Als Antwort auf: Re: Heisenbergs Behauptung geschrieben von Moonchild am 22. März 2005 20:28:14:
Legende:
grün = Zitate oder frühere Wortmeldungen PA
blau = Moonchild, letzter Beitrag
schwarz = PA, dieser Beitrag.
>Hallo Paul,
Hallo Moonchild,
>>Mir ging es im weiter unten noch mal (grün) zitierten Satz zuerst um einen einzigen eindeutigen Punkt, nämlich um die Behauptung Heisenbergs, dass sich die Wissenschaft nicht mit der lebenden Natur beschäftigen würde.
>Hat er ja so nicht gesagt ... daß nämlich die Naturwissenschaften wenig mit der lebendigen Natur zu tun haben ...
*** lach ***
Was bedeutet denn bitte der Satz:
> ... daß nämlich die Naturwissenschaften wenig mit der lebendigen Natur zu tun haben ... ???
Abgeleitet aus Heisenbergs Sätzen:
>Sie haben »die lebendigen Regionen« verlassen
und ihre »Beziehungen zum Leben selbst« verloren.
Was bedeuten denn diese Sätze bitte?
Du kannst nicht einfach hergehen und "in aller Unschuld" behaupten, dass Heisenberg dies nicht gesagt habe! Denn um genau diese drei Sätze dreht sich nämlich unsere Diskussion (zunächst).
Würden diese drei Sätze nicht dastehen, dann hätte ich auch nichts auszusetzen!!! Auf diesen drei Sätzen beruhte meine frühere Einschätzung, dass es sich bei (diesen) Meinungen Heisenbergs um Unsinn handelt!
Für alle, für die diese Diskussion neu ist, oder die sich nicht mehr genau an frühere Zitate erinnern können, hier noch einmal das ganze Zitat, um das sich die Diskussion dreht.
>Natürlich weiß Heisenberg, daß Newtons Art, die Farben zu erklären, sich in der Forschung durchgesetzt hat, aber er nennt auch den Preis dafür, nämlich »die befremdende Abstraktheit der Vorstellungen«, die wir dabei von der Natur entwickeln und die uns gestatten, sie zu beherrschen. »Leben-dig« heißt das Attribut, das Heisenberg gerne benutzt, wenn er auf Goethes Umgang mit der Natur zu sprechen kommt. Da finden sich »lebhafte Schilderungen« dessen, was er »lebendig mit seinen Sinnen« aufnimmt, der die »lebendige Berührung mit der Natur« sucht, um des »lebendigen Eindrucks von der Welt« sicher zu sein. An dieser Aufzählung ist vor allen Dingen bemerkenswert, daß sie für einen Naturforscher moderner Prägung nicht mehr zutrifft. Sie haben »die lebendigen Regionen« verlassen und ihre »Beziehungen zum Leben selbst« verloren.
Anders ausgedrückt: Heisenberg stellt bereits kurz nach 1940 fest, was das allgemeine Bewußtsein frühestens in dem Jahrzehnt seines Todes erreichte, daß nämlich die Naturwissenschaften wenig mit der lebendigen Natur zu tun haben ...
Nun weiter in der Diskussion:
>>An dieser Aufzählung ist vor allen Dingen bemerkenswert, daß sie für einen Naturforscher moderner Prägung nicht mehr zutrifft. Sie haben »die lebendigen Regionen« verlassen und ihre »Beziehungen zum Leben selbst« verloren. Anders ausgedrückt: Heisenberg stellt bereits kurz nach 1940 fest, was das allgemeine Bewußtsein frühestens in dem Jahrzehnt seines Todes erreichte, daß nämlich die Naturwissenschaften wenig mit der lebendigen Natur zu tun haben ...
>Dem würde ich zustimmen, die wissenschaftlichen Arbeiten von Heisenberg sind hochkomplizierte mathematische Modelle, die die Realität besser beschreiben, als die bis dahin gültigen Teilchen Modelle.
