Als Antwort auf: fundamentale Kritik geschrieben von Stefan am 13. April 2005 01:01:19:
Hallo Stefan,
>Hallo Paul!
>Danke für deine ausführliche Antwort.
>Ich glaube, dass wir an diesem Punkt einen Schritt weiter kommen können, da deine Vorstellung und deine Anforderung an eine Neue Esoterik für mich nun klarer umrissen ist.
Wie gesagt, ich bin momentan sehr zufrieden damit, wie sich die Diskussionen im Forum hier entwickeln, da sie eindeutig eine neue Dimension der Qualität erreicht haben. Ich finde, dass damit der Schritt weg von der Trivialität erreicht ist und man könnte damit sogar sagen, dass der Eingang zu einer "Neuen Esoterik" durchschritten und somit erfolgreich geglückt ist. Ob ein weiterer Fortschritt zu erreichen ist, muss die Zukunft zeigen.
Ich ziehe die Antwort auf deinen Beitrag vor: die Antwort auf R.B.s Beitrag würde manche der hier dargestellten Punkte vorwegnehmen, was nicht zielführend wäre. Umgekehrt kann diese Darstellung hier die Antwort auf R.B.s Beitrag vorbereiten und erleichtern.
Ich gehe zunächst auf das Thema "fundamentale Kritik" und erst danach auf deinen erneut geäußerten Wunsch ein, eine "Neue Esoterik" zu definieren bzw. darzustellen.
Zuerst zu einem zentralen Missverständnis, das aus deinen folgenden Zeilen deutlich wird:
>Nun ist es in deinem Falle so, dass die Methode jene der wissenschaftlichen Beweisbarkeit (das was du darunter verstehst) ist.
>Daraus resultiert eine Kritik, die aber ihrer eigenen Methode gegenüber unkritisch - naiv - bleibt, du würdest sagen, sie stützt sich auf (möglicherweise) triviale Vorraussetzungen.
>Nun besteht die Versuchung, und mir scheint du erliegst ihr, die Kritik von einem vermeintlich sicheren Boden aus durchzuführen, ohne diesen Boden selbst den strengen Regeln der Kritik unterworfen zu haben.
Daraus resultiert eine Kritik, die aber ihrer eigenen Methode gegenüber unkritisch - naiv - bleibt, du würdest sagen, sie stützt sich auf (möglicherweise) triviale Vorraussetzungen.
>Der Ort an dem die Trivialität durch eine kritische Reflexion abgelöst werden muss, ist zunächst nicht die Esoterik, sondern die Wissenschaft, so sie die Methode einer späteren Esoterikkritik sein soll. In der un- bzw. mangelnden Reflexion der eigenen Prämissen machst du selbst dich der Trivialität schuldig, die du anderorts bekämpfen willst.
Und besonders deutlich im folgenden Absatz:
>Damit soll aber nicht gesagt sein, dass die Esoterikkritik notwendigerweise von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus betrieben werden muss - aber es ist eben deiner ...
Siehst du, und genau hier liegt ein fundamentaler Auffassungsfehler meines grundsätzlichen Arbeitsverständnisses vor. Ich habe schon sehr oft zu betonen versucht, dass ich nicht auf eine "wissenschaftliche Esoterik" abziele!
Aber wie es scheint, ist es esoterisch denkenden Menschen recht schwer klarzumachen, dass ich dies hier eben nicht vorhabe.
Sobald jemand mit wissenschaftlichen Argumenten auftaucht, verfällt der Esoteriker sofort in sein gewohntes starres Denkmuster und in seine Abwehrhaltung: nämlich in seine Aufteilung in eine Dichotomie Wissenschaft*?*Esoterik. In seinen Augen dominiert der Kampf der Weltbilder! Sein Denken ist derartig von diesem emotional gesteuerten Aggressions-Verteidigungs Verhalten geprägt, dass es sich gleich einer dunklen Wolke um sein Wesen legt, was einem unbefangenen Gespräch bzw. einer sinnvollen Diskussion ernorme Hindernisse in den Weg legt.
Dieses Feindbild-Denkmuster esoterischer Kreise ist so stark ausgeprägt, dass diese sofort wieder in dieses Rollenmuster verfallen, ganz unabhängig davon, welche Gespräche man vorher geführt hat. Mich erinnert dies an das konditionierte Verhalten eines Hundes, der automatisch mit seinem Gebell beginnt, sobald er einen Briefträger sieht.
