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Thema: Techniken und was sie taugen

  1. #1
    R.B.
    Gast

    Techniken und was sie taugen


    Hallo Paul,


    was in Deiner Auseinandersetzung mit ALS deutlich wird, ist folgendes:


    Du verweist darauf, dass falsche Gurus, Scharlatane und Möchtegern-Esoteriker ihre eigene Unfähigkeit, oder die Mangelhaftigkeit ihrer Methode mit den immer gleichen Argumenten zu kaschieren versuchen.

    " Der Adept ist noch nicht weit genug entwickelt!"

    " Sein Charakterspiegel ist eben nicht ausgeglichen!"

    " Ihm fehlt die nötige, innere Haltung!"

    Du hast recht, wenn Du auf den Mißbrauch solcher Argumente mit dem Finger zeigst. Du darfst dabei aber nicht verschweigen, dass diese Argumente, in einem seriösen Kontext verwendet, durchaus ihre Berechtigung haben können.

    Im Gegenteil wäre es sogar fatal, wenn man einem Neuling suggerieren würde:

    "Nimms nicht so genau, lass ruhig mal was aus, wenn es Dir zu anstrengend erscheint. Und auch in Sachen Disziplin wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird."

    Ich denke, der beste Lehrer sind die eigenen Erfahrungen.

    Die Entwicklung einer magischen Persönlichkeit entsteht aus einer Vielzahl von z.T. sehr kleinen Puzzlestückchen. Ich glaube, es ist wichtig, dem Neuling dabei zu helfen, sich dafür zu sensibilisieren. Dann wird er seine eigenen Fortschritte deutlicher sehen, und er wird sehen, dass auch seine Umwelt durch geändertes Verhalten auf seine Fortschritte reagiert.

    Im Übrigen macht es immer mehr Sinn, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren, als krampfhaft an den Schwächen herum zu kämpfen.

    Wem visuelles Imaginieren leicht fällt, wer aber überhaupt keine Chance sieht, mit dem Geruchssinn zu imaginieren, der sollte sein visuelles Imaginieren perfektionieren, und seine Fortschritte geniessen. Das andere kommt dann oft von ganz alleine.

    Ich jedenfalls kann ALS in vielen Punkten folgen, und ich glaube, Du kannst es auch, wenn Du mal Deinen berechtigten Zorn auf die falsche Gurus beiseite lässt.


    Viele Grüsse

    R.B.



  2. #2
    PA
    Gast

    Re: Techniken und was sie taugen


    Hallo R.B.,


    >Du mal Deinen berechtigten Zorn


    Zunächst mal, ich bin wirklich nicht zornig oder auch nur verärgert!


    :-)


    Durch die Art der Beiträge, die ich momentan schreibe, könnte man wohl zur Auffassung kommen, dass ich mich "mit erhobenen Zeigefinger auf die Esoteriker stürze!"


    *schmunzel*


    Nein so ist es natürlich nicht! Ich will nicht die Prediger im Londoner Hyde-Park imitieren, die sich auf eine Tonne stellen und mit apokalyptischen Deklamationen und Predigten die Welt retten wollen!


    Erstens ist es ziemlich naiv zu glauben, dass man durch das Abhalten von Anklage-Monologen die "Welt retten" könne, und zweitens wissen wir sehr gut, was passiert, wenn irgendwelche Leute beginnen, sich für das Schicksal der ganzen Welt verantwortlich zu fühlen. Die jüngere Geschichte hat uns einige grauenvolle Auswirkungen vor Augen geführt.


    Was ich hier mache, ist, dass ich auf einen bestimmten Missstand hinweise, der ein echtes Problem darstellt.


    >Du verweist darauf, dass falsche Gurus, Scharlatane und Möchtegern-Esoteriker ihre eigene Unfähigkeit, oder die Mangelhaftigkeit ihrer Methode mit den immer gleichen Argumenten zu kaschieren versuchen.

    >" Der Adept ist noch nicht weit genug entwickelt!"

    >" Sein Charakterspiegel ist eben nicht ausgeglichen!"

    >" Ihm fehlt die nötige, innere Haltung!"



    Richtig, das ist eine der möglichen sehr negativen Auswirkungen. Und die absichtliche Irreführung zum Zweck der persönlichen Bereicherung kommt gar nicht so selten, sondern sogar ziemlich häufig vor. Immer wieder werden leichtgläubige und hoffnungsvolle Menschen von skrupellosen Gaunern auf diese Weise ausgebeutet.


    >Du darfst dabei aber nicht verschweigen, dass diese Argumente, in einem seriösen Kontext verwendet, durchaus ihre Berechtigung haben können.


    Damit hast du natürlich vollkommen recht! (Hätte ich selbst den Beitrag von mir kritisch unter die Lupe genommen, dann hätte ich unter anderem genau auf diesen Aspekt gepocht!)


    Und gerade diese wirklich vorhandene Berechtigung macht den von mir hier angeprangerten Missstand so tückisch!


    Es gibt nämlich keine Methode zu entscheiden, ob es sich um den berechtigten Hinweis auf noch nicht erbrachte Voraussetzungen handelt, oder ob es sich um eine schlichte Ausrede handelt! Dies IST ja die verzwickte Lage!


    Oben haben wir nur von Betrügern und Gaunern gesprochen. Leider aber beschränkt sich dieser Missstand nicht nur auf Betrüger und Gauner, sondern er betrifft auch die so genannten seriösen esoterischen und okkulten Autoren.


    (Ich nenne diese hier absichtlich "so genannt seriös", weil ich mir unter Seriosität etwas mehr vorstelle, als von diesen Autoren erbracht wird.)


