Die Nachtkerze kam aus der Neuen Welt zu uns. Sie hat schnell einen Platz in der Volkskultur und in den Herzen der Europäer erobert.

Sie öffnet in der Abenddämmerung ihre leuchtend schwefelgelben Blüten, wie ein Schmetterling, der seinem Kokon entschlüpft. Jeder Blumengartenbesitzer in der Barockzeit wollte diese "Nachthimmelschlüssel", diese schönen "schlafenden Jungfrauen", diese "Nachtlichter" sein eigen nennen.

Hundert Jahre später entdeckten die Bauern, dass die zweijährige Pflanze eine fleischige Pfahlwurzel ausbildet, die sehr gut schmeckt. Zartrosa wie feiner gekochter Schinken ist die Wurzel, . Das heute fast vergessene Gemüse galt als Delikatesse. Eine Züchtung aus Deutschland gelangte 1863 wieder in das Ursprungsland zurück und machte unter dem Namen "deutsche Rapunzel" als Modegemüse Karriere.

Bei den Indianern war die Nachtkerze auch ein Heilkraut. Die blühenden Sprossspitzen wurden wegen ihrer entzündungshemmenden und krampflösenden Wirkung bei Husten, Bronchialspasmen, Magen- und Darmkrämpfen eingesetzt. Auch die weißen Amerikaner nahmen es in ihre Volksmedizin auf und kochten das Kraut mit Honig zu einem Hustenelixier. Die Ojibwa machten aus den Blättern Breiumschläge bei Prellungen und Quetschungen; die Cherokee applizierten die erhitzte Wurzel auf Hämorrhoiden.

In den achtziger Jahren offenbarte die Pflanze eine weitere Seite ihres heilenden Wesens. Mediziner nahmen das Öl ihrer Samen ins Visier. Sie entdeckten, dass das Öl größtenteils aus ungesättigten essenziellen Fettsäuren besteht, davon zehn Prozent Gammalinolensäure (GLS). GLS ist eine Vorstufe des Gewebshormons Prostaglandin, das im Körper vor allem im Sperma und in der Muttermilch vorkommt. Wenn der Körper zu wenig Prostaglandin erzeugt, kann es zu vielfältigen Störungen kommen, wie endogenen Ekzemen, trockenen Augen und brüchigen Nägel oder verstärktem prämenstruellem Syndrom. Auch chronischer Alkoholismus, ständiger Junk-Food-Konsum, fortgeschrittenes Alter oder radioaktive Bestrahlung können Prostaglandinmangel zur Folge haben.

Die Nachtkerze wird auch Düsterkerze, Nachthimmelschlüssel, Schlafende Mädchen, Faule Mädchen genannt und das bezieht sich auf das Aufblühen nach Sonnenuntergang.
Weiters wird die Nachtkerze auch Esswurzel, Schinkenwurz, Spanische Rapunzel, Rapontika genannt wegen ihrer Verwendung als Gemüse.
Sowie Eisenbahnblume, Schweizer Autobahnblume aufgrund ihres Standortes.

Die Nachtkerze ist eine zweijährige Ruderalpflanze, die volles Sonnenlicht braucht, um zu gedeihen. Ihre Samen keimen nur im Licht. Sie blüht nach Sonnenuntergang auf, und die nach Vanille duftenden Blüten werden von Nachtfaltern bestäubt. Jede Blüte blüht nur eine einzige Nacht.

Planetarische Zugehörigkeit: Jupiter, wegen der gelben Blüten, den ölhaltigen Samen.

Signatur: Da die Blüten nach einem Tag verwelken, ist es eine Pflanze, die sich für Zustände eignet, bei denen es um Erschöpfung der inneren Ressourcen geht.

Inhaltsstoffe: Phytosterole, Schleime, Gerbstoffe, Linolsäure
Die Blätter werden im Sommer gesammelt, die ölhaltigen Samen im Spätherbst.

Heilindikationen: Blätter und Sprossspitzen als Tee bei Magen-Darm-Krämpfen und Husten. Samenöl bei prämenstruellem Syndrom (PMS), endogenen Ekzemen (allergische Hautausschläge), Alkoholvergiftung (hilft bei der Regeneration der geschädigten Leber), Sjögrens Syndrom, Skleroderma (Austrocknen der Haut), Multipler Sklerose, Polyarthritis. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Die Blüten, die man auch essen kann, eignen sich zur Herstellung eines Blütenelixiers. Die Blütenessenz wird Menschen empfohlen, die sich abgelehnt fühlen oder für unerwünscht halten.

Aus "Mit Pflanzen verbunden"
von Wolf-Dieter Storl

Liebe Grüße,
Viola Hier zwei Nachtkerzen aus meinem Garten: