Traditionell glaubte man, Dill habe schützende Kräfte. So setzte man ihn gegen Zaubersprüche und Flüche von Hexen und Zauberern ein. Dieses aromatisch-süße Kraut wurde erstmals in der Heilmittelliste eines ägyptischen Arztes vor etwa 5000 Jahren genannt. Die alten Ägypter behandelten mit Dill Kopfschmerzen und die Römer und Griechen pflanzten ihn nicht nur wegen der therapeutischen Eigenschaften an, sondern auch für die Küche. Sowohl Plinius als auch Dioskurides beschrieben die beruhigende Wirkung des Dills. Auch in Palästina wurde er angebaut. Man nimmt an, dass der Anis, der in der Bibel erwähnt wird, Dill war.

Die Römer brachten den Dill nach England, wo er oft verwendet wurde. Während des Aufstands von Königin Boudicea in Britannien wurde ein Kräuterladen in Colchester niedergebrannt. Ausgrabungen dort haben verbrannte Dillsamen neben Anis-, Koriander-, Sellerie- und Mohnsamen zutage gebracht. Zur Zeit der Sachsen wuchs Dill in England wild. Der Name stammt von dem angelsächsischen Wort dylle und dem altnordischen Wort dilla, beide bedeuten "beruhigen". Frühe Botaniker ordneten den Dill der Herrschaft des Merkurs zu.

"Man verwende Dill zur Stärkung des Verstands,
er beruhigt den Magen
und vertreibt Blähungen galant."


Nicholas Culpeper, Der englische Arzt, 1653

Zur Zeit der Angelsachsen war Dill Hauptbestandteil einer magischen, heiligen Allheilsalbe. Man verwendete ihn in einem Zaubermittel gegen die "Wasserelfenkrankheit" (vermutlich Windpocken) sowie zur Behandlung der "Elfenkrankheit" (wahrscheinlich Gelbsucht). Zahlreiche begeisterte Beschreibungen der Zauberkraft des Krautes sind in den Tagebüchern des Erzbischofs Alfric von Canterbury aus dem 10. Jahrhundert enthalten. Man glaubte, Dill schütze vor den Zauberformeln und Flüchen von Hexen und Zauberern. Paradoxerweise glaubte man ebenfalls, er sei eines der Kräuter, die Magier in ihren Rezepturen verwendeten.

Dill galt als Aphrodisiakum und wurde dem Wein beigemischt. Von jeher wurden unruhige Kinder mit Dill beruhigt. Frauen rieben ihre Brüste mit Dillsaft ein, damit säugende Babys nach dem Stillen einschliefen. Auch heutzutage ist Dill Hauptbestandteil von Arzneimitteln gegen Bauchschmerzen für leicht reizbare Kleinkinder. Dill wird seit jeher bei Verdauungsstörungen und Magenverstimmungen eingesetzt.

Dill war im alten Griechenland von unschätzbarem Wert und auch die Römer kannten ihn: Sie pflanzten ihn in ihren Gärten an und würzten die Speisen damit. Im Mittelalter war Dill ein allgemein gebräuchliches und beliebtes Küchenkraut. Alle Teile der Pflanze wurden zum Würzen verwendet. Dill kam in Salate und wurde zum Einmachen von Gemüse für den Winter gebraucht. Die Griechen und Römer verwendeten Dillöl für Parfüm. Neben anderen kosmetischen Präparaten aß man auch Dill, um die Fingernägel zu festigen.

Häufig wurde er wegen der Ähnlichkeit mit Fenchel als "falscher Fenchel" bezeichnet. Die ersten Siedler aus Europa nahmen die kostbaren Dillsamen mit in die Neue Welt. Man weiß, dass John Winthrop das Kraut dort im 17. Jahrhundert anbaute. In jener Zeit war es weit verbreitet, während langer Gottesdienste Dillsamen zu essen. Dabei kam den Andächtigen vermutlich zugute, dass die Samen eine leicht einschläfernde Wirkung haben und nagenden Hunger lindern können.

Gegen Schlaflosigkeit trinkt man eine Tasse Dilltee aus Dillsamen.

Für gesunde Verdauung und frischen Atem kann man Dillsamen kauen.

Kinder beruhigt man, in dem man in einer Tasse kochendem Wasser einen halben Teelöffel Dill fünf Minuten lang einweicht. Den abgekühlten Tee Kindern zum Trinken geben.

Fingernägel kann man festigen, in dem man frischen Dill ißt und die Finger regelmässig zehn Minuten lang in einem Aufguss aus Dillsamen badet.

Einen schützenden Trank kann man kochen aus Dill, Klee, Johanniskraut und Eisenkraut zu gleichen Teilen. Diesen Aufguss stelle man neben die Tür, damit kein Unglück ins Haus gelangt.

Aus: "Geheime Zauberkräuter"
von Margaret Picton

Liebe Grüße,
Viola