Hab ich den Text eigentlich mal aus diesem Forum geklaut und sozialistisch auf meine Festplatte umgelagert? Weiß das zufällig jemand?
@Michi: ich brauch deine Addy nochmal.
lg
die Frau deren wohlgeformt und wohlklingender Name ne Wortsperre ist
Was ich meine (ich weiß, diese These klingt abenteuerlich) ist die Tatsache, daß sich unsere Welt heute als ganze in eine Maschine verwandelt, daß sie auf dem Wege dazu ist, zur Maschine zu werden.
Warum dürfen wir diese überspitzte These aufstellen?
Nicht einfach deshalb, weil es heute so viele (politische, administrative, geschäftliche oder technische) Apparate und Maschinen gibt, oder weil diese eine so gewaltige Rolle in unserer Welt spielen. Das würde die Bezeichnung nicht rechtfertigen. Was entscheidet, ist vielmehr etwas Grundsätzlicheres, etwas, was mit dem Prinzip der Maschinen zusammenhängt, und auf dieses Prinzip müssen wir hier nun zurückgehen. Denn in diesem Prinzip ist der Zustand, in dem die ganze Welt zur Maschine wird, bereits angelegt.
Was ist das Prinzip der Maschinen? Maximal-Leistung.
Und deshalb dürfen wir uns Maschinen nicht als insulare insulare Einzeldinge vorstellen, etwa nach dem Bilde von Steinen, die nur dort sind, wo sie sind, die also in ihre physischen Dinggrenzen eingeschlossen bleiben. Da die raison d' être der Maschinen in Leistung, sogar in Maximalleistung, besteht, benötigen sie, und zwar jede von ihnen, -Umwelten, die dieses Maximum gewährleisten. Und was sie benötigen, das erobern sie sich auch. Jede Maschine ist expansionistisch, um nicht zu sagen ‚imperialistisch’, jede verschafft sich ein eigenes (aus Zubringern, Bedienungsmannschaften, Konsumenten usw. bestehendes) Dienst- und Kolonialreich. Und von diesen ‚Kolonialreichen’ verlangen sie, daß sie sich ihnen (den Maschinen) anverwandeln; daß sie ihnen mit der gleichen Vollkommenheit und Zuverlässigkeit ‚in die Hand arbeiten’, mit der sie selbst arbeiten; kurz: daß sie, obwohl außerhalb des ‚Mutterlandes’ gelegen, ‚mitmaschinell’ werden. Die ursprüngliche Maschine erweitert sich also, sie wird zur ‚Großmaschine’; und das nicht etwa nur akzidentell oder nur zuweilen; umgekehrt würde sie, wenn sie darin ermüdete, aufhören, im Reiche der Maschinen noch zu zählen.
Dazu kommt ferner, daß sich keine durch die Einverleibung eines noch so großen, aber eben doch begrenzten, Dienstreiches endgültig sättigen kann. Vielmehr gilt, was von der ursprünglichen gegolten hatte, auch von der ‚Großmaschine’: daß auch sie eine Außenwelt benötigt, ein ‚Kolonialreich’, das sich ihr fügt, und das ihr optimal und mit der gleich Präzision, mit der sie selbst arbeitet, ‚in die Hand arbeitet’, daß sie sich dieses ‚Kolonialreich’ beschafft und so anverwandelt, daß auch dieses wieder zur Maschine wird – kurz: der Selbsterweiterung sind keine Grenze gesetzt, der Akkumulationshunger der Maschinen ist unstillbar.
Daß sie dabei alle diejenigen Stücke Welt, die sich der von ihnen geforderten Mitmaschinisierung nicht fügen, als wertlos und nichtig beiseiteschieben; oder diejenigen, die dienstunfähig oder arbeitsunwillig einfach herumzulungern wünschen und dadurch die Weiterausdehnung des Maschinenreiches zu sabotieren drohen, ausräumen und als Abfall vernichten – das klingt zwar trivial, aber gerade deshalb müssen wir es ausdrücklich unterstreichen. Denn was als trivial gilt, das bleibt unbeachtet; und was nicht beachtet wird, das wird widerspruchslos akzeptiert.
Dieses Endziel heißt von Anfang an ‚Totaleroberung’, und so wird es weiter heißen. Was die Maschinen sich wünschen, ist ein Zustand, in dem es nichts mehr gäbe, was ihnen nicht diente, nichts, was nicht ‚mit-maschinell’ wäre, keine ‚Natur’, keine sogenannten ‚höheren Werte’ und (da wir ihnen ja nur noch als Dienst- oder Konsum-Mannschaften gelten würden) auch uns Menschen nicht mehr. Sondern eben nur noch sie selbst. Und dies: die Welt als Maschine, ist wirklich der technisch-totalitäre Zustand, dem wir entgegentreiben. Und wohlgemerkt, nicht erst seit heute oder gestern, vielmehr, da dieser Trend dem Prinzip der Maschine: nämlich ihrem Selbsterweiterungstrieb, entstammt, seit eh und je.
(Quelle: Zugänge zur Philosophie, Cornelsen, 1995, S.453 ff Anders, Günther
R. Bahro: Logik der Rettung; 1989)
Exterminismus und Megamaschine
Wenn man Unkraut vertilgt oder Ungeziefer ausrottet, sagt man exterminate, ähnlich den romanischen Sprachen, aus denen das Verb kommt. Es meint die massenhafte Vernichtung von Leben, das wir für unwert befunden haben. In diesem Sinne hat es 1958 auch Gustav Heinemann gebraucht, als er im Bundestag erklärte, man könne die Atombombe nicht eine Waffe mehr nennen: Sie sei ein Ungeziefervertilgungsmittel, diesmal angewandt auf Menschen.
