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Thema: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?

  1. #1
    PA
    Gast

    Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?


    Hallo R.B.,





    hier kommt also die versprochene Einschätzung zum Thema Lebenskraft.


    Dass das Thema sehr komplex ist, darauf habe ich schon mehrmals hingewiesen! Ich werde im Folgenden versuchen einige wichtigen Argumente für ein Für und Wider darzulegen, zumindest wie es sich mir gegenwärtig darstellt.


    Man könnte so eine Analyse mit der üblichen "Begriffsdefinition"-Diskussion beginnen. Zum Beispiel, dass es keinen Konsens über die Definition von "Lebenskraft", Chi, Prana, usw. gibt. Ich halte von solchen Definitions-Diskussionen recht wenig, da sie zu stark von den "eigentlich" wichtigen Punkten ablenken.


    Man kann sich jahrzehntelang darüber streiten, wie man den Begriff "Gedanken" definieren will oder soll, wird dann aber sehr viel Energie in diesen strittigen Punkt investieren, die man möglicherweise besser in andere Aktivitäten zum gleichen Thema investiert hätte.


    Also lasse ich erst mal eine solche Definitions-Diskussion weg.


    Was mich zur Zeit bei der Diskussion der Lebenskraft auch sehr wenig interessiert, ist der "alte" Streit zwischen Wissenschaft und Okkultismus (Animismus), ob es die Lebenskraft sei, die verschiedene Lebensfunktionen steuert. Für mich gilt es als erwiesen, dass in dieser Hinsicht der Rückgriff auf ein "Lebenskraft"-Prinzip nicht notwendig ist. Genetik, Physiologie, Molekularbiologie und ähnliche Disziplinen zeigen sehr schön auf, wie die Regelung der lebendigen Prozesse im Körper des Menschen bzw. in allen Lebewesen auch ohne Lebenskraft sehr folgerichtig vonstatten gehen kann. Ob eine "Lebenskraft" sich auf diese natürlichen Regelprozesse dennoch auswirkt, indem sie "regelnd auf die natürlichen Regelkreise einwirkt", bleibt allerdings weiterhin im Bereich des Möglichen (dies ist übrigens der Punkt, den Stefan in der damaligen Diskussion zum Thema Chaperons mit seinem Satz "es könnte ja beides sein" anzudeuten versucht hat), nur muss in diesem Fall wirklich ein eindeutiger Nachweis eines solchen Einflusses erfolgen. Die Beteuerung "ich bin davon überzeugt, dass ..." bzw. die Behauptung "es gibt mit Sicherheit eine Lebenskraft die auf diese natürlichen Regelkreise einwirkt" reicht einfach nicht aus!


    Ich gehe jetzt also direkt in medias res auf die esoterischen Konzepte ein, so wie sie in den verschiedenen Traditionen der Esoterik dargestellt werden.


    Du schlägst vor bzw. bist der Meinung, dass das Konzept Lebenskraft in der Art eines Ordnungssystems zu verstehen ist, mit dessen Hilfe ein "Magier" gewisse Dinge in Bewegung setzt, die sich auf verschiedene Ebenen der menschlichen Existenz auswirken können. In deiner Einschätzung "gibt" es also die Lebenskraft, Nadis usw. nicht als materielle, objektive Gegebenheiten, sondern sie entsprechen einem subjektiven Beurteilungskriterium.


    Wenn man sich diese "Theorie" von dir genauer zu überlegen versucht, muss man sich zunächst die Frage stellen, in welchem Sinn du den Begriff "Ordnungssystem" hier gebrauchen möchtest? Es gibt nämlich dafür zwei (mehrere?) Möglichkeiten:


