Vorbemerkung:
Richtigerweise müsste die Überschrift lauten: Ein Plädoyer für die Esoterik als zulässige Methode, sich dem Leib/Seele-Problem zu nähern.
Dabei kann es nur darum gehen, die Rechtmässigkeit esoterischer Methoden zu begründen, und deren Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Grenzen zu beschreiben. Keinesfalls geht es darum, bereits gefundene Lösungen der vorhandenen esoterischen Gedankengebäude zu übernehmen und voreilig abzusegen. Esoterische Heilsbotschaften spielen mit den Bedürfnissen der Menschen, und überspielen damit ihre eigenen methodischen und theoretischen Schwächen.
Voraussetzungen:
Das Leib/Seele-Problem ist deshalb für die Philosophie, die Psychologie und die Naturwissenschaften so eminent wichtig, weil seine Existenz eine unmittelbare menschliche Erfahrung ist. Wir erleben uns als Zweiteilung von Körper und Geist, die wir nicht oder kaum zu überwinden vermögen. Gleichzeitig sind wir uns aber bewusst, dass die Empfindung der Zweiteilung kein sicherer Beleg dafür ist, dass diese Zweiteilung auch der Realität entspricht.
Wobei man hier den Begriff „Realität“ auch erst einmal untersuchen müsste.
Das persönliche Empfinden des Leib/Seele-Problems ist die Grundvoraussetzungen anderer Fragestellungen, die die Menschheit seit Bestehen beschäftigt:
Fragen zur Schöpfungsgeschichte, Willensfreiheit, ethischen Verhaltens, Gerechtigkeit, Wahrheit, persönlicher Verantwortung, Determinierung, eigenem Stellenwert, Leben nach dem Tod, Himmel, Hölle, Nirwana, Wiedergeburt, Ewigkeit, All-Geist, Gott
Und so könnte man auch sagen, das Erleben des Leib/Seele-Problems ist der Ursprung aller Philosophie – der Wissenschaft des Staunens.
Der Drang zur Erforschung dieser Fragen wird nicht gemindert durch die gleichzeitige Erkenntnis, dass letzte Antworten nicht möglich zu sein scheinen.
Nach dem die Schwächen der Erklärungsversuche des Idealismus durch die Idealismuskritik des 19.Jahrhunderts nicht mehr zu übersehen waren, lag zunächst die Hoffnung auf dem philosophischen Materialismus. Zwar sind die aus dem Materialismus erwachsenen Handlungsaufforderungen heute immer noch wichtig:
„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an sie zu verändern.“ Karl Marx
Aber die Antworten, die der Materialismus zum Leib/Seele-Problem zu geben hatte, bleiben unbefriedigend.
Ähnliches gilt auch für die Psychoanalyse, die dann auch schnell unter massiven Druck durch die Naturwissenschaft geraten ist.
So blieb in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Neurowissenschaft als einziger Hoffnungsträger übrig.
„Francis Crick, der Entdecker des DNA-Struktur, hatte schon Ende der siebziger Jahre behauptet, man könne das Rätsel des menschliches Bewusstseins mit naturwissenschaftlichen Methoden knacken, alles nur eine Frage der Zeit. 1994 wähnte er sich am Ziel: „All Ihre Freuden und Leiden, Ihre Erinnerungen, Ihre Ziele, Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit – bei alledem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen“, verkündete Crick in seinem Buch mit dem grossspurigen Titel „ Was die Seele wirklich ist“. Doch die Euphorie reichte nicht weit: Als Crick 2003, ein Jahr vor seinem Tod, zusammen mit seinem Kollegen Christof Koch eine Ergebnisbilanz der neueren Hirnforschung zog, gaben die beiden zu, dass auch die subtilste Analyse neuronaler Vorgänge absolut nichts über die subjektive Seite der menschlichen Erfahrung aussagt: „ Niemand hat bis jetzt irgendeine plausible Erklärung vorgelegt, wie die Erfahrung der Röte von Rot aus den Vorgängen im Gehirn entsteht.“
Das Bewusstsein mag sich darstellen als unendliches Feuern der Neuronen, als Zusammenwirken der Gene, Proteine und Botenstoffe, als Summe von Biochemie, Sozialem, Ererbtem.
Der Mensch jedoch erlebt all dies in einem anderen Aggregatzustand: als vielschichtigen inneren Erzählstrom aus Bildern, Worten und Gefühlen – vage, flüchtig, mit Sprache nur annähernd zu beschreiben.
Warum finde ich Erfüllung? Warum gefällt mir Blau besser als Rot? Warum fühle ich mich schuldig? - zu diesen Fragen hat die Hirnforschung, die sich als Leitdisziplin der Humanwissenschaften positionieren will, bislang keinen Zugang gefunden.
„Die Neuropsychologie ist etwas Grossartiges“ sagt der New Yorker Neurologe Oliver Sacks, „aber sie ignoriert die Psyche.““
Auszug aus dem Aufsatz: Natur der Seele, der Wissenschaftsjournalistin Beate Lakotta, 2005
Als Folge der Ernüchterung auf Seiten der Neurowissenschaften erlebt die Psychoanalyse derzeit eine neue Blüte, bzw. sie schliesst sich mit den Neurowissenschaften zur neuen Disziplin Neuropsychoanalyse zusammen. Und selbst der Idealismus erhält neuen Schub, wie etwa die aktuellen Arbeiten des ehemaligen Kultur-Staatsministers und Philosophen Julian Nidda-Rümeling zeigen.
Alles das scheint allerdings ohne echte Chance, die alten Grenzen zu durchbrechen.
Was hingegen meiner Meinung nach übersehen wird, ist die Tatsache, dass zeitgleich zu diesen Entwicklungen auch der wissenschaftliche Begriff von Intelligenz eine deutliche Ausweitung erfahren hat. Und hier sehe ich die eigentliche Chance zu einem esoterischen Ansatz.
Ende Teil 1
Ich muss jetzt für ein paar Tage verreisen, dann geht's weiter.
@Xercon: Kommt bestimmt auch noch was über Sex.
Viele Grüsse
R.B.



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