Ich empfand gleich, dass Exterminismus nicht nur auf militärischen Overkill, auf solche Erfindungen wie die Neutronenbombe, die nur Lebendiges vernichtet, passt, sondern tatsächlich auf die Industriezivilisation insgesamt und in sehr vielen, nicht nur materiellen Aspekten, obgleich diese letzteren zuerst ins Auge fallen.
Thompsons Satz von der „zunehmenden Bestimmtheit des exterministischen Prozesses“, von der „letzen Disfunktion der Menschheit, ihrer totalen Selbstzerstörung“, kennzeichnet die Lage insgesamt. Mit der Verbreitung der Industriezivilisation hat die Zahl der Verdammten und Verelendeten ungleichlich zugenommen. Es hat nie in der ganzen Geschichte so viele Opfer von Hunger, Krankheit, vorzeitigem Tod gegeben wie heute. Nicht nur ihre Zahl, sondern auch ihr Anteil am Menschheitskörper wächst. Und in untrennbarem Zusammenhang mit dem militärischen und wirtschaftlichen Vormarsch sind wir dabei, das nichtmenschliche Leben, d. h. die Biosphäre, die uns hervorgebracht hat, ins Mark zu treffen.
Wenn wir schon keine natürliche Solidarität mit dem übrigen Leben mehr fühlen – wir sind für unsere eigene biologische Existenz darauf angewiesen, daß die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere erhalten bleibt. Unsere „anthropogenen“ technischen Monokulturen von Nutzpflanzen und –tieren sind vielleicht die nachhaltigsten Selbstmordinstrumente, die wir führen. Jedenfalls gibt es kein fundamentaleres Indiz für die allgemeine exterministische Tendenz als das Artensterben, das mit dem Überwuchern des Industriesystems ins Galoppieren übergeht.
Allem Anschein nach hat das Industriesystem – mit seinen Verbrennungsprozessen, seinen chemischen und metallurgischen Produktionen, seinen Hochspannungsleitungen und Atomkraftwerken in unserem überbesiedelten Land – eine letzte Verträglichkeitsschwelle überschritten. Der Exterminismus war schon an den beiden Weltkriegen abzulesen, die das Industriesystem voraussetzten. Jetzt gibt es praktisch überhaupt keine Friedensproduktion mehr her, was die Natur betrifft. Daran wird vollends kenntlich, wo wir stehen.
Zur Megamaschine gehören nicht nur die Transport- und die Finanzströme und die Kabel für die entsprechenden Kommunikationen, sondern auch die Bildungsstätten, die Massenmedien, nicht zuletzt die bürokratischen Apparate, usf.
[Eine Megamaschine ist]: eine Gesellschaftsordnung, in der die Gesamtgesellschaft zu einer Maschine organisiert ist, in der das einzelne Individuum zum Teil der Maschine wird, programmiert durch das Programm, das der Gesamtmaschine gegeben wird. Der Mensch ist materiell befriedigt, aber er hört auf zu entscheiden, er hört auf zu denken, er hört auf zu fühlen und er wird dirigiert von dem Programm. Selbst jene, die die Maschine leiten…, werden vom Programm dirigiert.“
Das Industriesystem ist mehr als ein Kompositum aus Anlagen, Kommunikationen, Institutionen. Es ist tatsächlich mit der Industriegesellschaft identisch. Es ist die Integration all der menschlichen Kräfte und Tätigkeiten, die ja die eigentliche Substanz aller seiner Erscheinungsformen sind. Was einst für die Maschinerie der einzelnen Fabrik galt, daß der Arbeiter zu ihrem untergeordneten Bestandteil wird, das gilt jetzt für jeden Bürger der industrialisierten Gesellschaft. Der einzelne Mensch ist zerteilt nach ihren Unterfunktionen. Er gehört ihr als Fernsehzuschauer, der in den Einschaltquoten mitgezählt wird, nicht weniger an denn als Monteur. Und selbst noch der Großbankier ist Diener, Funktionär der Kapitalströme und ihrer Gesetzmäßigkeiten. Die Megamaschine hat praktisch unseren gesamten Alltag nach ihren verschiedenen Aspekten aufgeteilt. Freie Bewußtseinsanteile, die es wohl gibt, existieren von ihr aus gesehen nur wie die bedeutungslos gewordenen Götter Epikurs: in den „Intermundien“, den für das System nicht relevanten „Zwichenwelten“, und für den Notstandsfall der ganzen Maschine sind auch sie schon vorerfaßt.
Die Megamaschine ist nicht primär durch Machtwillkür zustande gekommen und wird weniger als jede frühere Ordnung subjektivistisch reguliert. Vielmehr stellt sie eine entfremdete Maschinerie dar, die sich nach ihren eigenen, nicht direkt von uns abhängigen Gesetzen bewegt.
Diese Megamaschine ist das direkte Subjekt des Exterminismus, und soweit wir dort integriert sind, mach die vernünftigste Haltung in irgendeinem einzelnen Punkt keinen wesentlichen Unterschied.



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