    1. Als eine Begriffzuweisung. Was meine ich damit? Nehmen wir das Wort "Stuhl" als Beispiel zur Erläuterung. Auch das Wort Stuhl kann man im Sinne eines Ordnungssystems verstehen. In der "Außenwelt" gibt es keine Stühle, sondern es gibt nur "Materie-Ansammlungen" die, falls sie eine bestimmte räumliche Gestalt aufweisen, dazu dienen können, dass man sich auf sie setzten kann. Wie diese "Stuhl-Materieansammlung" räumlich und materialmäßig genau beschaffen ist, ist dabei zweitrangig. Es handelt sich also bei dem Ding "Stuhl" um eine Abstraktion, rein vom Menschen für einen nützlichen Zweck geschaffen, die sich in erster Linie auf einen Zweck bezieht. (Platon würde dagegen sagen, dass es sich beim Konzept "Stuhl" um ein vom Menschen unabhängiges Dasein in einer "Ideenwelt" handelt.) Wenn man Stuhl in diesem 1. Sinn als Determinante eines Ordnungssystems versteht, dann ist zwar der Bezeichner (also das Wort "Stuhl") nicht "real" im objektiven Sinn, bezieht sich aber immerhin auf "etwas" reales, also objektiv vorhandenes der Außenwelt, nämlich der "Materieansammlung". In diesem Fall wäre das Ordnungssystem selbst zwar nicht real und objektiv in der Außenwelt gegeben, die von ihm bezeichneten Inhalte aber schon.


    2. Als rein abstrakte Hilfsvorstellung. Wie z.B. die Mathematik. Oder wie z.B. bestimmte ethische Werte: Gerechtigkeit, Gleichheit, Altruismus, das Gute, das Böse, usw.. In diesem Fall gibt es in der objektiven Außenwelt nichts mehr, was diesen Begriffen entsprechen würde. Trotzdem verwenden wir diese Begriffe, um bestimmte Zwecke zu erreichen oder sie anzustreben oder um uns über sie unterhalten zu können. In diesem Fall benützen wir auch ein Ordnungssystem um bestimmte Zwecke erreichen zu können.


    Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann verwendest du bei deiner Besprechung der Lebenskraft den Begriff Ordnungssystem in diesem 2. Sinn.


    Damit sprichst du der Lebenskraft jede reale Existenz ab, und du hast natürlich recht damit, wenn du bei einem solchen drastischen Schritt mit dem Widerspruch und dem Protest zahlreicher Personen rechnest.


    Allerdings halte ich persönlich deine Vorgabe für ziemlich legitim. Da es noch keinem Esoteriker gelungen ist, einen klaren und deutlichen Nachweis für die objektive Existenz einer "Lebenskraft" zu erbringen, ist deine Vorgehensweise vollkommen berechtigt und die Argumentationslast liegt auf Seiten deiner Kritiker!


    Eventuellen Einwänden gegen deine Theorie kann man mit schwerwiegenden Argumenten begegnen! Die Okkultisten haben es bisher noch nicht einmal geschafft einen groben Konsens in der theoretischen Bezeichnung des Phänomens zu erreichen, geschweige denn in Detailfragen! Jeder stellt sozusagen seine kleine Privattheorie auf: und dies bei einem der (nach esoterisch-okkulter Doktrin) grundlegenden "Kräfte" oder Prinzipien der "Schöpfung". Falls sich nicht einmal bei einem so zentralen Prinzip eine Einigkeit der Praktiker, die auf diesem Gebiet tätig sind, erreichen lässt, liegt natürlich der Schluss sehr nahe, dass es sich gar nicht um ein allgemeines Prinzip handelt, sondern um rein spekulative Vorstellungen.


    Nachdem ich dies hier in aller Deutlichkeit gesagt habe, muss man im Sinne einer ausgeglichenen und differenzierten Sichtweise schon auch anführen, dass alle klassischen Texte zum Thema der Auffassung sind, dass es sich beim Prana zwar nicht um eine "grobmaterielle", trotzdem aber "reale" und "objektive" feinstoffliche Kraft" bzw. Prinzip handelt.


    Im Folgenden möchte ich einige interessante und z.T. auch widersprüchliche Punkte besprechen:


    Im vorigen Absatz sprach ich von einer feinstofflichen Kraft, Energie oder Prinzip. Im Unterschied zum Kraft-, Energie-, und Stoff-Konzept der heutigen Wissenschaft wird die Lebenskraft manchmal auch als ein "intelligentes" Prinzip beschrieben. Es würde sich in diesem Fall also nicht um ein "blindes" Prinzip handeln, das nach rein "mechanistischen" Prinzipien "funktioniert", sondern diese "Kraft" wäre also mit Intelligenz behaftet. Damit wollte man in vergangenen Jahrhunderten das "intelligente" Prinzip im Menschen und auch in den anderen Lebewesen erklären.


