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Thema: Vorgestellt: Zero Karma und Michael deWitt

  1. #1
    Programm Mochlathmephista
    Gast

    Vorgestellt: Zero Karma und Michael deWitt


    ZERO KAMA,

    EDITION ANANAEL,

    NEKROPHILE REKORDS



    Ein Interview mit Michael DeWitt



    Esoterische Bücher gibt es wie Sand am Meer, doch nur wenige können wirklich den

    Anspruch erfüllen, dem interessierten Leser neue Wege zu eröffnen. Die Bücher der

    Edition Ananael werden diesem Anspruch gerecht. Der Verlag hebt sich nicht nur durch die

    erstklassige Auswahl der Werke hervor, er versteht es auch hervorragend, durch qualitativ

    hochwertige Übersetzungen und ein prächtig aufgemachtes Äußeres, dem Leser mehr zu bieten,

    als nur „ein weiteres Esoterik Buch“.

    Edition Ananael ist in erster Linie Michael DeWitt. Dieser steckte auch hinter Zero

    Kama, dessen „The Secret Eye of Laylah“ der Klassiker der Ritualmusik schlechthin ist. Genug

    der Vorrede, hier nun das Interview mit Michael DeWitt :

    ? Berichte doch bitte etwas über die Anfänge und die Entwicklung von Edition Ananael, und,

    wie Ihr mit Magie in Berührung kamt.

    Die Edition Ananael wurde 1990 in Wien als Eigenverlag gegründet, um Austin Osman

    Spares Gesammelte Werke, die ich im Winter 1989/90 übersetzt hatte, in Buchform herauszubringen.

    Die Idee, einen Verlag zu gründen, bestand von Anfang an, und konnte schließlich

    mit Hilfe meiner Frau Petra, die ich zur selben Zeit kennengelernt hatte, in die Tat

    umgesetzt werden. Mittlerweile sind wir ein gewerblicher Verlag und bringen jährlich 2-3

    Bücher zum Thema Okkultismus, Spiritualität und Magie heraus, die bis jetzt vom Buchhandel

    und unseren Lesern durchweg begeistert aufgenommen wurden. Unsere eigenen magischen

    Anfänge sind sehr unterschiedlich : Petra wurde bereits als Kind von ihrer Großmutter

    in eine magische Tradition der Zigeuner eingeweiht und lebte lange Zeit auf Jamaika, wo sie

    1

    ZERO KAMA,

    EDITION ANANAEL,

    NEKROPHILE REKORDS

    Ein Interview mit Michael DeWitt

    mit schwarzen Obeah- und Voodookulten in Berührung kam. Ihre Zauberei ist reine psychische

    Technik und hat sehr wenig mit westlicher Magie zu tun. Ich selbst beschäftigte mich in

    meiner Jugend mit östlichen Meditationstechniken, und kam schließlich mit westlicher Magie

    und vor allem mit der Zauberei Austin Osman Spares in Kontakt, die mich stark beeinflußt

    hat.

    ? Bekommt Ihr den Esoterik Trend eigentlich ernsthaft zu spüren? In den (mittlerweile großen)

    Esoterik Ecken stapeln sich zum Großteil recht blödsinnige Machwerke, aber gute ernsthafte

    Literatur zum Thema ist da nicht vorzufinden. Ich habe bisher noch keines Eurer Bücher

    in Buchhandlungen gesehen (esoterische Fachhandel mal ausgenommen).

    Wir beliefern derzeit 500 Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum, vorwiegend esoterische

    Fachbuchhandlungen, aber auch normale Buchhandlungen. Daß letztere unsere Bücher

    seltener lagernd haben, liegt an den Mechanismen des Buchhandels, durch die kleinere Verlage

    aufgrund der Fülle des Angebots leicht auf der Strecke bleiben können. Im allgemeinen

    behaupten wir uns jedoch im ansonsten stagnierenden Buchhandel relativ gut.

    ? Wie sehen Eure persönlichen magischen Vorlieben aus? Ich hörte einerseits, das Ihr keiner

    Gruppierung angehört, und andererseits, daß Ihr im IOT seid? Könnt Ihr Euch mit einer der

    vielen Szenen identifizieren?

