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Thema: Re. Materialismus

  1. #1
    R.B.
    Gast

    Re. Materialismus


    Hallo Paul,


    eine lange Antwort auf eine lange Antwort:


    1. Ich habe die wenigen Beiträge in Deinem Forum ( und die einzigen in Foren überhaupt) nur deshalb geschrieben, weil ich den Eindruck habe, dass Du und die anderen ernsthaften Forumsteilnehmer nicht zum Klub der notorischen Besserwisser gehören, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung suchen, um tiefere Einsichten zu gewinnen. Dazu gehört der Widerspruch. Also mach Dir bitte keine Sorgen über ein eventuelles Mißfallen Deiner Argumente meinerseits.


    2. Aus dem, was Du in Deinen grundsätzlichen Aufsätzen formulierst, musste ich, und habe ich mit Widerspruch gerechnet, und Deine kurze Antwort am 23.12. hat mich ehr erschreckt.


    3.Natürlich hast Du recht, wenn Du den vermeintlichen Absolutheitsanspruch meiner kurzen Sätze kritisierst. Ich hatte nicht vor, auf einer viertel Seite das Universum zu erklären. Allerdings will ich nicht verschweigen, dass ich Probleme damit habe, wenn am Ende ganz vieler Worte nicht eine, wenigstens vorläufige, Handlungsanweisung folgt. Denn man muss sich schon die Frage stellen, ob, angesichts der drängenden Probleme der Menschheit, eine wissenschftliche Nabelschau, aus der keinerlei Handeln erwächst, überhaupt zu verantworten ist.

    Ich meine damit niemanden persönlich, sondern alle, die diskutieren, selbstverständlich auch mich selbst.

    ( Was mir immer vorschwebt, ist eine politische Position, fussend auf einem esoterischen Weltbild. Das habe ich aber nirgendwo formuliert gefunden. Bin für jeden Hinweis dankbar.)


    4. Sicher bin ich nicht sattelfest in der wissenschaftlich korrekten Verwendung von Begriffen, da ich nun mal eine künstlerische, und keine wissenschftliche Ausbildung habe. ( Die auch schon wieder 30 Jahre zurück liegt.)

    Wenn ich aber Franz Bardons vierpoligen Magneten richtig verstanden habe, ist eine rein wissenschftliche Betrachtung der Welt ohnehin zu kurz gesprungen.

    ( Oder esoterisch: es gibt vier elemente, und nicht nur Luft.)

    Ich jedenfalls hätte noch andere Betrachtungsweisen anzubieten.


    5. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Einführung weiterer Betrachtungsweisen, über die wissenschaftliche hinaus, dem Selbstbetrug Tür und Tor öffnen.Dem muß mit einer Selbstverpflichtung zur Ehrlichkeit begegnet werden, bzw. mit gegenseitiger Kontrolle.


    6. Keinesfalls wollte ich zum Ausdruck bringen, dass der Materialist und der Atheist grundsätzlich nicht zu ethischem Handeln befähigt seien. Ganz im Gegenteil gehört es zu den, mich depremierenden, Erfahrungen, dass ich mehr materialistisch und atheistisch, aber auch religiös denkende Menschen kenne, die ethisch handeln, als Esoteriker.


    7. Ich wollte Objektiv/Subjektiv schon als Außen/Innen verstanden wissen, wobei mir nicht klar werden will, was denn der objektive Sinnesreiz an einem Stuhl sein soll? Ist " objektiv " und " Sinnesreiz " nicht ein Widerspruch in sich?


    8. Dein Beispiel vom schönen Kellner und der Besucherin läßt auch noch eine andere Deutung zu, nämlich die der willentlich herbeigeführten, selektiven Wahrnehmung.

    Unsere Besucherin ist eine intelligente Frau, die sehr wohl weiß, dass das Lächeln des Kellners professionell ist. Sie entschließt sich aber, es trotzdem anders zur Kenntnis zu nehmen, weil ihr das angenehmer ist.