    Auch bei Bardon wird dieses "intelligente" Prinzip indirekt betont. Bardon schreibt z.B. dass die Lebenskraft der Träger von Gedanken und Gefühlen sein kann. Mit Hilfe der Lebenskraft könne man Gedanken oder Gefühle sozusagen "objektivieren" und in einen Raum bannen! Eine sehr interessante Möglichkeit, und vollkommen jenseits jeder wissenschaftlichen Rationalität. Trotzdem: ein interessanter Gedanke. Wenn man von der heutigen Auffassung zu Gefühlen und Gedanken, Motivation usw. ausgeht, dann könnte man in einer aufschlussreichen Analogie sagen, dass mit Hilfe der Lebenskraft ein Computerprogramm sozusagen in den Raum gebannt werden kann, wo es dann sozusagen losgelöst von Hardware automatisch ablaufen kann. Eine vollkommen irreale Vorstellung!


    Was weiterhin auffällt ist die praktisch nicht vorhandene Abgrenzung der Lebenskraft von anderen Prinzipien bzw. Kräften, die im Menschen wirksam sein sollen. Z.B. das Verhältnis Lebenskraft ↔ Elemente (man denke hier besonders an das Erdelement, dem genauso wie dem Prana die belebende - lebenserhaltende Funktion im Körper zugesprochen wird), besonders wichtig wäre auch die klare Abgrenzung zw. Lebenskraft ↔ el./mag. Fluid bzw. Od. Von manchen Autoren wird ja auch Od der Lebenskraft gleichgesetzt. Wenn man hier einen Vergleich mit dem Ida-Pingala System des Kundalini Yoga setzt, dann ist auch hier das Verhältnis zum Prana ungeklärt. In einigen Systemen wird zw. Prana und Apana unterschieden und als der ab- und aufsteigende Atem bezeichnet, in anderen Systemen wird wiederum eine viergliedrige Pranaverteilung vorgenommen. Die "Bewegungskräfte" des Prana-Prinzips, die als Vayus bezeichnet werden, sind je nach Sichtweise dagegen 5 bzw. 10. (cf. Shandilyopanishad, 5.4.12; Warahopanishad, 5.31). Vollkommen unklar ist auch das Verhältnis zw. dem Lichtprinzip und Prana bzw. Lebenskraft. Bardon spricht z.B. an einer Stelle davon, dass man die Lebenskraft in das Zimmer stauen könne um dann nur das Lichtprinzip im Raum zu belassen. Bei der Schaffung eines Elementars wird dieser durch konzentriert gestaute Lichtkraft belebt, der Zusammenhang mit der Lebenskraft ist also offensichtlich.


    Dies kann als gute Überleitung zu einem weiteren, wichtigen Thema führen:


    Die meisten Personen, die eine Lebenskraft-Übung durchführen, konzentrieren sich bei ihrer Übung zu meist auf den visuellen Aspekt dieser Übung, sie stellen sich also zumeist ein Lichtfluidum vor. Gelingt ihnen dies, sind sie der Auffassung, eine Lebenskraftatmung erfolgreich durchgeführt zu haben, was ich bezweifeln möchte. Ich würde sagen, sie haben eine imaginative Lichtkraftstauung durchgeführt - ob dies automatisch zu einer Lebenskraftbeherrschung führt, bleibe dahingestellt.


    Jedenfalls wird jeder Praktiker, der diese Übung nach seinem eigenen Gutdünken erfolgreich durchgeführt hat, deiner Theorie widersprechen, dass es sich beim Prana um ein reines Ordnungssystem handelt. Er wird behaupten, dass, da er die "Lebenskraft" eindeutig wahrgenommen habe, diese auch real und objektiv existieren müsse .


    Und hier begegnen wir wieder der in esoterischen Kreisen weit verbreiteten Oberflächlichkeit! Nur weil man "irgendetwas" im Körper gespürt hat, wird automatisch darauf geschlossen, dass dies "Lebenskraft" oder Prana sei! Bardon schreibt sogar: "Je nach Veranlagung wird jeder einzelne das Eindringen der Lebenskraft durch die Poren anders empfinden." Besser kann man ein Phänomen gar nicht eingrenzen! Bravo!