    Ich stand zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlicher Intensität mit verschiedenen magischen

    oder spirituellen Gruppierungen in Kontakt, von denen u.a. (noch in den 70er Jahren)

    die TM Maharishi Mahesh Yogis, in den frühen 80er Genesis P-Orridge`s Temple ov Psychic

    Youth und in den späten 80ern Pete Carrolls Illuminates of Thanateros zu nennen wären. Im

    I.O.T. gründete ich den Tempel Pleasure Dome, der schließlich in den schicksalhaften Vorfällen

    im Sommer 1990 auf Burg Lockenhaus geschlossen exkommuniziert wurde, da unsere

    Magie bereits so mächtig, kraftvoll und kompromißlos war, daß man uns nur noch fürchtete.

    Wenn jedoch die Obersten einer Hierarchie ihre (Schein-)Autorität gegen fähigere Anfänger

    verteidigen müssen, dann bricht diese Hierarchie unweigerlich auseinander, wie es eben in

    den letzten Jahren mit dem I.O.T. geschehen ist. Da wir unserem eigenen magischen System

    folgen, das abseits aller bekannten esoterischen Richtung existiert, kann ich mich mittlerweile

    mit keiner bestehenden magischen Gruppierung mehr identifizieren.

    ? Ihr habt Pete Carrolls „Liber Kaos“ veröffentlicht. Seine ersten Bücher „Liber Null“ und

    „Psychonautik“ sind ja leider schon lange nicht mehr erhältlich. Werdet Ihr diese vielleicht

    herausbringen? Es ist ja bekannt, daß Herr Tegtmeier nicht mehr gut auf den IOT zu sprechen

    ist. Hat er noch immer die Rechte an der deutschsprachigen Ausgabe? Gibt es bereits

    Pläne oder Daten für Carrolls „Psybermagic“?

    2

    Da sich Liber Kaos einigermaßen gut verkauft, ist es durchaus möglich, daß wir in Zukunft

    auch die ersten beiden Werke Pete Carrolls, Liber Null und Psychonautik, neu auflegen.

    Ralph Tegtmeier besitzt keine deutschen Rechte an den Werken Carrolls mehr, und dürfte

    nach seinem Bruch mit Pete Carroll tatsächlich auch wenig Interesse daran haben. Zu geplanten

    neuen Werken Carrolls, wie das erwähnte „Psybermagic“, liegen mir selbst keine Informationen

    vor.

    ? Ihr veröffentlicht ja nun auch endlich „Helrunar“, welches in England von der Kritik begeistert

    aufgenommen wurde. Im Gegensatz zum Großteil der Runenbücher betont es mehr die

    schamanistischen, individuellen Aspekte. Welchen Status räumt Ihr diesem Werk ein? Ein

    Teil der Runenszene scheint sehr angestaubt und dogmatisch zu sein. Denkt Ihr Bücher wie

    „Helrunar“ können als Impulsgeber für einen lockeren und besseren Umgang mit der nordischen

    Religion dienen?

    Helrunar halte ich für ein ausgezeichnetes Buch zum Thema Runen, vielleicht das beste, das

    soweit erschienen ist. Es ist richtig, daß Jan Fries eher die individuellen , schamanischen

    Aspekte betont, doch ist auch sein theoretisches Wissen sehr fundiert und stellt eine Quelle

    für viele neue Einsichten und Anregungen dar . Fries dürfte auch der erste Autor sein, der

    über Runen schreibt und zur Masse der germanophilen präfaschistischen Runenliteratur eine

    eindeutige Gegenposition bezieht. In dieser Hinsicht kann Helrunar tatsächlich zu einem

    besseren und lockeren Umgang mit der nordischen Religion beitragen. Da Jan Fries auch,

    was die Wirkungen magischer Prozesse betrifft, viel Verständnis und Feingefühl besitzt und

    seine Gedanken in einem neuen frischen Stil vermitteln kann, halte ich seine Bücher für

    einige der wichtigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre. In der Flut esoterischer Literatur

    hat Jan Fries, wie auch sein ersten Buch, Visuelle Magie, gezeigt hat, tatsächlich noch etwas

    Neues zu sagen.

    ? Ein paar Fragen zum Spare Buch: Spare zu übersetzen war sicherlich keine leichte Aufgabe.