    Ein klitzekleiner Akt von Magie, denn Magie ist die willentliche Herbeiführung von Bewußtseinsänderung. ( siehe dazu W.E.Butler: Die hohe Schule der Magie)

    Unser Kellner wird durch winzige Veränderungen in den Impulsen nun zu der Überzeugung gebracht, dass es ein netter und aussichtsreicher Gedanke sein könnte, das professionelle durch ein echtes Lächeln zu ersetzen.

    Ein klitzekleiner Akt von Hellsichtigkeit.

    Jedenfalls wurden wir soeben Zeuge der esoterischen Entstehung einer großen Liebe - oder einer kurzen, leidenschaftlichen Nacht - egal.

    Jedenfalls haben wir hier die anderen drei Pole des vierpoligen Magneten.


    a) Luft - Intellekt

    b) Feuer - Wille

    c) Wasser - Emotion

    d) Erde - bildet aus den anderen drei Elementen das Bewußtsein


    9) Die Definition von Innen/Aussen führt zur Definition von Bewusstsein. Natürlich kennt der Materialist das Innen, aber er beschreibt das Verhältnis zum Aussen anders.

    Für Kant beispielsweise bedeutet Materie nicht eine von der Seele unterschiedene und heterogene Art von Substanz, sondern ist nur eine Erscheinung, die sich " gleichsam von der Seele abgelöst hat und ausserhalb ihrer zu schweben scheint."

    Das genaue Gegenteil beschreiben Materialisten wie de La Metterie, der ja nicht behauptet dass es keine pysischen Phänomene gäbe, der nur sagt, dass auch pysische Phänomene nicht immaterieller, sondern materieller Natur sind. Bei Kant wirkt Innen nach Aussen, bei de La Metterie wirkt Aussen nach Innen.

    Wie dem auch immer sei, das Grundmerkmal von Bewusstsein ist Subjektivität.

    Wenn das Aussen der Projektor ist, und das Innen die Leinwand, dann ist es einfach zu verstehen, das nicht nur die Qualität des Projektors, sondern auch die Qualität der Leinwand über die Qualität des Bildes entscheidet. Viel wichtiger aber ist die Einsicht, dass es ohne Leinwand überhaupt kein Bild gibt.


    8. Dieser ganze Definitions-Wirrwarr könnte uns völlig egal sein, wenn der Esoteriker nur eine andere Lesart des religiösen Menschen wäre. Dann könnten die beiden ihre Innenwelt Glauben nennen, der Materialist würde Autosuggestion dazu sagen, und der Zyniker Einbildung.

    Der Esoteriker ist aber nicht eine andere Spielart des religiösen Menschen.

    A prayer will never be a spell.

    Die Probleme fangen erst richtig an, wenn der Esoteriker, wie es seine Natur ist, das Innen wieder nach Aussen wirken lässt, was sich dann in paranormalen Phänomenen manifestiert, die sich nicht an die Naturgesetze halten, zumindest nicht an die, die wir kennen.

    (In Freiburg gab es mal einen Lehrstuhl unter Professor Bender, der sich mit solchen Phänomenen befasste, und der in deutlicher Nähe zum Herrmann Bauer Verlag stand, von dem in diesem Forum schon mal an anderer Stelle die Rede war. Was daraus heute geworden ist, weiss ich nicht.)


    10) Im Bezug auf Religionen habe ich den Begriff Dogma schon im Sinne von dogmatisch = intolerant gemeint. Und natürlich meine ich Atheismus als Gegensatz zu Theismus. Ich kenne diesen Dogmatismus aber auch nur von Religionen, die von einem wesenhaften Schöpfergott ausgehen. ( Gibt es andere?)


    11) Das göttliche Prinzip kommt mir immer vor, wie eine Hilfskonstruktion für Materialisten. Denn Prinzip klingt nach: mit Naturgesetzen vereinbar.