Aber jeder Esoteriker sollte bedenken: es gibt keine Zweiteilung zw. Esoterik und Wissenschaft. Es gibt keinen solchen Gegensatz. Es gibt nur das "Sein" - das Leben oder wie immer man unsere Existenz nennen will. Esoterik und Wissenschaft sind nur zwei Betrachtungsweisen des gleichen Prinzips. Da beide auf dasselbe "Objekt" abzielen, müssen beide auch übereinstimmen. Es gibt keinen grundsätzlichen Gegensatz.
>Damit soll aber nicht gesagt sein, dass die Esoterikkritik notwendigerweise von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus betrieben werden muss - aber es ist eben deiner ...
Dass "dies" mein Standpunkt ist, diese Auffassung ist natürlich vollkommen unrichtig! Und ich habe ihn auch schon oft genug zurückgewiesen!
Und, es scheint eben notwendig zu sein, dass ich sie ein weiteres Mal von mir weise!
Es gibt wirklich zahlreiche Beiträge von mir, die eindeutig auch auf indirektem Wege zeigen, dass meine Argumentation nicht auf eine derart kleinkarierte Weise interpretiert werden kann! Ich verweise z.B. auf mein Exzerpt aus dem Buch "Colour vision" von Mausfeld, das ich wohl schwerlich so exponiert ins Forum gestellt hätte, falls es mir um einen reinen Szientismus gehen würde.
Ich nehme mal an, dass du viele Beiträge von mir gelesen hast, wenn auch nicht alle, doch es müssen mit Sicherheit solche darunter gewesen sein, die eindeutig darauf hinweisen, dass mein Standpunkt eben nicht der rein "wissenschaftliche" ist, so wie du in deinem Beitrag meinst, und wäre deine Gedankenwelt nicht, wie oben dargestellt, durch die typische antiwissenschaftliche Esoterikhaltung umnebelt, dann wäre dir dies auch längst klar.
Allerdings habe ich wissenschaftliche Argumente in meine Diskussionen und Argumentationen einfließen lassen und werde dies auch in Zukunft tun.
Warum?
Weil die Wissenschaft zahlreiche Argumente liefert, die in Bezug auf unsere esoterische Fragestellungen wichtig sind. Und bitte, lies hier genau was ich hier geschrieben habe: ich sage nicht: "..., die in Bezug auf unsere esoterische Fragestellungen richtig sind." sondern: "... wichtig sind".
Es handelt sich um wichtige Diskussionsbeiträge, die nicht einfach ignoriert werden können.
Nun zu einigen kleinen Kommentaren, die mit diesem Thema zusammenhängen. Eigentlich sind sie schon durch meinen Hinweis beantwortet, dass mein Standpunkt nicht nur der rein wissenschaftliche ist. Trotzdem kann es nützlich sein, noch zusätzlich einige Argumente anzuführen.
>Nun ist es in deinem Falle so, dass die Methode jene der wissenschaftlichen Beweisbarkeit (das was du darunter verstehst) ist. Von verschiedenen Seiten habe ich bislang versucht eben jene Tauglichkeit in Frage zu stellen, ohne wirklich an die Kernpunkte vorzudringen, vielleicht weil das Ziel und die Notwendigkeit nicht deutlich genug hervorgetreten sind.
Dazu sollte man sagen, dass die "Beweisbarkeit" ein häufiges Streitthema in diesem Zusammenhang ist. Man unterstellt dabei Wissenschaftlern, dass es ihnen primär um "Beweisbarkeit" gehe, und nimmt an, dass alles was nicht beweisbar wäre, von ihnen abgelehnt wird. Was natürlich nicht stimmt! Glaubst du wirklich ein Wissenschaftler wäre so naiv anzunehmen, dass nur "beweisbaren Tatsachen" Realität zugesprochen werden kann? Das würde bedeuten, dass in diesem Fall Freundschaft, Schönheit, Witz, und ähnliche Begriffe geleugnet werden würden, was natürlich nicht der Fall ist ...
(Auch diesen Punkt betone ich hier im Forum bereits zum zweiten Mal. In Zukunft werde ich auf solche Argumente nicht mehr eingehen, sondern einfach auf Beitrag-soundso verweisen.)
