Eine Göttin gab dem Holunderbusch seinen Namen. Die hohe Frau, nämlich Frau Holle, ist beinahe vergessen, nur ihr Lieblingsbaum träumt noch in vielen Bauerngärten von den Geschichten, die ihn mit der Göttin verbanden.

Asl beschützender Hausgeist wohnt sie in diesem Strauch, und dort brachten die Germanen ihre Opfer zu Ehren der Göttin dar. Die vielen bäuerlichen Holunderbüsche sind noch eine unbewusste Erinnerung an den alten Hausbaum, der ganz absichtlich in der Nähe der Häuser gepflanzt wurde.

Zu einer Zeit, in der man noch an die Frau Holle glaubte, war es streng verboten, einen Holunderbusch zu fällen oder zu beschädigen. Der Holunder war in der Tradition unserer Vorfahren auch ein Baum der Ahnen. Dort, wo ein Holunderbaum stand, soll es auch eine Pforte in die Anderswelt gegeben haben. Durch sie kann man treten, um mit den Ahnen Kontakt aufzunehmen.

Der Holunder gehört noch heute zu den bekanntesten Volksheilmitteln. In Tirol heißt es, man solle den Hut vor einem Holunderbusch ziehen.

Heilanwendung:
Die Blüten haben eine stark schweißtreibende Wirkung. Ein heißer Blütentee empfiehlt sich daher bei allen Erkältungskrankheiten wie Grippe, Schnupfen, Bronchitis, Lungenentzündung.
Holunderblütentee ist auch ein beruhigendes und schmerzlinderndes Mittel bei Kopfschmerzen, Zahn- und Ohrenschmerzen. Bei Ohrenschmerzen überbrüht man ein kleines mit Holunderblüten gefülltes Leinensäckchen, drückt es aus und legt es warm auf das schmerzende Ohr.

Im Mittelalter kannte man noch weitere Zubereitungen aus den Holunderblüten: Man brannte ein Holunderblütenwasser, das bei Geschwülsten, Wassersucht, Leber- und Milzleiden gute Dienste leisten sollte.
Man kann auch ein einfaches Holunderwasser herstellen. Es regt den Stoffwechsel an und wirkt leicht abführend.

Holunderblütenwasser:
4 frische Dolden Holunderblüten
1 Liter abgekochtes, erkaltetes Wasser
2 Messerspitzen Weinsteinsäure

Die abgezupften Blüten in ein Gefäß geben. Das Wasser mit der Weinsteinsäure verrühren und über die Blüten gießen. Abdecken und 1 Tag ziehen lassen, dann abseihen und mit Honig süßen.

Die Holunderbeeren kann man zu Saft, Mus, Wein und Marmelade verarbeiten. Da die Beeren sehr viele Vitamine enthalten, sind Zubereitungen daraus zugleich auch ein Heilmittel, das die Abwehrkräfte des Körpers stärkt. Frisch gegessen verursachen die Beeren oft Brechreiz und Übelkeit, was durch das darin enthaltene Glycosid verursacht wird.

Zur Heilung von Rheuma, Neuralgien und Ischias wird der frische Saft empfohlen. Hierfür trinkt man 14 Tage lang täglich zweimal je 20 g des frischen Saftes, mit 15 g Portwein vermischt. Dieses Rezept stammt von dem Prager Arzt Dr. Epstein, der damit erstaunliche Heilerfolge bei seinen Patienten erzielt hat.

Die Rinde und die Wurzel wirken stark harntreibend. Die abgeschabte Rinde und die zerkleinerte Wurzel sind ein sehr wirksames Mittel, um die Harnausscheidung anzuregen. Sie werden bei Harnverhalten und zum Entwässern bei Wasseransammlungen im Körper angewendet. Hierzu kocht man 1/2 Teelöffel der zerkleinerten Rinde oder Wurzel mit 1 Tasse Wasser auf. Ziehen lassen und abseihen. Davon pro Tag 2 Tassen trinken.

Die Blätter haben ebenfalls eine harntreibende Wirkung, die jedoch nicht so drastisch ist wie jene von Rinde und Wurzel. Zur Bereitung eines Blättertees nimmt man 1 Teelöffel zerkleinerte Blätter, frisch oder getrocknet, überbrüht sie mit 1 Tasse kochendem Wasser. Ziehen lassen und abseihen. Davon pro Tag 1 bis 2 Tassen trinken.
Zubereitungen aus Rinde, Wurzel und Blättern vorsichtig dosieren. Zu große Mengen können Übelkeit verursachen.

Am Stammholz alter Holunderbüsche wächst ein besonderer Schatz. Es ist ein Baumpilz, der in seiner Form dem menschlichen Ohr auffallend ähnelt: das Judasohr. Der Pilz sitzt an senkrechten Stämmen meist umgekehrt schüsselförmig an einem sehr kurzen Stiel. Die Oberseite ist weich-filzig, rötlich, violett bis olivbraun. Der getrocknete Pilz ist stark zusammengeschrumpft, quillt jedoch in Wasser zu seiner ursprünglichen Größe auf. Als Mu Err oder chinesische Morchel kann man den Pilz in Asienläden, im Kräuterhaus oder in Feinkostgeschäften kaufen. Er gehört in fast jedes chinesische Gericht und ist auch in der chinesischen Heilkunde als wirkungsvoller Heilpilz bekannt. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass er sehr reich an sekundären Inhaltsstoffen ist, die eine entzündungshemmende und die Blutgerinnung hemmende Eigenschaften besitzen. Er verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und sorgt so für eine bessere Durchblutung. Er gilt als vorbeugend und heilend bei Thrombosen und anderen Verschlüssen der Adern, bei der sogenannten Schaufensterkrankheit, das heißt mangelnder Durchblutung der Beine. Wie die Untersuchungen außerdem gezeigt haben, kann das Judasohr die Bildung von bösartigen Bindegewebsgeschwulsten hemmen.

