Als Antwort auf: Re: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip? geschrieben von R.B. am 11. April 2005 23:05:
Hallo R.B.,
>>Damit sprichst du der Lebenskraft jede reale Existenz ab,
>Nein, das tue ich nicht!
Ich spreche der Lebenskraft lediglich die materielle Existenz ab.
Also, deine Mitteilung, dass du die Lebenskraft als reale Wirkkraft auffasst, ändert natürlich den Verlauf der Diskussion vollkommen.
Und, jetzt bitte nicht erschrecken: diese Mitteilung macht die Begründung und Ausdeutung der Lebenskraft als Ordnungssystem für dich wesentlich schwieriger und komplizierter. Allerdings auch wesentlich "stabiler", falls es dir gelingt, eine solche Begründung und Ausdeutung erfolgreich durchzuführen, weil du damit innerhalb der esoterischen Tradition bleibst.
Zuerst möchte ich jetzt hier darstellen, wie ich die Idee des Ordnungssystems von dir bisher (vor deiner Mitteilung) ausgelegt und zu verstehen versucht habe. Damit kann dann darauf verwiesen werden, wie sich eine solche einfachere Version eines Ordnungssystems von dem unterscheiden wird, wie du es jetzt meinst, zumindest insoweit, wie ich dich jetzt interpretiere.
>Immer wieder muss ich zurückkommen auf meine Lieblingsdefinition von Magie:
>"Magie ist die Kunst, willentlich Bewusstseinsveränderungen herbei zu führen."
Dazu kommt ein eigener Beitrag von mir.
>Ich würde diese Definition heute mit einem Halbsatz ergänzen:
>"mit dem Ziel, Kräfte freizusetzen."
>Ich bemühe mich derzeit darum, diese Definition dahin gehend zu verfeinern, dass auch Zielrichtung und Aufgabe enthalten sind, aber das nur nebenbei.
Nach dieser Definition ist auch Lebenskraft das Produkt eines willentlich veränderten Bewusstseins - durchaus real, aber eben nicht materiell.
Bevor ich aber mit dieser Beschreibung einer "früheren" Ordnungssystemdeutung von mir beginne, müssen wir noch eine kleine (oder größere, ich weiß nicht, wie weit sie sich ausdehnen wird) Zwischendiskussion zum Thema "real" führen.
Dies ist deshalb wichtig, weil die Art, wie du den Begriff "real" in der obigen Beschreibung verwendest, auf verschiedene Arten gedeutet werden kann, was dann eben die Auswirkung hat, dass man zu gänzlich verschiedenen Ordnungssystemen kommt.
Dass Gedanken, Gefühle und die ganze sog. Innenwelt usw. natürlich "real" sind, genau so wie die sog. "reale" Außenwelt, würde ich natürlich niemals bestreiten.
Falls in Beiträgen von mir der näheren Vergangenheit eine Betonung des Realitätscharakters der Außenwelt stattgefunden hat, dann ist dies eher auf die diskutierten Themen zurückzuführen, als auf einen Standpunkt von mir.
Aber versuchen wir zu klären, was wir unter dem Begriff "real" verstehen.
Ich werde versuchen, die Diskussion möglichst allgemein verständlich und "Alltags" tauglich zu halten, ohne den komplizierten Begriffsapparat von "Berufsphilosophen" zu verwenden.
Im Alltagsverständnis werden Objekte der Außenwelt zumeist als real bezeichnet.
Nehmen wir z.B. den Kugelschreiber der vor mir liegt. Er ist "real". Ich kann ihn aufheben, mit den Händen manipulieren, eine Mitteilung mit ihm schreiben, usw.
Nehmen wir jetzt im Gegensatz dazu (und das ist wichtig) den Begriff, die Bezeichnung "Kugelschreiber".
Es ist klar, dass auch dieses Wort, dieser Begriff eine Art von Realität zugesprochen bekommt. Allerdings ist die Realität des Objektes "Kugelschreiber" und des Wortes "Kugelschreiber" nicht von der gleichen Art!
Man kann also z.B. hinschreiben:
A - Der Kugelschreiber als ein Gegenstand der Außenwelt ist real.
und:
B - Das Wort Kugelschreiber als Gegenstand der Innenwelt ist real.
Beide Sätze sind richtig.
Und doch ist "real" in den Sätzen A und B von unterschiedlicher Bedeutung. Die Worte "real-A" und "real-B" haben nicht 100%ig die selbe Bedeutung. Sie werden zwar sehr ähnlich verwendet, aber es gibt einen Unterschied.
Einen kleinen aber feinenUnterschied, der sich aber bei genauer Betrachtung zu einem Riesenunterschied auswächst.
Ich stelle mal eine Behauptung auf (ob sie haltbar ist, ist eine andere Frage):
Einer der großen Unterschiede zwischen der unterschiedlichen Bedeutung von "real" ist zum Beispiel, dass es in der Außenwelt nichts irreales geben kann. Entweder etwas existiert, oder etwas existiert nicht. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
Bei Begriffen ist dagegen eine "Nicht-Existenz" durchaus möglich.
Man kann z.B. den Begriff "Krürfel" erfinden. Ein Krürfel ist ein kreisförmiger Würfel.
Damit habe ich einen Begriff kreiert, der in der Außenwelt keine Entsprechung hat, und auch nicht haben kann, in der Innenwelt dagegen schon. Allerdings nur als Wort, als eine symbolische Darstellung, als ein Platzhalter (Mengenlehre), als Teil eines Ordnungssystems einer speziellen Art.
Somit habe ich den Unterschied zw. der unterschiedlichen Verwendung des Wortes "real" in Bezug auf die Verwendung in A und B einmal skizziert. Im Folgenden stelle ich ihn noch etwas genauer (auch in Bezug auf Ordnungssysteme) dar.
(Fortsetzung folgt morgen ...)



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Unterschied, der sich aber bei genauer Betrachtung zu einem Riesenunterschied auswächst.


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