>Was also hier vorerst Gegenstand der kritischen Untersuchung sein muss ist diese Methode selbst.
Wenn es eine bestimmte Methode gäbe, könnte dies vielleicht richtig sein; vielleicht sage ich, denn auch dann noch bleibt dies fraglich. Es gibt aber keine bestimmte Methode auf die ich mich festlege, sondern es handelt sich um ein ganzes Arsenal verschiedenster Methoden und Ansätze, die sich je nach Anforderung auch ändern können, manchmal in den Vordergrund oder Hintergrund treten, dann wieder durch andere, besser geeignete ersetzt werden, usw. usw.
>Nur so ist gewährleistet, dass unsere spätere Kritik überhaupt fundamental und berechtigt ist, d.h. ob unsere Methode überhaupt geeignet ist, eine solche Kritik zu leisten.
Ich weiß sehr gut, worauf du hinaus willst; aber ich kann deinen Standpunkt nicht teilen.
Erstens: würde man nach der von dir vorgeschlagenen Methode vorgehen, würde man sich in seiner Wahl der Mittel viel zu sehr einengen.
Zweitens: man kann auch durch die besten "erkenntnistheoretischen" Analysen nicht sicherstellen, dass "eine spätere Kritik ... berechtigt ist". Es wird sich auch weiterhin um Standpunkte handeln, zu denen man ganz unterschiedliche Beurteilungen abgeben kann.
Ich habe den Eindruck, du versuchst das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen!
Wie ich schon gesagt habe, ist die Wissenschaftstheorie eine Metawissenschaft.
Im Nachhinein wird man erkenntnistheoretisch untersuchen und analysieren können, welche erkenntnistheoretischen Standpunkte ich (oder andere) eingenommen habe(n). Und dabei werden unterschiedliche Erkenntnistheoretiker zu unterschiedlichen Meinungen kommen. Und in späteren Jahrhunderten wird man wieder zu ganz anderen erkenntnistheoretischen Beurteilungen kommen. Das Werk von Descartes wird seit Jahrhundertenten "erkenntnistheoretischen" beackert, und man kommt dabei zu ganz unterschiedlichen Schlüssen, je nach Autor und Zeitgeist. Aber das Werk von Descartes bleibt dabei dasselbe! Du kannst nicht zuerst die Erkenntnistheorie fordern und dann das Werk. Sondern es muss genau umgekehrt sein. Das Verhältnis zwischen Erkenntnistheorie und Werk ist genau dasselbe, wie zwischen einem Bühnenstück und der Kritik dazu. Du kannst nicht zuerst die Kritik verlangen und dann erst das Bühnenstück dazu schreiben!
Aber ich weiß sehr genau, was du gerne hättest, worauf du hinaus willst und warum du diesen Schwerpunkt auf Erkenntnistheorie legst. DASJENIGE, was du "haben" möchtest bzw. was du damit betonen möchtest, wird zur Genüge berücksichtigt werden. Nur nicht auf dem Weg, so wie du dir dies vorstellst und wie du es hier vorschlägst. (Und zwar, weil der von dir vorgeschlagene Weg nicht gangbar ist!)
> ... weiters das unumstößliche Fundament einer jeden Wissenschaft, die Erkenntnistheorie selbst.
Wie gesagt, ich halte diese Auffassung von dir für nicht richtig. Nicht die Erkenntnistheorie ist das Fundament einer jeden Wissenschaft, sondern die Erkenntnistheorie untersucht die Fundamente der Wissenschaft. Das Eine ist etwas ganz anderes als das zweite. Der Bezug zwischen den beiden ist ein "meta" Bezug. Ich bin mir nicht sicher, ob du dies verstehen kannst.
>Der Ort an dem die Trivialität durch eine kritische Reflexion abgelöst werden muss, ist zunächst nicht die Esoterik, sondern die Wissenschaft, so sie die Methode einer späteren Esoterikkritik sein soll.
Ich weiß schon, was du hier meinst, aber so ist es nicht richtig. Erstens ist sie nicht "die" Methode einer Esoterikuntersuchung, sondern nur eine Methode, wie vorher besprochen und zweitens kann dasjenige, was dir hier am Herzen liegt, nur gemeinsam und gleichzeitig mit dem Hauptthema untersucht werden, nämlich der Esoterik.