    Esoterische Autoren, die eine ernsthafte Definition versuchen, scheitern mit schöner Regelmäßigkeit, weil es ein Widerspruch in sich ist, das Unbeschreibliche beschreiben zu wollen. Trotzdem scheint es mir eine Alternative zu Prinzip zu geben: Idee

    Und für mich spricht vieles, nicht nur " Am Anfang war das Wort " für Idee und gegen Prinzip. Das hiesse natürlich doch das Primat des Geistes über die Materie anzuerkennen.

    Aber vielleicht suche ich ja nur wieder nach einer Handlungsanweisung, mit der man aus dieser Welt doch noch einen brauchbaren Ort machen kann. und was das ganze mit Magenta zu tun hat, habe ich sowieso vergessen.


    Mit aufrichtiger Freude am Disput und vielen Grüssen


    Dein R.B.










  2. #2
    PA
    Gast

    Re: Materialismus


    Hallo R.B., :-)


    >Hallo Paul,

    >eine lange Antwort auf eine lange Antwort:

    >1. Ich habe die wenigen Beiträge in Deinem Forum ( und die einzigen in Foren überhaupt) nur deshalb geschrieben, weil ich den Eindruck habe, dass Du und die anderen ernsthaften Forumsteilnehmer nicht zum Klub der notorischen Besserwisser gehören, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung suchen, um tiefere Einsichten zu gewinnen.



    Ja genau. Ich jedenfalls halte absolut nichts von Besserwisserei. Sie stiehlt anderen und einem selbst nur die Zeit, die man für andere Aktivitäten besser verwenden könnte. Man merkt allerdings ziemlich schnell, ob es jemand nur um Besserwisserei zur Selbstdarstellung oder um einen lebendigen Diskurs geht.


    >Dazu gehört der Widerspruch. Also mach Dir bitte keine Sorgen über ein eventuelles Mißfallen Deiner Argumente meinerseits.

    >2. Aus dem, was Du in Deinen grundsätzlichen Aufsätzen formulierst, musste ich, und habe ich mit Widerspruch gerechnet, und Deine kurze Antwort am 23.12. hat mich ehr erschreckt.



    Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass mir dein Beitrag gefallen hat, auch wenn ich in manchen Punkten eine abweichende Meinung zum Ausdruck gebracht habe. Das gleiche ist auch wieder bei diesem Beitrag der Fall: er gefällt mir sehr gut und ich formuliere spontan im Folgenden meine Ansichten dazu.


    >3.Natürlich hast Du recht, wenn Du den vermeintlichen Absolutheitsanspruch meiner kurzen Sätze kritisierst. Ich hatte nicht vor, auf einer viertel Seite das Universum zu erklären. Allerdings will ich nicht verschweigen, dass ich Probleme damit habe, wenn am Ende ganz vieler Worte nicht eine, wenigstens vorläufige, Handlungsanweisung folgt.


    Hier bin ich vollkommen deiner Meinung! Reines Diskutieren um des Disputierens willen, oder um die Zeit totzuschlagen, ist ein ziemlich müßiges Unterfangen. Dem Gedanken soll und muss immer die Tat folgen. Oder noch besser: eine Diskussion soll schon aus irgendwelchen praktischen Handlungen entstehen, die mit Hilfe der Sprache begutachtet werden, um dann weitere Handlungen folgen zu lassen. Oder um anderen Menschen Informationen zur Verfügung zu stellen bzw. auszutauschen, die man verwenden kann, um Handlungen besserer Qualität folgen zu lassen.


    Hier im Forum ist allerdings hauptsächlich der Diskussionsanteil sichtbar. Den Handlungsteil setzt man dann, sobald man den Platz vor dem Monitor verlässt und den Rechner abschaltet.


    >Denn man muss sich schon die Frage stellen, ob, angesichts der drängenden Probleme der Menschheit, eine wissenschftliche Nabelschau, aus der keinerlei Handeln erwächst, überhaupt zu verantworten ist.


