Die alten Ägypter schätzten dieses Kraut sehr und weihten es ihren Göttern und der Sonne. Die Angelsachsen nannten die Kamille maythen und erwähnten sie in der Lacnunga, einer frühen angelsächsischen Schrift, als eines ihrer neun heiligen Kräuter. In der deutschen Legende stellten Kamillenblüten die Seelen unglücklicher Soldaten dar, die für ihr Sünden unter einem Fluch starben. Die Kamille wird mit dem heiligen Johannes in Verbindung gebracht und es war Brauch, am Johannistag, dem 24. Juni, einen Kamillenkranz zum Schutz vor Sturm, Blitz und Donner an die Haustür zu hängen. Zur Sommersonnenwende entündete man an Wegkreuzungen und auf Feldern Freudenfeuer. Die Feuer wurden mit aromatischen Pflanzen, darunter auch Kamille angeheizt. Man glaubte, ihr Rauch hätte Zauberkräfte, die alles Unglück abwenden könnten. Die Menschen sprangen über das Feuer, trieben den scharfen Rauch in Richtung Feldfrüchte, Obstbäume und Tiere und trugen die Kranken herbei, damit sie die nützlichen Eigenschaften einatmeten.
In vielen europäischen Ländern brachte das Landvolk bei jedem Kirchgang ein bouquet d'Eglise mit, ein Sträußchen mit den Blumen der Jahreszeit. Kamille wurde auch bei den Feiern zum Festtag der heiligen Anna (26. Juli) verwendet. In Südwales pflanzte man diese wohlriechende Pflanze traditionell auf Familiengräber. Die Kamille ist die Geburtstagsblume des 17. Dezember. In der Blumensprache steht die Pflanze für Kraft in der Not und zur Zeit der Tudors symbolisierte sie in England Demut und Geduld. Der Botaniker Nicholas Culpeper ordnete die Kamille im 17. Jahrhundert der Sonne zu.
... große Wege, breit und lang,
wie die Tempelhaine in Thessalien,
erhöht mit Steinen und Sand,
mit Sitzgelegenheiten und Abhängen aus Kamille -
all dies entzückt den Geist und macht den Körper gesund.
William Lawson, Schriftsteller des 17. Jahrhunderts
Eine der Lieblingspflanzen der weisen Frauen war zu allen Zeiten die sanfte Kamille. Sie ist eine echte Wildpflanze und eine unserer ältesten und bekanntesten Heilpflanzen. Schon ägyptische, babylonische, griechische, römische und arabische Heilkundige werwendeten sie.
Galen berichtet, dass sie bei den Weisen Ägyptens ihrer Fieber senkenden Wirkung wegen als Blume des Sonnengottes galt. Bei den Germanen war sie dem Lichtgott Baldur geweiht. Die Kamille wirkt beruhigend, krampflösend und entzündungshemmend.
Kamille
Die Kraft, das Weh im Leid zu stillen,
verlieh der Schöpfer den Kamillen.
Sie blühn und warten unverzagt
Auf jemand, den das Bauchweh plagt.
Der Mensch jedoch in seiner Pein
Glaubt nicht an das, was allgemein
Zu haben ist. Er schreit nach Pillen.
Verschont mich, sagt er, mit Kamillen,
um Gotteswillen!
Karl Heinrich Waggerl, 1897-1973
Die Kamille wächst vorwiegend auf Äckern und Ödland, Wegraine.
Die Kamille wirkt gegen Entzündungen, ist krampfstillend, beruhigend und wundheilend.
Verwendung in der Wildkräuterküche:
Die Blütenköpfchen der Kamille verströmen einen angenehmen Geruch, sie sind wegen dieses zarten Aromas als Zutat zu Salaten und Nachspeisen, aber auch für Teemischungen und Limonaden bestens geeignet.
Der beruhigende Duft der Kamillen kann auch für Kräuterkissen genutzt werden; dazu kann man auch Stengel und Laub verwenden. Aber auch wirkungsvolle und hautschonende Kräuterkosmetik kann aus Kamillenblüten auf einfachste Weise selbst hergestellt werden.
Kamillenblütensirup
100 g frische Kamillenblüten, 50 ml Wodka, 200 ml Wasser, 300 g Zucker
Die Kamillenblüten werden mit dem Mörser zerquetscht, in ein Glasgefäß mit Schraubverschluß gefüllt, mit dem Wodka übergossen und dem Wasser aufgefüllt. Der Ansatz wird nun 2 Tage in die Sonne gestellt, immer wieder geschüttelt und nach und nach wird der Zucker beigefügt. Dann werden die Blüten abgeseiht, ausgepreßt und der Sirup wird unter ständigem Rühren kurz aufgekocht. In dunklen Flaschen kühl gelagert, hält er sich 1 Jahr.
Kamillen-Körperöl
2 Handvoll frische, zerstoßene Kamillenblüten werden in ein helles Glas mit Schraubverschluß gefüllt und mit 1 l Sesam- oder Olivenöl übergossen. An einem sonnigen Ort muß das Öl 2 - 3 Wochen ziehen, dann wird es abgesiebt und kann zur Körperpflege, besonders aber bei Rücken-, Bauch- und Nierenschmerzen verwendet werden. Aber auch zur Babypflege ist es gut geeignet. Ein entkrampfendes Öl ergibt sich, wenn Sie noch ätherische Öle vom Fenchel, der Römischen Kamille und vom Lavendel beifügen (etwa 5 Tropfen pro Sorte).
Liebe Grüße,
Viola![]()



LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren


Lesezeichen