>In der un- bzw. mangelnden Reflexion der eigenen Prämissen machst du selbst dich der Trivialität schuldig, die du anderorts bekämpfen willst.
Das wäre richtig, wenn es mir um einen reinen Szientismus gehen würde, wie du fälschlicherweise angenommen hast. Da dies nicht der Fall ist, stimmt das Argument so nicht.
>Auch die aktuelle Diskussion, die du mit R.B. führst, und er selbst hat es ja auch noch deutlich gesagt, landet zwangsläufig am Ort erkenntnistheoretischer Fragestellungen. Subjektivität/Objektivität, Realität/Vorstellung etc.
Richtig. Es handelt sich um Fragestellungen, die (metamäßig) das Substrat der Erkenntnistheorie sind. Aber sie sind es nicht selbst, bzw. müssen es nicht selbst sein, bzw. müssen nicht als Erkenntnistheorie betrieben werden.
>Das Problem des gängigen Wissenschaftsparadigmas ist ja namentlich jenes, dass seine Väter, selbst ebenfalls was viele der entscheidenden Fragen betrifft im dunklen tappten und nicht in der Lage waren, die Wissenschaft auf ein brauchbares, Fundament zu stellen. Nichtsdestotrotz wurden aber die Theorien dieser Herrn (Popper, die logischen Empiristen (Wiener, Berliner Kreis etc.) nach konstitutiv.
Was kümmert mich Popper? Im übrigen ist deine Ansicht hierzu nur eine Meinung, nämlich die deine. Es gibt genügend andere Menschen, die zu diesem Punkt anderer Meinung sind als du.
>Es mag schon zu denken geben, wenn ein Philosophieprofessor (1), der sich wärend der 10 Jahre seines Studiums fast ausßschließlich mit Wissenschaftstheorie beschäftigt hat, und diese nebst Erkenntnistheorie lehrt, meint, er würde viel lieber über Platon reden,
Was ja auch sehr verständlich ist. Popper war Philosoph und philosophische Themen haben ihn eben mehr interessiert als nur die reine Wissenschaftstheorie, die nur ein Teilbereich der Philosophie (wenn überhaupt) ist.
>aber das dürfe er ja nicht, da sonst die gängigen Annahmen über Wissenschaftlichkeit in sich zusammenbrechen würden, was sich an einer Universität natürlich nicht so gut macht.
Sollte Popper dies wirklich in der hier von dir angedeuteten Bedeutung gemeint haben (und nicht nur als Scherz, wie ich mal annehme), was kümmert mich dann dieses? Wenn er seinen eigenen Arbeiten und Annahmen widerspricht, dann ist das sein Problem, und nicht meines. Glaubst du wirklich, dass irgendjemand aus der wissenschaftlichen Riege annimmt, dass der heutige Stand der Wissenschaftstheorie der Weisheit letzter Schluss ist?
Aber aus all deinen Sätzen, aus deiner ganzen Argumentation spricht weiterhin (wie auch bisher) nur deine grundsätzliche Abwehrhaltung gegen Wissenschaftlichkeit. Es ist das übliche weiter oben angesprochene Polemisieren. Es handelt sich keineswegs um Wahrheitssuche wie du weiter unten andeutest, da du deine kritische Urteilskraft eben nur auf diesen Teilbereich (Wissenschaftlichkeit) richtest, nicht dagegen auf Gebiete der Esoterik.
>Soweit mal zur Kernproblematik, auf deine "falsch"-Antworten, die ja das Problem des naiven Wissenschaftsglaubens exemplarisch zeigen, werde ich ein anderes mal eingehen.
*g* Solange hier nichts kommt, nehme ich mal für mich an, dass dir keine Widerlegung bzw. triftiges Argument eingefallen ist.
Gut, jetzt nochmal zum zweiten Punkt, deinem Wunsch einer Definition bzw. Darstellung einer "Neuen Esoterik".
>>Was du gerne hättest, wäre wahrscheinlich ein schön formuliertes Programm, indem eine "neue Esoterik" fein säuberlich mit Punkt 1 bis 96 notiert ist, und die man dann als "Proklamation einer neuen Esoterik" an das Wittenberger Portal nageln kann!