    Es könnte sein, dass du meine Motivation missverstehst. Ich stecke viel Zeit in diese Diskussionen und jeder der mich kennt weiß sehr genau, dass ich für jede meiner Handlungen einen sehr genau spezifizierten Grund habe. Ich beabsichtige natürlich etwas mit diesen Diskussionen! Ich habe ein Ziel. Es ist eine präzise, genau definierte Absicht damit verbunden. Ich gehe nicht einfach mal ins Internet um ein bisschen zu diskutieren. So was würde ich nie machen.


    >wissenschftliche Nabelschau


    Mit dem Wort "Wissenschaft" haben viele esoterisch orientierten Menschen so ihre Schwierigkeiten. Wissenschaft bedeutet im eigentlichen Sinn eigentlich nur "den Versuch, rauszufinden, was der Fall ist." Die Grundmotivation von Esoterik und Wissenschaft ist also dieselbe.


    Wissenschaft bedeutet nichts anderes, als dass wenn ich das Zimmer verlassen will (Handlung), ich zur Tür gehe, die Klinke runter-drücke, die Tür öffne und rausgehe. Ich versuche also nicht, an zufälligen Stellen der Wände das Zimmer zu verlassen, sondern ich handle zielgerichtet. Wissenschaft ist nur der Versuch rauszufinden, wo die Tür ist, wie man die Klinke runterdrückt, wie man die Tür aufzieht, usw.


    Die Esoterik versucht auch mit zahlreichen Erklärungsversuchen bestimmte Aspekte unseres Erlebens zu erklären. Manche diese Erklärungsversuche stehen im Widerspruch zu den Erklärungsversuchen der Wissenschaft. Die Esoterik muss sich diesen Widersprüchen stellen. Man kann zwar auch so tun, als ob man nichts davon wüsste, dies kann aber zu schwerwiegenden negativen Folgen für die einzelnen Personen führen. Die Auswüchse bei Sektenbildung kennen wir alle.


    >Ich meine damit niemanden persönlich, sondern alle, die diskutieren, selbstverständlich auch mich selbst.

    >( Was mir immer vorschwebt, ist eine politische Position, fussend auf einem esoterischen Weltbild. Das habe ich aber nirgendwo formuliert gefunden. Bin für jeden Hinweis dankbar.)

    >4. Sicher bin ich nicht sattelfest in der wissenschaftlich korrekten Verwendung von Begriffen,



    Hier hast du mich wahrscheinlich missverstanden, ich wollte nicht auf richtige Definitionen usw. pochen, sondern nur darauf hinweisen, dass man unter objektiv/subjektiv eben richtig-falsch oder innen-außen verstehen kann. In Diskussionen kommt es manchmal vor, dass der eine die ganze Zeit von innen-außen spricht und der andere von richtig-falsch und man deshalb auf keinen grünen Zweig kommt. Dieser Verwirrung wollte ich vorbeugen.


    >da ich nun mal eine künstlerische, und keine wissenschftliche Ausbildung habe. ( Die auch schon wieder 30 Jahre zurück liegt.)


    Ich muss wieder auf einen besonderen Aspekt hinweisen, in welcher Art ich hier im Forum "Wissenschaft" verwende.


    Es geht mir nicht um den Aspekt von "viel wissen" oder es "besser wissen" oder um "objektiv nachprüfbar" der Wissenschaft, obwohl hin und wieder auch dies wichtig sein kann.


    Mir geht es um den "Offensichtlichkeits"-Aspekt von Wissenschaft, in der Art meines "Steine kochen" Beispiels. Also um einen Aspekt, den jeder verstehen kann, ganz unabhängig von seiner Ausbildung. Also in der Einfachheit von: wenn etwas ein Stein ist, kann ich es nicht essen auch wenn ich es noch solange koche; wenn es eine Kartoffel ist, kann ich es essen.


    Nur um diesen Aspekt von Wissenschaft geht es mir. Der Rest interessiert mich hier nicht und bleibt den jeweiligen Spezialisten vorbehalten.