    "Eigenartige", kribbelnde, elektrische und andere Gefühle wie auch Strömungsgefühle kommen auch unter ganz natürlichen Umständen vor, und natürlich kann man diese auch mit Hilfe der erwähnten Techniken auslösen. Ob man dann berechtigt ist, gleich von einer Lebenskraft zu sprechen, ist meiner Meinung nach mehr als fraglich!


    Und damit komme ich zum Abschluss dieser kleinen Analyse: alles in allem ist das ganze Konzept sehr unausgegoren und die Annahme einer objektiv existierenden Lebenskraft - Prana ist keineswegs plausibler, als die von R.B. vorgeschlagene Theorie, dass es sich um reine Ordnungssysteme handelt.


    Meiner Meinung nach ist auch in dieser Hinsicht eine "neue Esoterik" notwendig, in der die besprochenen Elemente wesentlich genauer dargestellt werden müssen. Die Abgrenzung zu anderen Prinzipien muss sehr viel genauer erfolgen. Systeme, bei denen man "Prana" und verwandte Prinzipien (Nadis, Chakren, Meridiane, Elemente, Od, Lichtprinzip, etc.) verwendet, müssen wesentlich genauer voneinander abgrenzt werden.


    Außerdem muss auch die praktische Arbeit mit Lebenskraft bzw. Prana wesentlich eindeutiger gestaltet werden, will man dem Vorwurf der Trivialität und Beliebigkeit entgehen.




    Freundliche Grüße, Paul.

  2. #2
    R.B.
    Gast

    Re: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?


    Hallo Paul,


    vielen Dank für Deine ausführliche und interessante Stellungnahme.

    Es ist bemerkenswert, wie sehr sich Diskussionen im Forum immer wieder um die gleichen Kernfragen drehen, und damit in gewisser Weise auch im Kreise.

    Meine ersten Beiträge vor einem halben Jahr führten zu einer Diskussion mit Dir zum Thema: subjektive/objektive Wahrnehmung, Wahrheit und Realität.

    Und genau da sind wir wieder angelangt.

    Es gibt in Deiner Stellungnahme einen winzigen Punkt, den man fast übersehen könnte, und an dem die schon damals unterschiedliche Betrachtungsweise erneut zu Tage tritt.




    >2. Als rein abstrakte Hilfsvorstellung. Wie z.B. die Mathematik. Oder wie z.B. bestimmte ethische Werte: Gerechtigkeit, Gleichheit, Altruismus, das Gute, das Böse, usw.. In diesem Fall gibt es in der objektiven Außenwelt nichts mehr, was diesen Begriffen entsprechen würde. Trotzdem verwenden wir diese Begriffe, um bestimmte Zwecke zu erreichen oder sie anzustreben oder um uns über sie unterhalten zu können. In diesem Fall benützen wir auch ein Ordnungssystem um bestimmte Zwecke erreichen zu können.

    >Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann verwendest du bei deiner Besprechung der Lebenskraft den Begriff Ordnungssystem in diesem 2. Sinn.

    >Damit sprichst du der Lebenskraft jede reale Existenz ab,




    Nein, das tue ich nicht!

    Ich spreche der Lebenskraft lediglich die materielle Existenz ab.


    Immer wieder muss ich zurückkommen auf meine Lieblingsdefinition von Magie:


    "Magie ist die Kunst, willentlich Bewusstseinsveränderungen herbei zu führen."


    Ich würde diese Definition heute mit einem Halbsatz ergänzen:


    "mit dem Ziel, Kräfte freizusetzen."


    Ich bemühe mich derzeit darum, diese Definition dahin gehend zu verfeinern, dass auch Zielrichtung und Aufgabe enthalten sind, aber das nur nebenbei.

    Nach dieser Definition ist auch Lebenskraft das Produkt eines willentlich veränderten Bewusstseins - durchaus real, aber eben nicht materiell.

    Hin und wieder habe ich den Eindruck, dass der fast schon verzweifelte Wunsch nach materiellen Erklärungen magischer Phänomene seine Ursache in einem schwindenden Vertrauen in die Macht der Gedanken hat.