>Was ich gerne hätte hab ich schon oft kundgetan, mit einem Punkteprogramm hat das nichts zu tun. Es geht um Kernfragen: Wie ist Erkenntnis möglich, was ist der Zweck der esoterischen Forschung und Praxis, welche Rolle spielt dabei die Wissenschaft und welche ethischen Grundsätze liegen ihr zugrunde und woraus leiten sie sich ab?
Genau. Darum geht es. (Neben einigen weiteren, wesentlichen Punkten, die du hier nicht angeführt hast.)
Wie soll man die von dir angeführten Punkte und Fragestellungen in ausreichendem Maß darstellen? Was du verlangst ist einfach nicht lieferbar. Vielleicht in einem dicken Buch. Als Versuch zumindest oder als eine erste Annäherung!
Aber auch auf die genannte Weise wäre dies wahrscheinlich nicht zielführend.
Was du verlangst bzw. was du gerne haben möchtest ist nicht der Ausgangspunkt einer "Neuen Esoterik", sondern ihr Ziel! Oder zumindest ein Zwischenziel.
Genau das Ausformulieren, das Erstellen, das Erarbeiten einer "Neuen Esoterik" ist es, was ich mir zur Aufgabe gestellt habe. Rückblickend, nach geleisteter Arbeit, kann man dann vielleicht von einer Neuen Esoterik sprechen. Man wird sehen ob und wie ein solches Unterfangen gelingen kann.
Wenn man auf sinnvolle Weise auf die von dir genannten Punkte eingehen wollte, dann müssten dermaßen viele Punkte, Auffassungen, Grundlagen, Annahmen, erkenntnistheoretischen Überlegungen (ja auch diese kommen vor, aber nur als eine Abteilung unter zahlreichen anderen), usw., usw., besprochen, diskutiert, erwogen und behandelt werden, dass jede verkürzte Darstellung zu einer Farce geraten müsste.
>Etwas verpackt, habe ich einige dieser Fragen bsp.weise mal in der Frage nach deinem Menschenbild gestellt, wobei hier noch die Ontologie und Sinnfrage im Allgemeinen hinzukommt. Darauf gibt es aber bis dato keine Antwort und ich frage mich ernsthaft, was das für eine Esoterik sein soll, die auf solche Fragen nicht eingeht.
Wie gesagt. Ich werde darauf eingehen. Und zwar dann, sobald ich es für richtig halte. Jeder kann damit verfahren wie er möchte: auch ich. Wenn ich finde, dass es dafür noch zu früh ist, dass der Zeitpunkt dafür nicht geeignet ist, weil zuvor andere Bereiche geklärt werden müssen, dann ist dies eben mein Standpunkt. Den man kritisieren kann oder auch nicht, das überlasse ich dem jeweiligen Gesprächspartner. Niemand kann mich zu Aktivitäten zwingen, die ich für nicht sinnvoll halte.
>>Eine neue Esoterik: diese ist ein Prozess, ein Vorgang, eine Haltung, eine Aktivität: sie kann niemals in das Korsett eines tabellarischen Programms gezwängt werden!
>Was ist daran neu?
Bisher ist man hauptsächlich von Definitionen, Behauptungen, Darstellungen, Konzepten, Dogmen, usw. ausgegangen. Jeder hat sein Programm mehr oder weniger klar und deutlich auf den Tisch gelegt. Ich lege keine "Fakten", Definitionen, Modelle, Theorien auf den Tisch, sondern ich erhebe den Vorgang der kritischen und immer neuen Untersuchung und des Fortschritts zur Maxime. "Nix ist Fix". Alles ist im Fluss. Klar gibt es gewisse Ansichten. Aber sie unterliegen der Veränderung. Sie verändern sich durch den jeweiligen Stand der Diskussion und des Verständnisses. Alles ist im Fluss.
>>Erstens glaube ich nicht, dass hier irgendjemand in meinem Fahrwasser segelt; ich habe eher den Eindruck, dass durchaus eigenständige Meinungen und Ansätze vertreten werden. Ich verwehre mich auch gegen die Behauptung, dass ich eine Richtung vorgebe! Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich habe immer betont, dass sich die Ziele in einer gemeinsamen Diskussion herauskristallisieren müssen.
>Das einzige was ich wirklich hier vorzeige, ist die Art, wie oberflächliche Meinungen und Ansichten hinterfragt werden sollen, auf welche Art man eine Esoterik kritisch untersuchen kann und soll.