    Um nicht immer Bardon zu zitieren (obwohl sich das Folgende natürlich genauso auf ihn bezieht) verwende ich jetzt mal einen anderen Autor als Beispiel, nämlich W.E. Butler.

    In seinem Werk "The Magician: His Training and Work." führt Butler zahlreiche Methoden und Techniken an, durch die ein Mensch bestimmte außergewöhnliche Fähigkeiten erwerben können soll.


    Man kann Butler sicherlich als seriösen okkulten Schriftsteller bezeichnen, da er mit Sicherheit mit seinen Schriften keinen gewerbsmäßigen Betrug beabsichtigt.


    Trotzdem besteht der von mir reklamierte Missstand auch in Bezug auf die Angaben in seinen Büchern! Bei der Beschreibung der Techniken wird der Anschein erweckt, als ob man nur die Technik zu verwenden braucht um die angestrebte außergewöhnliche Fähigkeit erlernen zu können.


    Nun gibt es allerdings keinerlei Wissen darüber, ob jemand diese Fähigkeit erwerben kann oder nicht.


    Es wurden noch nie Untersuchungen zu diesem Thema angestellt! Es ist nichts darüber bekannt. Und trotzdem wird einfach der Anschein erweckt, als ob es nur eine Zeitfrage wäre, bis man die erwünschte Fähigkeit mit Hilfe dieser Technik bzw. Methode erwerben kann.


    Dies finde ich ziemlich unseriös.


    Ich bin der Ansicht, dass dies einen unhaltbaren Zustand besonders in Bezug auf den "Schüler" darstellt.


    Wenn sich ein Schüler auf eine bestimmte Methode einlässt, dann hat er ein Recht darauf, zu wissen, was ihn erwartet.


    Die Verantwortung vom "Lehrer" auf den "Schüler" abzuwälzen ist meines Erachtens eine bodenlose Frechheit.


    Der Schüler investiert viel Zeit und Mühe, und wenn dabei nichts rauskommt, wird einfach behauptet: "selbst schuld"!?!


    >Im Gegenteil wäre es sogar fatal, wenn man einem Neuling suggerieren würde:

    >"Nimms nicht so genau, lass ruhig mal was aus, wenn es Dir zu anstrengend erscheint. Und auch in Sachen Disziplin wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird."



    Richtig, hier führst du sehr schön an, was so alles vom Schüler verlangt wird, welche Ansprüche an ihn gestellt werden! Du kannst dir vorstellen, in welchen emotionalen Zustand des "es richtig machen wollen" der Schüler gestürzt wird.


    Hat der Schüler, wenn er sich getreulich nach all diesen Vorgaben richtet, nicht auch ein Recht darauf, dass auch der Lehrer gewisse Ansprüche erfüllt? Hat er nicht ein Recht darauf, dass zumindest die Methode funktionieren muss, wenn von ihm schon so eine hohe Leistung abverlangt wird?


    Hat der Lehrer nicht auch eine gewisse Verantwortung?


    Was ist, wenn dann trotz allem die Technik versagt? Ist es nicht eine bodenlose Frechheit, vom Schüler die höchsten Ansprüche zu verlangen und selbst nicht einmal die Mindest-Ansprüche erfüllen zu können?


    Genau dies ist das Problem.


    Darauf will ich mit dieser Diskussion hinweisen.


    Zum Schluss ist der Schüler der Dumme und es wird ihm sogar noch eingeredet, dass er selbst Schuld sei! Und er glaubt dies sogar noch.


    Der Autor, der eigentlich versagt hat, sonnt sich weiterhin in eitel überlegener Selbstdarstellung!


    Ich hoffe, ich konnte das Problem noch einmal in aller Klarheit darlegen.


    Freundliche Grüße, Paul.

  3. #3
    R.B.
    Gast

    Re: Techniken und was sie taugen


    Hallo Paul,


    nur eine ganz kurze Erwiederung auf Deine Antwort vom 9.1.,und die erst jetzt, weil ich eine Woche im Urlaub war.


    >Man kann Butler sicherlich als seriösen okkulten Schriftsteller bezeichnen, da er mit Sicherheit mit seinen Schriften keinen gewerbsmäßigen Betrug beabsichtigt.

    >Trotzdem besteht der von mir reklamierte Missstand auch in Bezug auf die Angaben in seinen Büchern! Bei der Beschreibung der Techniken wird der Anschein erweckt, als ob man nur die Technik zu verwenden braucht um die angestrebte außergewöhnliche Fähigkeit erlernen zu können.


    Natürlich bin ich mit Deiner Einstellung esoterischen Schriftstellern gegenüber weitest gehend einer Meinung. Trotzdem bin ich erfreut darüber, dass Du Butler als seriösen okulten Schriftsteller bezeichnest. Ich schätze Butler nämlich sehr. (Hast Du vielleicht daran erkannt, dass ich ihn schon mehrfach zitiert habe.) Ich will auch erklären, warum. Die gegenwärtige Diskussion dreht sich um das "Wie". Ich glaube aber, dass das "Wie" ohne das "Warum" nicht auskommt, und insbesondere in der Esoterik das "Wie" ohne das "Warum" bald eine wirklich unüberwindliche Hürde darstellt.

    Und genau in der Beschreibung des "Warum" liegt Butlers Stärke - da ist er auch Bardon weit überlegen.( Immer mit der Einschränkung, dass auch er, wie alle, ein Kind seiner Zeit ist.)


    Viele Grüsse


    R.B.


    P.S.

    So, und jetzt freue ich mich darauf nachzulesen, was in der Woche so bei Euch gelaufen ist.









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