In den populärwissenschaftlichen Büchern von Steven Hawking, den ich sehr bewundere wird das schon beim Lesen sehr schön deutlich – am Anfang der Kosmologie stand fast nur die manuelle Beobachtung des sichtbaren Universums – der Weg führt heute zu hochkomplizierten mathematischen Berechnungen die nur noch eine handvoll Menschen überhaupt verstehen (ca. 3 Menschen von über 4 Milliarden !!!). Wenn Hawkings neue These stimmt dann gehen Informationen (im subatomaren Bereich, keine Bücher) in schwarzen Löchern nicht verloren (er wollte ja genau das Gegenteil davon in den letzten 30 Jahren nachweisen). Wenn ich nur ein ganz klein wenig davon verstanden habe dann bildet er ein Integral über alle schwarzen Löcher (die waren, sind und sein werden) in der Raum-Zeit und erhält so das die Summe aller Informationen konstant ist (was auch immer das bedeuten mag?).
Dies was du hier sagst mag alles richtig sein (abgesehen davon, dass schon mehr als 3 Menschen von 6 Milliarden die Theorien Hawkins verstehen, du solltest die Leute an den Forschungsinstituten nicht unterschätzen, bzw. Hawkins nicht überschätzen - also weltweit zehn- bis zwanzigtausend (grobe Schätzung) werden es schon sein) aber:
Wie kommt Heisenberg dazu, seine Meinung zu so einem winzigen Bereich der theoretischen Physik bzw. Astronomie, bzw. der Mathematik auf die ganze Wissenschaft zu übertragen?
Das ist doch schlichtweg kompletter Unsinn! Als ob sich die Botanik nicht mit der Natur beschäftigen würde! Oder die Geologie. Oder die Medizin. (Und hunderte weitere Disziplinen!)
Das wäre dasselbe wie wenn ein Literaturwissenschaftler behaupten würde: "Da sich die Literaturwissenschaft nicht mit der lebendigen Natur beschäftigt (sondern mit dem Inhalt von Büchern), aus diesem Grund beschäftigt sich die (ganze) Wissenschaft nicht mit der Natur.
Das ist doch ausgemachter Blödsinn!
Aber kommen wir nochmal auf Heisenbergs Behauptung zurück:
Sogar mit seiner Behauptung in Bezug auf die "trockene" & "abstrakt" anmutende physikalische Mathematik hat Heisenberg unrecht! Nicht einmal damit hat er recht! (Schuster bleib bei deinen Leisten : Physiker bleib ein Physiker und versuche nicht das Feld der Philosophie zu betreten, wenn dir das Zeug dazu fehlt!)
Sogar wenn du die Quantenphysik betrachtest, geht es zentral um die Natur. Die Quantenphysik ist nämlich nur deshalb so erfolgreich, weil man eben das natürliche Verhalten der "Natur" damit abbilden kann, m. a. Worten, weil man damit das "natürliche Verhalten der Natur" voraussagen kann. Es gibt nicht den kleinsten Unterschied zum Biobauern, der seine Kartoffel in den Boden legt, und im Herbst seine Kartoffeln erntet.
Mithin ist die ganze Aussage Heisenbergs einfach blanker Unsinn.
Wenn ein Laie dies nicht durchschauen kann, dann bin ich ihm deswegen auch nicht böse, weil ihm eben die Vorraussetzungen fehlen, die Zusammenhänge zu erkennen, wie sie wirklich vorliegen. Aber dass Heisenberg so was sagt??? Tut mir leid, das wirft nicht das beste Licht auf ihn ...
>>Wenn ich unter einem Mikroskop einen Schnitt durch einen lebenden Pflanzenstengel betrachte oder ein hauchdünnes Scheibchen, das ich von einer Kartoffel eben runtergeschnitten habe, dann sehe ich lebende Zellen und lebende Zellverbände - Gewebe (man sieht wirklich, wie sie leben, wenn du mir nicht glaubst, dann kannst du dich selber in jedem botanischen Institut davon überzeugen).Mit diesen zwei Beispielen habe ich Heisenbergs Aussage widerlegt.
>Ja diese Zellen werden noch einige Zeit leben und Teile deiner Ergebnisse sind auf die gesamte Kartoffel übertragbar – aber du untersuchst nur einen Teil – und wenn ich Heisenberg richtig verstehe – dann ist das „Ganze“ immer mehr als die Summe seiner Teile und alle Kentnisse über die Teile reichen nicht zur Beschreibung aller Eigenschaften des „Ganzen aus“.