    Dies ist ein Moment des Zeitgeistes. Selbst im Alltag erhält heute der Technokrat den Vorzug vor dem Visionär.

    In unserer materiellen Welt nimmt eben niemand mehr für bare Münze, dass beispielsweise der Glaube Berge versetzen kann.


    Lebenskraft ist ein Aspekt, der mit anderen zusammen, etwa den Elementen, ein Ordnungssystem ergibt. Diese Ordnungssysteme, häufig auf symbolischen Analogien basierend, haben entsprechend die Aufgabe, komplexere Konstellationen von Kräften im willentlich veränderten Bewusstsein auszulösen.

    Das Ergebnis ist Magie - nicht materiell, aber real.


    Viele Grüsse

    R.B.



  3. #3
    PA
    Gast

    Re: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?


    Hallo R.B.,




    >>Damit sprichst du der Lebenskraft jede reale Existenz ab,


    >Nein, das tue ich nicht!

    >Ich spreche der Lebenskraft lediglich die materielle Existenz ab.



    Aha! Dies ist ein wichtiger und interessanter Punkt!


    Du siehst, wie wichtig es war, dass ich das Konzept "Ordnungssystem" versucht habe genauer zu differenzieren.


    Denn nach dieser neuen Information handelt es sich bei deinem "Ordnungssystem" (zumindest nach meinen Begriffen) um eines der 1. Art und nicht der 2., so wie ich dich bisher interpretiert habe.


    >Es ist bemerkenswert, wie sehr sich Diskussionen im Forum immer wieder um die gleichen Kernfragen drehen, und damit in gewisser Weise auch im Kreise.


    Ich finde nicht, dass sich die Diskussion in dieser Hinsicht im Kreise dreht!


    Bisher war mir dieser Aspekt deiner Sichtweise noch durchaus nicht klar! Du hast ihn wahrscheinlich schon mehrmals deutlich zu machen versucht, allerdings ist dies bisher bei mir noch nicht "angekommen". Bis heute eben!


    Gut, damit sind wir auf einer neuen Ebene angelangt.


    Zu den weiteren Punkten, die deine Sichtweise etwas ausführen, werde ich mir einige Gedanken machen, und dann dazu Stellung nehmen.




    Schöne Grüße von Paul.


    PS: Kannst du englische Texte verstehen? Es gibt nämlich einen recht interessanten modernen Text eines indischen Yoga-Experten zu unserer Diskussion. Ich könnte einige Exzerpte daraus hier im Forum diskutieren, bzw. in die Diskussion einfließen lassen, was aber relativ wenig Sinn macht, wenn du es nicht lesen kannst.

  4. #4
    R.B.
    Gast

    Ich denke, mein Englisch wird reichen.






  5. #5
    R.B.
    Gast

    Re: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?


    Hallo Paul,


    >>Es ist bemerkenswert, wie sehr sich Diskussionen im Forum immer wieder um die gleichen Kernfragen drehen, und damit in gewisser Weise auch im Kreise.


    Das war nicht so negativ gemeint, wie es vielleicht rüber kam.

    Für mich hat es auch etwas von Einkreisen.

    Jedenfalls führt es dazu, dass man immer wieder neu nachdenkt, und vor Allem neu formuliert.


    Viele Grüsse

    R.B.



  6. #6
    R.B.
    Gast

    Re: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?


    Hallo Paul,

    nach mehrmaligem Durchlesen Deiner Stellungnahme ist mir noch etwas aufgefallen, nämlich dass Du den Begriff "real" immer nur in Verbindung mit Aussenwelt benutzt. Nach der neueren Bewusstseinsphilosophie in der Tradition von Descartes und Brentano findet der Begriff "real" aber genauso seine Anwendung in Bezug auf Innenwelt, der Unterschied liegt lediglich zwischen Wahrnehmung und Empfindung.

    Das nur als Vorwarnung, ich komme darauf zurück, nachdem ich Pat geantwortet habe.


    Viele Grüsse

    R.B.



  7. #7
    PA
    Gast

    Re: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?


