Als Antwort auf: Re: @LL und Paul zu Heisenberg geschrieben von Moonchild am 17. März 2005 19:16:21:
Hallo Moonchild,
also mit Verlaub gesagt, auf das erste "Hinlesen" hin, halte ich Heisenbergs Ansichten zu diesem Thema für Quatsch. Erstmal, ganz oberflächlich gesehen.
Natürlich "Quatsch" von einer anderen Qualitätsklasse, als der kleine Sturm im Wasserglas, von heute. (Ich meine die kl. Polemik mit als von gestern & heute.)
Also wenn wir diese Diskussion aufgreifen, dann ist es klar, dass jedes Argument, das wir hier anführen werden, längst von früheren Diskussionen in der Polemik zu Newton-Goethe sicherlich schon längst durchgekaut ist, wobei alle Argumente, alles für und wider von uns wie das von Anfängern anmuten muss.
Wenn wir also dieses Schachspiel eröffnen wollen, dann sind alle Anfangszüge und die Antworten darauf sicherlich schon längst bekannt, und die "Profis" - würden sie uns über die Schulter schauen - könnten höchstens ein Lächeln für unsere Versuche übrig haben.
Aber wir können uns ja trotzdem über einige dieser Ansichten unterhalten, wohl wissend, dass wir wahrscheinlich nicht den Stein der Weisen in bezug auf dieses Thema auf Anhieb finden werden.
Also zunächst mal: was soll denn das sein, die Natur?
Ist ein Stein Teil der Natur, oder nicht?
Wenn ich unter einem Mikroskop einen Schnitt durch einen lebenden Pflanzenstengel betrachte oder ein hauchdünnes Scheibchen, das ich von einer Kartoffel eben runtergeschnitten habe, dann sehe ich lebende Zellen und lebende Zellverbände - Gewebe (man sieht wirklich, wie sie leben, wenn du mir nicht glaubst, dann kannst du dich selber in jedem botanischen Institut davon überzeugen). Wie kann dann behauptet werden, dass ich die "tote Materie" untersuche? Was ist denn der Unterschied zu einer lebenden Blume im Ganzen und dem lebenden Präparat unter dem Mikroskop?
Dass ich nur einen Teil, einen Ausschnitt untersuche?
Wie kann Goethe behaupten, dass er "das Ganze" untersucht, wenn er nur eine einzelne lebende Blume beobachtet, (und auch davon nur die oberirdischen Teile)? Die doch eigentlich Teil einer ganzen Wiese ist! Mit allen oberirdischen und unterirdischen Teilen der Wiese. Und allen Insekten die auf ihr rumkrabbeln und fliegen. Der Regen, der von weit her auf sie niederfällt! Der Wind, der aus tausenden Kilometern heranweht, die winzigen Meteoriten die Tag und Nacht auf die Blume runterprasseln*, ... usw. usw. All dieses beeinflusst die Blume auf das entschiedenste! Wo willst du die Grenze ziehen? Wie soll man da von einer "holistischen" Sichtweise sprechen? Holistisch bedeutet ganzheitlich. Entweder - oder. Entweder du nimmst wirklich das Ganze. Dann musst du das ganze Universum gleichzeitig betrachten. Oder du beobachtest einen Teil, dann ist es idiotisch, von "holistisch" zu sprechen.
Dies ist nur ein kleiner Punkt von vielen. Damit könnte man mal beginnen.
Freundliche Grüße, Paul.
PS: Und weils die anderen Forumsteilnehmer momentan eher politisch mögen, sollte hier ruhig angefügt werden, dass der Herr Heisenberg, während er sich in dem Artikel moralisch wichtig macht, Menschheit & menschliche Entwicklung hin, Holismus her, im 2. Weltkrieg an der Atombombe für die Nazis gearbeitet hat! Auch wenn man ihm zugute halten muss, dass er versucht hat, viele seiner Wissenschaftskollegen (einige waren Juden) vor den Nazis zu beschützen, finde ich sein Vorgehen in dieser Sache trotzdem abscheulich! Und sein Moralisieren doppelbödig !!!
*= Es hat sich noch nicht sehr rumgesprochen, dass Tag und Nacht ein unendlicher Strom von Mikrometeoriten auf die ganze Welt aus dem Weltraum runterprasselt. Man kann diese Mikro-Meteoriten auf einem geeigneten Stück Papier auffangen und unter dem Mikroskop betrachten oder sonstwie untersuchen, wenn man Lust dazu hat.



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