Mit diesen Absätzen betreten wir eigentlich schon das nächste Diskussionsthema, das wir angeschnitten haben, bei dem es um den Begriff "Holismus" geht.
Wie gesagt, es wäre besser, immer nur ein Hauptthema zu diskutieren, sich also intensiv auf ein Thema zu konzentrieren, sonst besteht sehr stark die Gefahr, dass man ins "Labern" kommt: mehr oder weniger nichts sagende und oberflächliche Sätzchen, die höchstens dazu dienen können, die Langeweile zu bekämpfen und ich hoffe doch sehr stark, dass dies nicht die Hauptmotivation ist, weshalb du dieses Forum aufsuchst.
Nun zur Antwort.
Natürlich ist das Ganze mehr als seine Teile. Was du allerdings zu übersehen scheinst ist, dass ich zum Beispiel eine Zelle untersuchen kann. Dann ist das Ganze eben die Zelle! Oder ich untersuche ein Blatt: dann ist das Ganze das Blatt.
Dein Einwand wird hier nun sein: Aber wenn du eine Zelle als das Ganze definierst und untersuchst, dann übersiehst du, dass die Zelle Teil eines Blattes ist. Wenn die Zelle im Blatt lebt, dann beeinflusst dies die Zelle und die Ergebnisse werden andere sein, als wenn du die Zelle alleine und isoliert untersuchst.
Diesen Einwand würde ich als richtig gelten lassen.
Allerdings würde ich dann sagen, dass alle Dinge Bestandteile von anderen Dingen sind. IMMER wenn du irgend etwas beobachtest, beobachtest du nur einen Teil von irgend etwas Größerem, Umfassenderen. Wenn du einen Baum in seiner natürlichen Umgebung beobachtest: auch dann ist das Beobachtete nur ein Teil!
Und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht. Wenn du die Blätter beobachtest, dann beobachtest du nicht die Rinde, wenn die Rinde, dann nicht die dünneren Äste, usw.
Außerdem, wenn es dir gelingen würde den ganzen vor dir stehenden Baum gleichzeitig zu beobachten (was vollkommen unmöglich ist), dann ist es nur mehr als offensichtlich, dass du die Wurzeln vergessen hast, die du durch den undurchsichtigen Boden hindurch nicht beobachten konntest.
Vielleicht nagen irgendwelche Maden-Schädlinge an den Wurzeln des Baumes, der deshalb leicht kränkelt und sich nur schwach entwickelt. Du glaubst, du hast "holistisch" den ganzen Baum betrachtet und gedacht, dass er zuwenig Sonnenlicht bekommt, während der "wirkliche" Grund die Schädlinge sind, die an seinen Wurzeln nagen.
Ich hoffe, du beginnst langsam zu begreifen was ich meine: es gibt keine "holistische Betrachtungsweise"! Es handelt sich IMMER um die Beobachtung von Teilbereichen.
Und bei diesem Diskussionspunkt kann ich dir leider den "Bonus", dass du nämlich kein Fachmann auf diesem Gebiet bist, und diesen Zusammenhang deshalb nicht durchschauen konntest, diesen Bonus also kann ich dir hier leider nicht mehr zugestehen. Denn diesen Zusammenhang kann jeder verstehen, vom Schuster zur Hausfrau, über den Manager zum Chemieprofessor! Jeder kann dies verstehen!
Allerdings muss man dazu aufhören, sich vom vollkommen sinnlosen Gefasel diverser New-Age Schriften hypnotisieren zu lassen. Sondern man muss eben selbst ein bisschen mitdenken.
