Seht euch nun diese so hochberühmte Pflanze an.
Selten werdet ihr ein unscheinbareres Gewächs finden,
wie sie und es ist geradzu unmöglich,
zu erklären, welche Ursache es gewesen sein könnte,
die das Eisenkraut zu seinem wunderbaren
Ansehen und Ruhme gebracht hat.
Emma M. Zimmerer: Kräutersegen (1896)
Plinius hat über den Gebrauch des Eisenkrauts bei den gallischen Kelten geschrieben: Es wird zur Wahrsagerei benutzt. Die Druiden behaupten, dass derjenige, der das Kraut, das weder von der Sonne noch vom Mond beschienen sein dürfe, beim Aufgang des Hundssterns (Sirius) sammle und sich damit salbe, alles Gewünschte erlangen könne. Ehe man grub, musste man zuvor die Erde mit einem Opfer versöhnen, dann mit einem Eisen einen Kreis um die Pflanze ziehen und sie anschließend mit der linken Hand ausgraben.
Plinius berichtet auch, dass bei den Römern Gesandte, die zu Friedensverhandlungen geschickt wurden, das Eisenkraut bei sich oder als Kranz auf dem Kopf trugen. Mit einem Staubwedel aus Eisenkraut wurde der Tisch im Jupitertempel gereingt, ebenso in Privathäusern, um Unglück fern zu halten.
Der deutsche Name leitet sich wahrscheinlich von "is" (hart, zäh) für die sehr festen Stängel ab; früher hieß die Pflanze auch "Isenkraut". Die Botaniker des 16. Jahrhundert erklärten den Namen damit, dass Eisen durch den Saft des Krauts besonders gut gehärtet würde.
Eine so mächtige Zauberpflanze konnte selbstverständlich auch für die Liebe Großartiges bewirken. Es hieß, Eisenkraut stehe in einer besonderen Beziehung zum Planeten Venus. Es sollte große Liebeskraft verleihen und als Amulett um den Hals getragen, den Träger oder die Trägerin bei allen Leuten beliebt machen.
Der Alchemist Leonhard Thurneysser empfahl in seinem Kräuterbuch 1575 das richtige Vorgehen, um sich die Kraft der Verbena zunutze zu machen:
verbeen, agrimonia, madelger, charfreytags graben, hilft dir sehr,
dass dir die frawe werden hold, doch brauch kein eisen, grabs mit goldt!
Am Karfreitag oder auch in der Johannisnacht zur Zeit des Aufgangs der Venus oder am Tag Mariä Himmelfahrt) und mit Gold oder Silber gegraben genügte jedoch laut den meisten Vorschriften, die damals weitergegeben wurden, nicht. Das Kraut musste liegen bleiben, bis der Morgentau darauf fällt (also über Nacht). Auch der Wurzelgräber musste die ganze Nacht über neben der Pflanze ausharren und durfte sie erst kurz vor Sonnenaufgang mit nach Hause nehmen.
Im über die Jahrhunderte tradierten Volksglauben konnte Eisenkraut Wunderbares leisten. Es verlieh zauberhaft schöne und auch zukunftsweisende Träume und wirkte erfrischend auf den ermatteten Geist. Sogar lernunwillige Kinder wurden davon wissbegierig und bekamen einen klaren Verstand. Wenn man das Kraut den Pferden in den Schwanz band, liefen sie schneller. Brachte man es in den Acker, so konnte man mit einer reichen Ernte rechnen und damit, dass das Feld vor Unwetterschäden bewahrt blieb. Wer Eisenkraut bei sich trug, wurde beim Gehen nicht müde und verfehlte nie den richtigen Weg. In der Georgsnacht (23. April) zeigte es einem die verborgenen Schätze.
Mit Hilfe von Eisenkraut konnte man auch Gewissheit über das Schiksal eines Kranken erlangen. So schreibt Valentinus Kräutermann in seinem Buch von 1725: "Eisen-Kraut, so jemand solches bey sich träget, und redet den Patienten an? Wie lebet man, oder was macht ihr? und er spricht: schlecht, so stirbt er."
Die Hexen sollen das Wunderkraut in ihre Hexensalbe getan und zum "Gewitterbrauen" verwendet haben. Die mächtige Zauberpflanze schützt auch vor Pest, fallender Sucht, Kopfweh, Kropfbildung. Sogar Gespenster und Verzauberung konnte man sich mit Hilfe des Eisenkrauts vom Leibe halten. Franz Söhns zitiert aus einem Arzneibuch des 11. Jahrhundert: "Swer die verbenem bi imhat, der gedarf nimmer dehein zauber gefurchten." Deshalb gab man das Eisenkraut auch Wönchnerinnen, die ja in ganz besonderem Maße den Angriffen böser Geister ausgesetzt sind, ins Bett, um sie und ihr neugeborenes Kind zu schützen. Es hieß sogar, man könne giftige Schlangen ohne jede Gefahr in die Hände nehmen, wenn man sich diese zuvor mit Eisenkraut eingerieben habe.
Volksnamen des Eisenkrauts: Druidekraut, Eisenhart, Eisenreich, Taubenkraut, Wundkraut.
Familie: Eisenkrautgewächse (Verbenaceae)
Blütezeit: die kleinen blassblauen oder violetten Blüten blühen von Juli bis September
Man findet das Eisenkraut an Mauern, Wegränder, Brachflächen und Waldränder.
Verwendung als Heilpflanze:
Wichtige Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Glykoside, Gerbstoffe, Schleim, Bitterstoffe
Zubereitungen aus dem blühenden Kraut helfen bei Katarrhen der oberen Luftwege. Tee aus dem blühenden Kraut bei Kopfschmerzen, Migräne, allgemeiner Schwäche, Schlafstörungen
Sebastian Kneipp empfahl Eisenkrauttee gegen Keuchhusten, Nieren- und Leberleiden, Wasser- und Gelbsucht.
Aus: "Die geheimnisvolle Welt
der Zauberpflanzen und Hexenkräuter"
von Gertrud Scherf
Liebe Grüße,
Viola![]()



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