    >Hallo Paul,

    >nach mehrmaligem Durchlesen Deiner Stellungnahme ist mir noch etwas aufgefallen, nämlich dass Du den Begriff "real" immer nur in Verbindung mit Aussenwelt benutzt.



    Hallo R.B.,




    auf diesen Punkt wollte ich selbst schon zu sprechen kommen, in Verbindung zur Ordnungsprinzip-Diskussion. Wenn auch von einer geringfügig anderen Warte aus, nämlich in Bezug auf den Begriff "objektiv" bzw. "wirklich vorhanden".


    Aber wie gesagt, die Diskussion zu unserem Thema steht noch fast ganz am Anfang: verschiedene Teilbereiche und wie wir dazu stehen, müssen wir uns eben noch ausdiskutieren.




    Freundliche Grüße von Paul.

  8. #8
    R.B.
    Gast

    Re: Prana & Lebenskraft: objektive Realität oder subjektives Ordnungsprinzip?


    Hallo Paul,

    was nun folgt, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern sozusagen die Descartes/Brentano-Light-Version.

    Danach wird sowohl der Aussenwelt, als auch der Innenwelt eine Qualität zu gesprochen, die als „real“ bezeichnet werden muss. Die Realität der Aussenwelt wird durch die Wahrnehmung zur Kenntnis genommen, die der Innenwelt durch Empfindung. Der entscheidende Unterschied ist, dass Wahrnehmung teilbar ist, Empfindung nicht.

    Die Wahrnehmung von Realität in der Aussenwelt erfolgt immer durch die fünf Sinne, die zwar durch die Zuhilfenahme von technischem Gerät verfeinert, aber nie ersetzt werden können. Die Wahrnehmung ist deshalb teilbar, weil wir beispielsweise beide den gleichen Stein betrachten können.

    Die Empfindung der Innenwelt ist unteilbar, denn wenn ich Dir meine Empfindung noch so präzise schildere, nimmst Du sie doch nur von Aussen wahr, indem Du meine Worte hörst, und vielleicht wahr nimmst, wie ich dabei aussehe, rieche, schmecke und mich anfühle.

    Aus pragmatischen Gründen neigt der Mensch dazu, der äusseren Realität eine höhere Qualität zu zu billigen, es sei denn, es geht um ganz starke Empfindungen, wie Liebe und Hass.

    Eigentlich aber spricht die philosophische Beweislage für das Gegenteil.

    Denn wenn alles, was wir für äussere Realität halten, nur geträumt wäre, also nicht existieren würde, müsste immer noch mein Bewusstsein existieren, damit ich diesen Traum überhaupt träumen kann.


    Viele Grüsse


    R.B.



  9. #9
    Moonchild
    Gast

    Eine Geschichte


    Hallo R.B.,


    Immer wieder muss ich zurückkommen auf meine Lieblingsdefinition von Magie:

    "Magie ist die Kunst, willentlich Bewusstseinsveränderungen herbei zu führen."

    Ich würde diese Definition heute mit einem Halbsatz ergänzen:

    "mit dem Ziel, Kräfte freizusetzen."


    Ich bemühe mich derzeit darum, diese Definition dahin gehend zu verfeinern, dass auch Zielrichtung und Aufgabe enthalten sind, aber das nur nebenbei.

    Nach dieser Definition ist auch Lebenskraft das Produkt eines willentlich veränderten Bewusstseins - durchaus real, aber eben nicht materiell.

    Hin und wieder habe ich den Eindruck, dass der fast schon verzweifelte Wunsch nach materiellen Erklärungen magischer Phänomene seine Ursache in einem schwindenden Vertrauen in die Macht der Gedanken hat.

    Dies ist ein Moment des Zeitgeistes. Selbst im Alltag erhält heute der Technokrat den Vorzug vor dem Visionär.