>Beispiel von letzter Woche die Oma musste zur Untersuchung ins Krankenhaus (Herzkatheter) und war schon Tage vorher in völliger Angst, ihre ganze Persönlichkeit war kaum zu erkennen (sie hatte schon einige Op’s die nicht ohne waren, daher ist nur schwer zu verstehen warum die Angst diesmal so schlimm war). Im Krankenhaus musste sie einen Tag länger warten, weil 4 Menschen mit Herzinfarkt eingeliefert wurden und daher die Patienten mit standart Untersuchungen erst am nächsten Tag an der Reihe waren. Die Oma war völlig außer sich vor Angst, wollte nach Hause und eine Schwester sagte, wenn sie gehen sind sie in einigen Wochen eh wieder da. Wir waren am Abend mit 5 Personen da, haben sie beruhigt, Scherze gemacht und ich habe ihr von einem Arzt ein Prospekt besorgt in dem alles erklärt war. Am nächsten Tag war die Untersuchung, ohne Probleme, ohne Schmerzen alles war ok.
Die Oma war am Sonntag schon wieder zum Feiern (Geburtstag). Das Problem ist genau diese Teilung – die Ärzte wollten die Blutgefäße untersuchen und haben genau das gemacht. Für mehr war weder Zeit noch Geld da. Der Mensch als ganzes war tagelang in völliger Angst – wenige vertrauensbildende Worte oder Gesten hätten gereicht dies abzumildern. Diese Angst war für den Körper einer älteren Dame wahrscheinlich gefährlicher als die gesamte Untersuchung – ich bin kein Arzt und konnte die Angst nur ein wenig abbauen und Vertrauen schaffen – gefragt ist hier die Wissenschaft vom „Ganzen“ und nicht von einzelnen Zellen, wie bei der Kartoffelscheibe. Das die Oma sich und auch anderen oft jahrelang nicht verzeihen kann, halte ich für einen Grund ihrer Herzprobleme, manchmal merkt sie, das ich da helfen will und sagt dann du kümmerst dich um mich, obwohl ihre Tochter viel mehr macht.
Womit wir beim dritten Thema sind:
>Diese Angst war für den Körper einer älteren Dame wahrscheinlich gefährlicher als die gesamte Untersuchung.
Ich gebe dir hier vollkommen recht!
Dies ist in meinem Verständnis ein schwerwiegender Verfahrensfehler der behandelnden Ärzte! In einer kleineren Minderheit der Ärzteschaft hat hier immerhin schon ein Umdenken stattgefunden. Obwohl ich recht wenig von einer praktischen Umsetzung bemerke. Einzig bei der Krebsbekämpfung scheint sich ein wenig die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, welch enormen Einfluss die Psyche auf den Heilungs- aber auch auf den Erkrankungsprozess hat. In den Medien hört man manchmal aus der Ärzteschaft einige schön klingende Lippenbekenntnisse, aber in der Praxis passiert fast nichts. Im äußersten Fall wird der Patient eben an den "Kollegen" oder an einen Psychologen weitervermittelt. Als ob dies die Lösung des Problems wäre. Der Fehler liegt darin, dass der Arzt nicht erkennt, dass ER SELBST durch psychologische Fehler schwerwiegende "Kunstfehler" auslöst, die enorm gefährlich sein können, und zwar bis zum Tod.
Aber es ist halt leider so: von einer guten ärztlichen Versorgung sind wir eben noch meilenweit entfernt! Auch wenn die Medien sich mit Lobhudeleien über unseren grandiosen medizinischen Stand in Westeuropa überbieten. Tatsache ist, dass jährlich 10 - 20 Tausend Tote durch leicht vermeidbare Nachlässigkeiten zu beklagen sind, und hier sind nur diejenigen Nachlässigkeiten in Bereichen mitgezählt, die schon etablierter Teil der heutigen Medizin sind. Ganz abgesehen von den Fehlern über die wir hier diskutiert haben.
Aber, um auf unser Diskussionsthema zurückzukommen: Auch wenn deine Oma in der von dir erwünschten Weise behandelt worden wäre: mit Holismus hätte dies trotzdem nichts zu tun. Denn der "ganze Mensch" ist damit noch keineswegs behandelt!
Soweit meine Antwort zum Hauptdiskussionsthema. Sobald wir unsere Standpunkte dazu geklärt haben, können wir uns den Rest des Textes von Ernst Peter Fischer ansehen und prüfen, inwieweit er einer genauen kritischen Betrachtung standhalten kann.
Freundliche Grüße von Paul.



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