    >Wenn ich aber Franz Bardons vierpoligen Magneten richtig verstanden habe, ist eine rein wissenschftliche Betrachtung der Welt ohnehin zu kurz gesprungen.


    Dies hat auch niemand vor. Es ist dies, wie gesagt ja kein Wissenschaftsforum, sondern ein "esoterisches Forum". Allerdings ein "kritisches": wenn ein Vorwurf auftaucht, dann wird er ernst genommen und nicht einfach ignoriert. Es soll dann versucht werden, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen.


    >( Oder esoterisch: es gibt vier elemente, und nicht nur Luft.)

    >Ich jedenfalls hätte noch andere Betrachtungsweisen anzubieten.

    >5. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Einführung weiterer Betrachtungsweisen, über die wissenschaftliche hinaus, dem Selbstbetrug Tür und Tor öffnen. Dem muß mit einer Selbstverpflichtung zur Ehrlichkeit begegnet werden, bzw. mit gegenseitiger Kontrolle.



    Oops, Vorsicht :-) , das ist ein wissenschaftlicher Ansatz, nicht dass du mir jetzt die Fronten wechselst! (Nur scherzhaft gemeint!)


    >6. Keinesfalls wollte ich zum Ausdruck bringen, dass der Materialist und der Atheist grundsätzlich nicht zu ethischem Handeln befähigt seien. Ganz im Gegenteil gehört es zu den, mich depremierenden, Erfahrungen, dass ich mehr materialistisch und atheistisch, aber auch religiös denkende Menschen kenne, die ethisch handeln, als Esoteriker.


    Das sollte einem zu denken geben: es könnte sein, dass dies durch gewisse Fehler innerhalb des esoterischen Systems ausgelöst oder begünstigt wird.


    >7. Ich wollte Objektiv/Subjektiv schon als Außen/Innen verstanden wissen, wobei mir nicht klar werden will, was denn der objektive Sinnesreiz an einem Stuhl sein soll? Ist " objektiv " und " Sinnesreiz " nicht ein Widerspruch in sich?


    Richtig, hier beginnen die Schwierigkeiten. :-)

    Deshalb die ganze Magenta-Diskussion. Was ist außen, was ist innen, wo will man die Grenze ziehen, vor der Retina, in der Retina, hinter der Retina, erst im Gehirn, wenn ja, wo dort (es sind zahlreiche Hirn-Bereiche an der Verarbeitung beteiligt).


    Ich glaube, man soll sich eben das Ganze an einigen Beispielen gut durchdenken. ERST DANN kann man mit einer sinnvollen Diskussion beginnen, die auch etwas bringt. Sonst bleibt es dabei, sich unterschiedliche Auffassungen gegenseitig an den Kopf zu werfen.


    Wie ich schon vor längerer Zeit in einer Diskussion mit Werner betont habe, erklärt die Wissenschaft einfach kurzerhand alles zum Außen. Damit macht sie es sich zu einfach. Allerdings könnte man auch sagen, dass wir hier den Arbeitsbereich der Wissenschaft verlassen und in den Arbeitsbereich der Philosophie eintreten. Da sich die Wissenschaft aber immer öfter in Bereiche dieser Diskussion einmischt und andererseits die Philosophie immer öfter den Anspruch erhebt, wissenschaftlich zu sein, ist es klar, dass es hier zu einer intensiven Diskussion und Auseinandersetzung kommen muss.


    >8. Dein Beispiel vom schönen Kellner und der Besucherin läßt auch noch eine andere Deutung zu, nämlich die der willentlich herbeigeführten, selektiven Wahrnehmung.

    >Unsere Besucherin ist eine intelligente Frau, die sehr wohl weiß, dass das Lächeln des Kellners professionell ist. Sie entschließt sich aber, es trotzdem anders zur Kenntnis zu nehmen, weil ihr das angenehmer ist.



    Genau, so sollte bzw. kann es bei einer intelligenten Frau der Fall sein! :-)

    Ich habe das Beispiel nur verwendet um eine Bedeutungsverwendung von subjektiv-objektiv zu illustrieren.