    Ich würde gern wissen, wie es war, sich so intensiv mit den Schriften auseinanderzusetzen.

    Gab es „Erleuchtungsmomente“ während der Übersetzung, Momente, wo Du beispielsweise

    dachtest „Oh, so hatte ich das vorher gar nicht gesehen“? Wie hat sich Deine Beziehung zu

    seinen Schriften während der Übersetzung verändert?

    Die Übersetzung der Schriften Austin Osman Spares war natürlich eine starke initiatorische

    Erfahrung für mich, da ich mich während des Übersetzens mitten in den Gedanken dieses

    großartigen unkonventionellen Geistes befand. Wenn du Spare nur der Bedeutung der Worte

    nach übersetzt, dann kommt so etwas wie Marcus M. Jungkurths Übersetzung des „Buchs der

    Freude“ heraus, d.h. bloßer Nonsense und Kauderwelsch. Wenn man jedoch versucht, den

    zugrundeliegenden Gedanken Spares selbst zu folgen, dann kann man die ganze magische

    3

    Weltsicht dieses genialen Denkers enthüllen. Der Leser hat natürlich dasselbe Problem, da

    Austin Spare niemals offen seine magischen Geheimnisse preisgab, sondern sie hinter

    kryptischen Formulierungen und allegorischen Bildern verbarg. Spare wußte um die Brisanz

    seines Wissens und versuchte es (oder auch sich selbst) auf diese Weise zu schützen.

    Dringt man jedoch tiefer in seine Schriften ein und beginnt ihn zu verstehen, stellt dies

    an sich bereits eine große initiatorische Erfahrung dar und man kann hinter Spares

    Kryptizismus die grundlegende Einfachheit seines Systems erkennen und für sich selbst anwenden.

    ? Etliche Autoren (beispielsweise Tegtmeier in „Sigillenmagie in der Praxis“) stellen Spares

    System als einen Weg dar, der ohne Vorkenntnisse erfolgreich praktiziert werden kann. Ist das

    nicht absurd, wenn man bedenkt, daß allein das transzendieren des Wunsches aus dem Alltagsbewußtsein

    eine Übung ist, die nur durch hohe Konzentration und Willenskraft zu erreichen

    ist? Für wie „einfach“ hältst Du Spares System?

    Ich würde sagen, daß Spares System, d.h. im speziellen seine Sigillenmagie, sehr wohl ohne

    große Vorkenntnisse praktiziert werden kann. Ob allerdings erfolgreich, das liegt allein am

    Individuum selbst. Jeder Anfänger kann mit Sigillen wahrnehmbare magische Erfolge erzielen,

    doch wenn man es mit dieser Methode längerfristig wirklich etwas weiterbringen will,

    muß man sie schon sehr intelligent verwenden. Die Methode, durch die ein Wunsch aus dem

    Alltagsbewußtsein verbannt wird, ist nach Spare das Vergessen des Wunsches oder der Sigill.

    Wie man aus dem alltäglichen Leben weiß, braucht man, um eine Sache zu vergessen, weder

    Willenskraft noch Konzentration, sondern eher das genaue Gegenteil davon. Aus diesem

    Grund ist es am zielführendsten , zu Beginn nur kleine, nebensächliche Wünsche zu sigillisieren,

    während bei großen, unerfüllten Wünschen zusätzliche Methoden - vor allem eine schonungslose

    Selbstanalyse , um die zugrundeliegenden Hindernisse herauszufinden - angewendet

    werden müssen. Einige Tips, wie sinnvoll mit Sigillen umgegangen werden kann, sind

    übrigens in Jan Fries’ Buch „Visuelle Magie“ enthalten.

    ? Wie denkt Ihr über „magische Öffentlichkeitsarbeit“? Hier in Deutschland sind wir mittlerweile

    so weit, daß TV und Boulevardzeitungen die öffentliche Meinung beherrschen und

    steuern. Wie kann man dem Normalbürger alternative Weltanschauungen nahebringen, ohne

    daß man durch peinliche Talkshows laufen muß?