>Hier widersprichst du dir selber, du willst keine Richtung vorgeben, außer jener, wie Kritik auszusehen hat!
Nein, tue ich nicht. Die Art der Untersuchung (besseres Wort als "Kritik") wird durch die gemeinsame Diskussion bestimmt.
>Nun, wo hier das Problem liegt, hab ich heute hoffentlich klargestellt.
>>Versuche einmal (nicht hier, sondern für dich selbst) deine erkenntnistheoretische Position umfassend auszuformulieren.
>Eine umfassende Ausformulierung habe ich von dir gar nicht verlangt. Man kann die Grundzüge in wenigen Sätzen darlegen,
Nein, kann man leider nicht. Sonst hätte ich es längst schon getan.
Wie du siehst, bin ich sogar bei Punkten missverstanden worden, die ich häufig ausdrücklich von mir gewiesen habe. Umso mehr ist dies bei esoterischen Konzepten der Fall, bei denen wir bisher nur die Oberfläche gestreift haben, oder nicht einmal dies. Die einzige zielführende Methode sind weitere Diskussionen, die in die Tiefe führen werden. (Oder in die Höhe, je nach persönlicher Vorliebe solcher gedanklicher Leitmotive.)
>so man sich eine Position zu eigen gemacht hat! Die Notwendigkeit dazu - im wissenschafltichen Kontext - habe ich dargelegt. Man kann ja mit seiner Naivität* auch ganz zufrieden sein, aber es ist eben die Vorderung der Wissenschaft, sie zu überwinden.
>>Eine "neue Esoterik", das können durchaus auch mehrere "Schulen" oder "Richtungen" sein, die sehr unterschiedliche neue Wege vertreten, sich möglicherweise sogar bekämpfen und gegenseitig kritisieren (wie z.B. verschiedene Schulen und Richtungen in der Psychologie). Doch nur durch eine solche intensiv geführte Diskussion und Auseinandersetzung kann ein wirklicher Fortschritt erzielt werden! Alles andere bedeutet Stillstand und ewiges, nutzloses Wiederholen und Wiederkäuen alter Formeln und Denkmuster, die den Anschluss zu einer zeitgemäßen Betrachtungsweise längst verloren haben.
>Was dir nutzlos erscheint ist anderen heilig, darüber solltest du nicht hinwegsehen. Viele Menschen sind erfüllt von den Traditionen in denen sie stehen, seien sie Jahrzehnte oder Jahrtausende alt.
Na und? Warum soll mich das kümmern? Ob diese Leute von was weiß ich "erfüllt" sind oder nicht, ist mir ziemlich egal. Mein Leitmotiv sind nicht die Wertmaßstäbe andere Menschen, sondern meine eigenen. Und mein Haupt-Leitmotiv ist die Suche nach "Wahrheit". Soll ich etwa (wie von dir vorgeschlagen oder angedeutet) eine vollkommene unsinnige Ansicht deswegen gut heißen, weil sie irgendjemandem "heilig" ist? Das wäre Irrsinn.
Alles was du von mir in dieser Hinsicht erwarten kannst ist Höflichkeit. Ich werde im Alltagsleben niemandem seine (für ihn heiligen) Ansichten lächerlich machen, oder ihn deswegen verfolgen, solange er mich in Ruhe lässt, und ich der Auffassung bin, dass seine Ansichten keinen größeren Schaden anrichten.
Wenn jemand allerdings mit mir diskutiert, dann muss er damit rechnen, dass ich ihm widerspreche, falls ich mit einer Ansicht nicht einverstanden bin.
>Wer neue Formeln braucht, soll sie erschaffen, entscheidend ist, was im Lebenskontext wirksam ist.
Entscheidend ist, was sich durchsetzt. Wirksam war auch die "heilige Inquisition".
Man wird sehen was sich durchsetzt und was auf der Strecke bleibt!
>So oder so sollte sich jeder Esoteriker der Wahrheitsforschung verpflichtet fühlen,
Sollte. So ist es.
Leider ist es bei den allermeisten Esoterikern nicht der Fall. Dies nenne ich dann Trivialesoterik.
>in welchem Bezugsrahmen (Wissenschaft, Gewissen, esoterische Tradition, Intuition...) ist Angelegenheit des Individuums.