    >Ein klitzekleiner Akt von Magie, denn Magie ist die willentliche Herbeiführung von Bewußtseinsänderung. ( siehe dazu W.E.Butler: Die hohe Schule der Magie)

    >Unser Kellner wird durch winzige Veränderungen in den Impulsen nun zu der Überzeugung gebracht, dass es ein netter und aussichtsreicher Gedanke sein könnte, das professionelle durch ein echtes Lächeln zu ersetzen.

    >Ein klitzekleiner Akt von Hellsichtigkeit.

    >Jedenfalls wurden wir soeben Zeuge der esoterischen Entstehung einer großen Liebe - oder einer kurzen, leidenschaftlichen Nacht - egal.

    >Jedenfalls haben wir hier die anderen drei Pole des vierpoligen Magneten.

    >a) Luft - Intellekt

    >b) Feuer - Wille

    >c) Wasser - Emotion

    >d) Erde - bildet aus den anderen drei Elementen das Bewusstsein


    >9) Die Definition von Innen/Aussen führt zur Definition von Bewusstsein.



    Hm, wirklich? Das muss ich mir erst genauer durchdenken, um zu entscheiden, ob ich hier einverstanden bin oder nicht.


    >Natürlich kennt der Materialist das Innen, aber er beschreibt das Verhältnis zum Aussen anders.

    >Für Kant beispielsweise bedeutet Materie nicht eine von der Seele unterschiedene und heterogene Art von Substanz, sondern ist nur eine Erscheinung, die sich " gleichsam von der Seele abgelöst hat und ausserhalb ihrer zu schweben scheint."

    >Das genaue Gegenteil beschreiben Materialisten wie de La Metterie, der ja nicht behauptet dass es keine pysischen Phänomene gäbe, der nur sagt, dass auch pysische Phänomene nicht immaterieller, sondern materieller Natur sind. Bei Kant wirkt Innen nach Aussen, bei de La Metterie wirkt Aussen nach Innen.



    Hier ist glaube ich der Begriff "wirken" zentral. Diesem fehlen die Referenzen. Man muss sich deshalb die Frage stellen: was wirkt dabei wie und auf welche Weise?


    >Wie dem auch immer sei, das Grundmerkmal von Bewusstsein ist Subjektivität.

    >Wenn das Aussen der Projektor ist, und das Innen die Leinwand, dann ist es einfach zu verstehen, das nicht nur die Qualität des Projektors, sondern auch die Qualität der Leinwand über die Qualität des Bildes entscheidet. Viel wichtiger aber ist die Einsicht, dass es ohne Leinwand überhaupt kein Bild gibt.



    Der Materialist würde dir antworten: klar, wenn kein Mensch (Lebewesen) da ist (lebt) dann muss auch nichts wahrgenommen werden.


    >8. Dieser ganze Definitions-Wirrwarr könnte uns völlig egal sein, wenn der Esoteriker nur eine andere Lesart des religiösen Menschen wäre. Dann könnten die beiden ihre Innenwelt Glauben nennen, der Materialist würde Autosuggestion dazu sagen, und der Zyniker Einbildung.

    >Der Esoteriker ist aber nicht eine andere Spielart des religiösen Menschen.

    >A prayer will never be a spell.



    (Hier wirst du natürlich heftigen Widerspruch von den Gebetsmystikern ernten.)


    >Die Probleme fangen erst richtig an, wenn der Esoteriker, wie es seine Natur ist, das Innen wieder nach Aussen wirken lässt, was sich dann in paranormalen Phänomenen manifestiert, die sich nicht an die Naturgesetze halten, zumindest nicht an die, die wir kennen.


    Genau hier wird es interessant. Die GWUP behauptet nun (und mit ihr die ganze Naturwissenschaft), dass bisher kein glaubhafter Nachweis eines solchen paranormalen Phänomens gelungen sei. Aus diesem Grund setzt Randi ja seinen Preis aus!