    In unserer materiellen Welt nimmt eben niemand mehr für bare Münze, dass beispielsweise der Glaube Berge versetzen kann.





    die Diskussion zwischen Dir und Paul ist sehr interessant. Eine Frage an Dich, ich versuche mir selber zu erklären, warum sich bei mir in Extremsituationen (und davon hatte ich ja in meinem Leben schon einige) die Dinge völlig ändern können. Als ich das erstemal sehr krank war, war ich kurz vor meinem 18 Geburtstag und stand vor der Abiturprüfung. Die Ärzte wussten nicht was mit mir ist und als ich meine Mutter bat mir meine Hefter ins Krankenhaus zu bringen war gerade ein Arzt im Zimmer, der sagte ganz spontan „Junge die Hefter brauchst Du nicht mehr, weil Du nicht mehr solange lebst“. Erst nach seiner „Rede“ war ihm klar was er da gesagt hatte, meine Mutter war total außer sich und ich blieb relativ ruhig und sagte so in etwa „ich will meine Hefter und da die Prüfungen bald sind werde ich es schon noch schaffen“ (habe ich auch mit 2). Meine Eltern haben alles bewegt um mich in ein anderes Krankenhaus zu bekommen und in der folgenden Nacht (ich konnte in dieser Situation nicht schlafen) habe ich meine Gedanken auf das Abitur konzentriert. Am anderen Morgen hatte ich eine extreme allergische Reaktion (sollte von den Medikamenten sein) und bei der nächsten Untersuchung stellte sich heraus, das die Diagnose bis jetzt falsch war und es nur eine harmlosere Krankheit ist, die ausgeartet war. Ich habe das damals auch so hingenommen und wie ich schon mal geschrieben habe, ist das in meinem weiteren Leben noch zweimal vorgekommen und es waren wirklich total extreme Situationen (OP und 2 x Chemotherapie) ich hatte jedes Mal ein Ziel an das ich mit vollem Bewusstsein gedacht habe und mein gesundheitlicher Zustand hat sich fast wieder normalisiert. Es kann alles nur einfach Glück sein oder ist man in solchen Situationen in der Lage seinen Körper durch seine Gedanken zu beeinflussen, wenn diese voller Tatendrang und Optimismus sind passt sich der Körper diesen an (das ist nur ganz seicht formuliert, aber ich denke es ist deutlich was ich sagen will). Das ist jetzt alles viele Jahre her und dann gab es vor ca. 4 Jahren eine Nacht in meinem Leben in der ich am Ziel aller meiner Wünsche war und das, das erste mal in meinem Leben mit fast 40 Jahren. Es hat ca. 3 Minuten angehalten – dann war wieder Realität - da stand in großen Buchstaben so Du durftest erfahren wie es ist völlig glücklich zu sein aber nur um zu sehen wie es ist. In dieser Nacht habe ich das erstemal nach sehr langer Zeit gebetet das ich wieder zu Erde werden möchte. Ich habe 3 mal um mein Leben gekämpft meine Aufgaben erledigt und viele Fehler gemacht und damit sollte jetzt Schluss sein, es reichte für ein Leben. Die Intensität meines Gebetes war wohl sehr stark, alle meine Gedanken waren darauf gerichtet das sein Wille geschehen und ich Frieden finden möge oder sich das erfüllt was ich wollte. In diesen Augenblicken gab es nichts anderes in mir und als ich aus diesem (sagen wir Rausch) erwachte fühlte ich mich voller Kraft und war dankbar dafür das ich wissen durfte wie schön das Leben sein kann, auch wenn es nur 3 Minuten waren. In den folgenden Jahren hat sich alles so entwickelt wie ich es wollte nur eben völlig anders. Man könnte sagen siehe das was Du wolltest zielte auf Glück von kurzer Dauer, das was Du jetzt finden kannst kann von ewiger Dauer sein. Wissenschaftlich formuliert würde ich sagen meine Einstellung hat sich völlig geändert und so hat sich auch meine Sicht der Welt geändert und darauf hat die Umwelt reagiert. Wenn man dazu sagt das sich durch meine Gedanken meine Lebenskraft geändert hat ist das bestimmt auch nicht falsch. Ich habe danach sehr schnell den geliebten Menschen an meiner Seite gefunden und zusammen mit den Kindern sind wir eine sehr liebevoll verbundene Familie seit dieser Zeit. Und nun zu dem Menschen dem ich die 3 Minuten völliges Glück und auch den tiefen Fall damals verdanke. Ihr konnte ich 2 mal helfen. Alles wie es zwischen uns war hat sich bei Ihr wiederholt, Sie hat genau das gefühlt wie es damals bei mir war, wir konnten ganz offen über alles Reden. 2 Nächte bevor Sie zu mir kam konnte ich nicht richtig schlafen und habe geträumt das ich nach meiner Aufrichtigkeit gefragt werde, da war eine Stimme die in etwa sagte ist deine Liebe zu Ihr so aufrichtig wie Du es vor 4 Jahren gesagt hast, wenn ja ist jetzt die Zeit gekommen das Glück das Du Ihr gewünscht hast zu unterstützen. (wie kann so etwas sein, woher konnte ich träumen was mit Ihr in 100 km Entfernung ist). Wie gesagt 2 Tage später stand Sie bei mir auf Arbeit vor der Tür und war völlig am Boden, ich habe Sie 3 Stunden in den Armen gehalten und gestreichelt und Ihr gesagt wie sehr sie ihr Freund lieben kann wenn sie ihn so sieht wie er ist und nicht so wie sie ihn haben möchte. Bei meinem geliebten Menschen und mir ist es so, wir sehen uns so wie wir sind und werfen uns unsere Fehler nicht vor sondern helfen einander es besser zu machen. Das ist ganz einfach nur machen leider viele Menschen genau das Gegenteil. Aber zurück zu besagtem unglücklichen Menschen, nach den 3 Stunden hatte Sie sich wieder einigermaßen unter Kontrolle. Wir haben dann die nächsten Tage noch oft telefoniert, aber ihr Freund dem sie ihr ganzes Herz (und das hatte sie lange Zeit nicht gemacht) geschenkt hat meldete sich nicht. Ich habe mich in einer Vollmondnacht an die Arbeit gemacht die Karten mit den Mondgöttinnen vor mich gelegt und mein liebstes Tarotdeck genommen, frische Irisblüten in den Kelch der Mondgöttin gelegt und Dion Fortunes Gebete gesprochen bis ich in diese tiefen Gefühle falle, dann den Atem beobachtet bis Gedankenstille ist und all meine Liebe auf sie gerichtet bis die Bilder verblassten.