>Auch liegen bei jedem die Grenzen der Reflexionsfähigkeit wo anders, das sollte man respektieren
Du meinst, ich soll den Gedanken akzeptieren, dass jemand "zu blöd ist" einen bestimmten Sachverhalt zu verstehen? Nein. Diesen Gedanken lehne ich ab. Ich kann jedem alles auf eine Weise erklären, dass er es auch verstehen kann. Und ich unterhalte mich so lange mit ihm, bis er verstanden hat, was ich sagen wollte, (und bis ich verstanden habe, was er mir mitteilen wollte).
>und so der eigene Blick etwas tiefer geht, kann man da und dort behutsam Hinweise liefern.
Ach Stefan, das ist das übliche Eso-Gelabere ...
Wenn du es mit jemandem wirklich ernst meinst, dann musst du ihn rütteln und schütteln, oder ihn kitzeln oder ärgern ...
... dann wird man etwas bewirken. Dann hat man eine wirkliche zwischenmenschliche Interaktion, alles andere ist nur "Gesäusel" das zu nichts taugt, außer vielleicht für einen Kandidaten eines katholischen Priesterseminars.
99% aller Esoteriker begnügen sich mit einer völlig unzureichenden Eso-Lyrik. Einer Schwafelei, einem Jonglieren mit leeren Worthülsen, die einzig dazu geeignet sind, ein momentanes, kurzes, angenehmes Gefühl zu erzeugen. Sie begnügen sich damit, weil sie "nichts Besseres" haben. Ein Narr begnügt sich auch mit seiner Zipfelmütze. (Oder mit den Narrenkappen seiner Mitmenschen.)
>freundliche Grüße,
Stefan
>PS: Bei all der Schärfe die unsere Diskussionen mitsich bringen, sei es aus intellektueller Notwendigkeit oder persönlicher Befindlichkeit, möchte ich dir für die Diskussionen danken. Sie sind eine wunderbare Gelegenheit zu wachsen, sowohl intellektuell als auch persönlich.
Wie gesagt, wenn man etwas bewirkten will, muss man "tacheles" reden. Ansonsten sind wir wieder bei der Tralla-la Esoterik, die nichts anderes ist, als ein Trostpflaster, eine Opiumpille für geschundene Menschenseelen.
Freundliche Grüße, Paul.
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*"Der Künstler, der die Gesetze seines Schaffens nicht in
reflexionsmäßiger Form kennt, sondern sie dem Gefühle, der Empfindung nach übt, ist in diesem Falle, Wir nennen ihn naiv. Aber es gibt eine Art von selbstbeobachtung, die sich um die Gesetzlichkeitdes eigenen Tuns fragt, und welche für die soeben geschilderte Naivität das Bewußtsein eintauscht, daß sie genau die Tragweite und Berechtigung dessen kennt, was sie vollführt. Diese wollen wir kritisch nennen. Wir glauben damit am besten den Sinn dieses Begriffes zu treffen, wie er sich seit Kant mit mehr oder minder klarem Bewußtsein in der Philosophie eingebürgert hat. Kritische Besonnenheit ist demnach das Gegenteil von Naivität. Wir nennen ein Verhalten kritisch, das sich der Gesetze der eigenen Tätigkeit bemächtigt, um deren Sicherheit und Grenzen kennen zu lernen. Die Erkenntnistheorie kann aber nur eine kritische Wissenschaft sein. Ihr Objekt ist ja ein eminent subjektives Tun des Menschen: das Erkennen , und was sie darlegen will, ist die Gesetzmäßigkeit des Erkennens.
Von dieser Wissenschaft muß also alle Naivität ausgeschlossen sein. Sie muß gerade darinnen ihre Stärke sehen, daß sie dasjenige vollzieht, von dem sich viele aufs Praktische gerichtete Geister rühmen, es nie getan zu haben, nämlich
das «Denken über» das Denken»"
Rudolf Steiner, "Wahrheit und Wissenschaft" S. 46
(1) Kurt Walter Zeidler, Publikation: "Prolegomena zur Wissenschaftstheorie"
http://phaidon.philo.at/asp/zeidler2.htm#pzw



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wenn ich mich einmische, möchte mich bei euch bedanken, Stefan hat mit seinem Beitrag erreicht, das du vieles (noch mal) deutlich dargestellt hast und dadurch ist es wirklich verständlicher geworden.


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