    >(In Freiburg gab es mal einen Lehrstuhl unter Professor Bender, der sich mit solchen Phänomenen befasste, und der in deutlicher Nähe zum Herrmann Bauer Verlag stand, von dem in diesem Forum schon mal an anderer Stelle die Rede war. Was daraus heute geworden ist, weiss ich nicht.)

    >10) Im Bezug auf Religionen habe ich den Begriff Dogma schon im Sinne von dogmatisch = intolerant gemeint. Und natürlich meine ich Atheismus als Gegensatz zu Theismus. Ich kenne diesen Dogmatismus aber auch nur von Religionen, die von einem wesenhaften Schöpfergott ausgehen. ( Gibt es andere?)

    >11) Das göttliche Prinzip kommt mir immer vor, wie eine Hilfskonstruktion für Materialisten. Denn Prinzip klingt nach: mit Naturgesetzen vereinbar.



    In genau dieser Weise aber sehen zahlreiche Esoteriker die so genannten paranormalen Fähigkeiten bzw. Ereignisse. Nämlich im Sinne von mit den Naturgesetzen vereinbar: wobei allerdings Naturgesetze zur "Anwendung" kommen, die bisher noch unbekannt sind. Ich habe den Eindruck, dass auch z.B. Bardon dieser Ansicht ist. Gibt es nicht eine Stelle, wo er sagt, dass es keine Wunder im eigentlichen Sinn gibt? Ich bin mir nicht sicher, es könnte auch im Frabato stehen (den ich nicht Bardon zuspreche), oder sonst wo ...


    >Esoterische Autoren, die eine ernsthafte Definition versuchen, scheitern mit schöner Regelmäßigkeit, weil es ein Widerspruch in sich ist, das Unbeschreibliche beschreiben zu wollen.


    Es amüsiert mich immer wieder, wenn ich in solchen Schriften lese, dass "Gott" prinzipiell nicht definierbar sei, unerkennbar, jenseits jeder Beschreibung, usw. und dann folgend auf diese Behauptung in -zig Seiten beschrieben wird, was er ("Gott") alles ist.

    Was ich immer auch sehr interessant finde ist die "erstaunliche" Tatsache, dass die Repräsentanten einer Religion immer sehr genau "wissen" was Gott sagt, was Gott dazu meint, usw.


    >Trotzdem scheint es mir eine Alternative zu Prinzip zu geben: Idee

    >Und für mich spricht vieles, nicht nur " Am Anfang war das Wort " für Idee und gegen Prinzip. Das hiesse natürlich doch das Primat des Geistes über die Materie anzuerkennen.



    Diese Probleme werden wir "auf die Schnelle" nicht lösen können. smile


    >Aber vielleicht suche ich ja nur wieder nach einer Handlungsanweisung, mit der man aus dieser Welt doch noch einen brauchbaren Ort machen kann. und was das ganze mit Magenta zu tun hat, habe ich sowieso vergessen.

    >Mit aufrichtiger Freude am Disput und vielen Grüssen

    >Dein R.B.



    Aber ich hoffe, dass wir dem einen oder anderen Problem doch "auf die Pelle" zu rücken in der Lage sein werden.


    Und ich bin mir sicher, dass es zu starken Auswirkungen auf die esoterische ("magische") Praxis kommen wird. Das ist überhaupt mein eigentliches Hauptanliegen: die Praxis. Um es mit Andy Warhol zu sagen: "Mir sind Leute lieber, die etwas tun!" (= die nicht nur reden). Das wirkliche Erlebnis, die wirklich gemeisterte Fähigkeit. Nur im wirklichen Erleben liegt die wahre Freude. Vielleicht diskutieren wir eines Tages hier hauptsächlich nur noch praxisorientierte Fragen, die hin und wieder mit etwas Theorie garniert werden.


    Auch ich habe Freude an dieser anregenden Diskussion,

    schöne Grüße sendet dir Paul. smile

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