    Am nächsten Tag hat sie mich angerufen ob ich am Abend Zeit für sie habe und da habe ich ihr am Telefon erzählt wie ich die Beziehung zwischen Ihr und Ihrem Freund sehe und das ich erst mal keine weitere Zeit für sie habe, weil mein geliebter Mensch und die Kinder auf mich zu hause warten. Sie wollte diesen Abend ausgehen, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat, da habe ich ihr zum Schluss des Telefonats gesagt, gehe wenn Du gehen willst und bleib wenn Du ihn so willst wie er ist, denn dann wird er wieder dasein. In der folgenden Woche hat sie mir erzählt das er um halb eins vor der Tür stand und sie sich so geliebt hätten wie nie zuvor. Seit einigen Wochen ist sie eine glückliche Frau und zwischen mir und meinem geliebten Menschen ist es so schön wie am Anfang nur viel tiefer. Ich denke alle Zeichen denen ich die letzten 4 Jahre gefolgt bin haben das als Ziel gehabt. Man kann es glauben oder nicht und ich hätte es vor 4 Jahren auch nicht geglaubt aber es ist wahr. Wir lieben jeder von uns unsere geliebten Menschen an unserer Seite die zu uns passen und das was zwischen uns ist, ist eine andere Art von Liebe die alles verbindet. Statt kurzem Glück ein Glück von Dauer, wenn es jeden von uns auch fast zerbrochen hätte.


    Ich hoffe diese persönliche Geschichte hat nicht genervt, ich wollte sie ja auch eigentlich nur R.B. mailen. Erklären kann ich es nicht, aber es ist wirklich so gewesen.


    Viele liebe (und das schreibe ich weil ich es so meine, egal ob Mann oder Frau) Grüße


    Moonchild



  10. #10
    Stefan
    Gast

    Re: Eine Geschichte


    >Ich hoffe diese persönliche Geschichte hat nicht genervt, ich wollte sie ja auch eigentlich nur R.B. mailen.


    Was mich betrifft keineswegs, im Gegenteil. Danke dafür


    herzliche Grüße,

    Stefan




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