    Von spiritueller oder magischer Missionsarbeit halte ich sehr wenig, da ein bestimmtes magisches

    Wissen immer nur für eine bestimmte Entwicklungsstufe sinnvoll ist. Was für den einen

    ein sinnvoller und nützlicher Weg ist, das kann einen anderen in den Untergang treiben.

    Magie erfordert vor allem Intelligenz und Weisheit, und diese dem Normalbürger zu vermitteln,

    scheint mir ein eher aussichtsloses Unterfangen.

    4

    5

    ? Stichwort Zero

    Kama : Mit ZK hast

    Du sehr früh experimentelle

    Musik erschaffen,

    die, soweit

    ich das den Titeln entnehmen

    kann, u.a.

    Spare, Crowley oder

    Kenneth Anger zum

    Thema hatte. Gab es

    eine besondere Intention

    hinter Zero

    Kama?

    Zero Kama war ein Soloprojekt von mir in den frühen 80er Jahren, das sich eher ergeben hat,

    als daß es eine geplante Sache gewesen wäre. Aus Menschenknochen und -schädeln selbst

    Instrumente herzustellen, darauf selbst zu spielen und alleine eine Aufnahme herstellen, die

    man selbst verkaufte, das stellte für mich ein Gesamtkunstwerk dar, das einen Bogen von der

    feuchten Erde des Friedhofs bis ins Plattenregal des Hörers spannte. Es gab zwar noch einige

    kleinere Veröffentlichungen auf Samplern und zwei Performances in Holland, doch das Meisterstück

    von „The Secret Eye... blieb etwas Einzigartiges, neben dem wahrscheinlich nichts

    zweites bestehen kann. Darüber hinaus entwickelt man sich ja auch selber weiter. Nichtsdestotrotz

    bin ich immer noch stolz auf die Aufnahme und bin oft überrascht, wie bekannt sie

    ist.

    ? Zu Nekrophile Rekords: Kannst Du etwas über die Projekte LASHTAL und KORPSES

    KATATONIK sagen? Welche Intention steht hinter diesen Projekten, und was war für Dich

    ausschlaggebend sie zu veröffentlichen? Werden alle Tapes als CD veröffentlicht werden?

    Das ist alles schon recht lange her. Korpses Katatonik war ebenfalls ein Soloprojekt von mir,

    eigentlich die erste Veröffentlichung von Nekrophile. Lashtal war eine italienische Gruppe,

    von der mir einige Nummern recht gut gefallen haben. Ich habe alle Aufnahmen, die bei

    Nekrophile erschienen sind, Staalplaat in Amsterdam überlassen und einiges davon ist auch

    bereits auf CD erschienen.

    ? Wie kam es zur Crowley Veröffentlichung? In Anbetracht von Crowleys Bekanntheitsgrad

    ist es ungewöhnlich, daß ein Großteil seiner Werke niemals auf Deutsch erschien, oder andererseits,

    billig gemachte Ausgaben mit schlechter Übersetzung zu Wahnsinnspreisen verkauft

    wurden. Werden weitere Bücher von ihm folgen?

    Wir sind selbst nicht gerade Anhänger Crowleys , doch haben wir uns zur Veröffentlichung

    seiner Hauptwerke entschieden, da er dennoch eine der wichtigsten Figuren im Okkultismus

    des 20. Jahrhunderts ist. Auch wenn ich mittlerweile zu Crowleys schärfsten Kritikern zähle,

    so habe ich seine Werke dennoch gelesen und studiert und dasselbe werden auch noch viele

    nach mir tun. Mit ein Grund für die Veröffentlichung von Crowley ist auch der vielbeklagte

    Umstand, daß es auf Deutsch bis jetzt nur minderwertige Übersetzungen und Ausgaben gegeben

    hat. Weitere Bücher von ihm werden voraussichtlich folgen, genaueres läßt sich zum

    gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

    ? Die Themen Eurer Bücher sind sehr unterschiedlich. Nach welchen Kriterien erfolgt die

    Auswahl?

    Die grundlegende Intention ist die, ausgehend von unseren eigenen, eher ausgefalleneren

    Interessen ein möglichst breites Spektrum der Esoterik abzudecken und dieses beständig zu

    erweitern, um uns schließlich als einer der führenden Esoterikverlage zu etablieren. Maßgeblich

    ist für uns immer die Qualität - sowohl inhaltlich als auch was die Fertigung der unserer

    Bücher betrifft. Der Erfolg, den wir bisher hatten, scheint uns in dieser Hinsicht Recht zu

    geben.