Auch in der einheimischen traditionellen Heilkunde war der Holunderschwamm, wie das Judasohr auch genannt wird, wohl bekannt. Pfarrer Kneipp empfahl den Pilz, in Wasser oder Milch gekocht, als gutes Mittel zur Behandlung von entzündeten Augen. Der Holunderschwamm ist auch, in Rosenwasser oder Fencheltee eingeweicht und das Wasser dann als Kompresse verwendet, ein sehr gutes Mittel zur Behandlung von Augenentzündungen. Das Wasser beruhigt und heilt auch von Sonnenbrand irritierte Haut. Weicht man das Judasohr etwa 8 Stunden in Wasser ein, erhält man ein gutes Gurgelwasser bei Halsschmerzen und Angina. In früheren Zeiten pulverisierte man die getrockneten Pilze und kochte daraus eine Salbe, indem man frisches Tannenharz dazurührte. Diese Salbe verwendete man als Wundkompresse für die Behandlung von schlecht heilenden Wunden und Geschwüren.

Die Verwendung von Holunder in der Küche:
Die Blüten und Beeren des Holunders lassen sich in unzähligen Varianten zubereitenn.
Aus den frischen Blüten kann man Holundermilch, Holundersekt, Holunderküchlein und Holunderlimonade herstellen. Sowohl für Heilanwendungen wie auch zum Kochen sollten die Blütenstände bei trockenem Wetter geerntet werden. Möchte man sie für die Teebereitung trocknen, legt man sie in dünnen Lagen aus oder hängt sie an Schnüren auf. Dann lassen sich die Blüten von den Stielen trennen, indem man sie zwischen den Händern verreibt.

Holundermilch:
2 frische Blütendolden
2 Tassen Milch
nach Belieben 1 Prise Ingwer, Safran, Zimt, Vanille
Die Dolden mit kalter Milch ansetzen und zum Kochen bringen. Etwas ziehen lassen, dann abseihen. Würzen und mit Honig oder Ahornsirup süßen.

Aus: "Blätter von Bäumen
Heilkraft und Mythos einheimischer Bäume"
von Susanne Fischer-Rizzi

Wirkung des Holunders:
Holunderblüten enthalten wie das Aspirin Salicylsäure, diese wirkt schweißtreibend, fiebersenkend und gilt als Wundermittel bei Erkältungen. Neben den Aromastoffen enthält die Holunderblüte auch sehr viel wertvollen, mineralstoffreichen Blütenstaub, daher darf sie vor der Verarbeitung keinesfalls gewaschen werden. Die grünen Teile des Holunders (Blätter, Blütenstiele, aber auch die unreifen Beeren) enthalten das abführend wirkende Sambucin. Wenn solche Pflanzenteile verspeist weden, bekommt man Durchfall.

In Funden von Speiseresten aus der Steinzeit wurden immer wieder auch Holundersamen nachgewiesen. Daraus läßt sich schließen, dass schon in prähistorischer Zeit Holunderbeeren gegessen wurden. Die traditionelle Nutzung des Schwarzen Holunders findet sich in der Folge bei den alten Griechen genauso wie im Mittelalter. In der heutigen Zeit erfreuen sich die Blüten mit ihrem charakteristischen Aroma auch in der Gourmetküche wieder sehr großer Beliebtheit.

Holunderblüten riechen sehr intensiv und verleihen den Speisen ein ganz besonderes Aroma. Durch das Einlegen einiger Blüten können Essig, Wein oder Milch aromatisiert werden. Auch der Holunderblütensirup eignet sich hervorragend zum Aromatisieren von Desserts, Mehlspeisen und Getränken.

Wenn Sie einmal durchs Land streifen, werden Sie feststellen, dass Holundersträucher sehr häufig an den Ecken von Scheunen oder Stadeln stehen. Das kommt daher, dass die Bauern früher genau wussten, in welches Areal sie ihre Höfe bauten. Ein Holunder- oder Hollerstrauch wächst nur auf für den Menschen schädlichen Stellen über geopathischen Reizzonen, vorausgesetzt, dass er sich selbst ausgesät hat. Bei der Landbevölkerung war der Glaube verbreitet, dass es Unglück bringe, einen Hollerbusch abzuholzen, denn er galt als sehr heilkräftig und als Verkörperung der Frau Holle. Ihn umzuschlagen war beinahe gleichbedeutend mit Mord, und es gibt viele Sagen, in denen der Hollerbaum dabei jammerte und schrie wie ein Mensch, dem Leid angetan wird. Ein Wohnhaus wurde daher auf den Teil des Landes gebaut, auf dem kein Holunder wuchs, und war damit auch störungsfrei.

Liebe Grüße,
Viola