Rolle. In einem altdeutschen Manuskript heißt es über die Brennessel: Wer heiße Liebe in seinem Herzen spürt, sollte die sengende Nessel an seinem Körper tragen.
Auch einen Liebeszauber praktizierte man gerne: Freitags vor Sonnenaufgang wurde eine Brennessel im Namen der oder des Geliebten mit Salz bestreut. Bei Sonnenuntergang wurde die Nessel dann ausgegraben und auf glühenden Kohlen verbrannt. Dabei musste eine Formel gesprochen werden, die besagte, dass jene geliebte Person brennen sollte wie diese Brennessel, bis sie durch Liebe erweicht und zerschmolzen sei.
Wie uns der römische Dichter Ovid überlieferte, verwendete man auch den Brennesselsamen zur Erzeugung von Liebesgetränken.
Als Zauberkraut sollte die Brennessel Blitzschlag vom Haus abwenden, denn sie war dem germanischen Wettergott Donar geweiht. Da dieser gleichzeitig der Gott der Fruchtbarkeit war, schrieb man der Brennessel auch aphrodisierende Fähigkeiten zu. Übrigens entdeckten bereits die Griechen und Römer diese Wirkung der Brennessel und rieten müden Liebhabern, sich mit Nesseln zu schlagen, um so die Liebesglut wieder anzufachen.
Brennesseln als Frischgemüse und als Blutreinigungstee sind immer noch die ideale Frühjahrskur. Durch ihren hohen Eisengehalt wirken sie außerdem sehr stark auf unsere Willenskräfte ein. Gegen rheumatische Beschwerden kann man Brennesseln als Bäder, Einreibungen verwenden.
Frühjahrskur mit Brennesseln:
Pro Tag 1 Handvoll frischer Brennesselblätter verwenden. Die Blätter klein schneiden und mit 1/2 Liter lauwarmen Wasser übergießen. Zugedeckt über Nacht stehen lassen und abseihen. Nüchtern 1/4 Liter trinken, den Rest über den Tag verteilen oder vor dem Mittagessen trinken. Diese Kur kann man einige Wochen lang machen.
Blutreinigungssaft:
6 Doppelhandvoll frische Brennesselblätter
6 Doppelhandvoll frische Brennesselstengel
3 Doppelhandvoll frische Brennesseltriebe
gut waschen und alles im Entsafter entsaften. Mit der fünf- bis zehnfachen Menge Wasser verdünnen und löffelweise einnehmen.
Brennesseltee gegen Durchfall:
30 g Brennesselsamen
30 g Brennesselblätter
In einem Topf mit 3/4 Liter Wasser kurz aufkochen und 15 Minuten ziehen lassen. Etwas abkühlen und abseihen. Lauwarm mehrere Tassen im Laufe eines Tages trinken.
Bunte Brennesselrohkost:
200 g Brennessel
2 radieschen
150 g Salatgurke
100 g Tomaten
100 g Joghurt
Salz, Pfeffer, Knoblauch, Schnittlauch
Die Brennessel waschen, abtropfen und in Öl legen. Anschliießend das Öl gut abtropfen lassen und die Brennesseln in Streifen schneiden. Die Radieschen werden geraffelt. Die Salatgurke der Länge nach halbieren und in feine, halbe Scheiben schneiden. Zur Garnierung die geraffelten Radieschen auf die Tellermitte aufhäufen und die Brennesseln rundherum legen. Als nächste Reihe die gewürfelten Tomaten auflegen und den Rand mit den halben Gurkenscheien abschließen. Joghurt mit den Gewürzen pikant abschmecken und über die Rohkost gießen. Reichlich mit Schnittlauch bestreuen.
Brennesselsuppe:
500 g Brennesselblätter
250 g Kartoffel
40 g Butter
800 ml Milch
Salz u. Pfeffer
Die Brennesseln waschen und abtropfen lassen. Die Butter erhitzen und die Brennesseln darin andünsten lassen. Kartoffeln waschen, schälen und in dünne Scheiben schneiden. Zu den Brennesseln geben, mit der Milch aufgießen und 10 Minuten köcheln lassen. Anschließend mit dem Mixer glatt mixen und mit Salz, Pfeffer würzen.
Brennesselspinat auf Wiener Art:
500 g Brennessel
500 g Spinat
20 g Butter
40 g Mehl
1/4 l milch
2 Knoblauchzehen
Salz u. Pfeffer
Brennessel und Spinat gut waschen und in Salzwasser garen. Abseihen, gut ausdrücken und das Kochwasser aufheben. Das Gemüse pürieren. Aus Butter und Mehl eine Mehlschwitze zubereiten, mit dem Kochwasser und der Milch aufgießen und gut umrühren. Das pürierte Gemüse, Salz, Pfeffer und die zerdrückten Knoblauchzehen beifügen und alles aufkochen.
Gebackene Brennesselblätter:
20 - 30 große Brennesselblätter
125 g Mehl
1/4 l helles Bier,
1 Eigelb
Salz, Prise Muskat
1 Teelöffel Öl, 1 Eiklar
Das Mehl mit Bier, Eigelb, Salz u. Muskat zu einem dickflüssigen Teig verrühren, das Öl hinzugeben und das zu Schnee geschlagene Eiklar unterziehen. Die Brenneselblätter werden mit einem Nudelholz gewalkt und gesalzen, etwas ziehen gelassen, dann in den Bierteig getaucht und bei 180 Grad C in Öl goldbraun ausgebacken.
Gegen Schuppen und Haarausfall:
50 g Brennesselwurzel
500 g Wasser
Die Brennessel mit 1/2 Liter Wasser aufkochen und 5 Minuten sieden lassen, etwas abkühlen und abseihen. Mit dem Sud den Kopf waschen. Sollte 2 bis 3 mal in der Woche angewendet werden.
Haarwuchsmittel nach Leclerc:
100 g frische Blätter und Samen der Kapuzinerkresse
100 g frische Brennesselblätter
100 g Buchsbaumblätter
500 g Alkohol 70 %ig
Kräuter klein schneiden und gut mischen, mit dem Alkohol übergießen. 15 Tage ziehen lassen, abseihen und 10 g Geraniumöl daruntermischen. Mit einer rauhen Bürste mit Naturborsten täglich in die Kopfhaut einreiben.
Liebe Grüße,
Viola![]()



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