    ? Welche Veröffentlichung sind für die Zukunft geplant und welches Buch ist Euer größter

    Erfolg?

    Crowleys Buch 4 wird wahrscheinlich erst im Frühjahr erscheinen, und Jan Fries „Helrunar“

    im Herbst 1996. Weitere Projekte sind vorläufig noch nicht fixiert. Das Freya Aswynn Buch

    hat sich bis jetzt am besten verkauft.

    ? Bekommt Ihr Resonanz von den Lesern? Es gibt doch sicherlich Leser, die beispielsweise

    über Euch mit diversen Gruppierungen Kontakt aufzunehmen wünschen. Leitet Ihr diese

    Wünsche weiter?

    Diese Zuschriften halten sich sehr in Grenzen. Was zur Weiterleitung bestimmt, ist, wird

    natürlich weitergeleitet., doch Kontakte zu magischen Gruppen unterhalten wir selbst keine,

    so daß wir dafür sicherlich die falsche Anlaufstelle sind. Wenn es jedoch um Kontakte zu

    heidnischen Gruppen geht, (keltisch, nordisch-germanisch o.ä.) so kann ich Vivianne Crowleys

    soeben erschienenes zweites Buch „Phönix aus der Flamme“ empfehlen, in dem ein sehr

    umfangreicher Adressenteil von Gruppen, Magazinen, usw. enthalten ist.

    ? Habt Ihr ein Bild von Eurer Leserschaft? Welche Zielgruppe wird von Edition Ananael

    angesprochen?

    6

    Unsere Leserschaft ist relativ interessant , da sie sich von den jüngsten Semestern bis hin zu

    den ältesten erstreckt, quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Es ist ein hoher

    Akademikeranteil zu beobachten, doch ansonsten gibt es keine spezifische Leserschicht, da

    unsere Bücher von Black-Metal-Fans genauso wie von esoterisch interessierten Hausfrauen

    und Freimaurern gelesen werden.

    ? Wie denkt Ihr über magische Orden und hierarchische Strukturen? Wenn man sich beispielsweise

    die Geschichte des OTO anschaut, so scheint es, daß diese Struktur nicht sonderlich

    erfolgreich war bzw. ist.?

    Von magischen Orden und hierarchischen Strukturen halte ich nicht viel. Anstatt Unterstützung

    auf dem Weg der spirituellen Weiterentwicklung zu bieten, sind magische Orden meist

    nichts als ein Instrumentarium zur Aufblähung der Egos ihrer Mitglieder, von den untersten

    Stufen der Hierarchie bis zu den höchsten. Tritt man in einen magischen Orden ein, fühlt

    man sich als etwas Besonderes, etwas besonders Mystisches und Bedeutungsschwangeres. Ist

    man in der Hierarchie zu den höchsten Stufen aufgestiegen, verstärkt sich dieser Effekt nur

    und die eigene Weiterentwicklung bleibt auf der Strecke, denn die Position muß verteidigt

    werden. Meiner Erfahrung nach ist das magische Wissen, das in Orden vermittelt wird, praktisch

    gleich Null. Menschen, die tatsächlich Fähigkeiten besitzen und etwas zu vermitteln

    haben, geben ihr Wissen normalerweise nicht in magischen Orden weiter, sondern werden

    abseits davon gefunden.

    ? Kurz zu S. Flowers „Feuer & Eis“. Wie denkt Ihr über die FS? Nach alledem, was man in den

    letzten Jahren so gehört hat, scheint es, als sie die Zeit der FS jetzt endgültig vorbei?

    Mir scheint, als sei überhaupt die Zeit magischer Orden vorbei. Welches geheime und großartige

    Wissen soll dort noch gelehrt werden, wenn die Buchhandlungen und Esoterikläden

    davon überquellen? Hymenaeus Beta, der „Head out of Order“ (sic!) des internationalen

    O.T.O. erzählte mir unlängst bei einem Besuch in Bad Ischl, daß es allein in Ex- Jugoslawien

    über 500 O.T.O. Mitglieder gibt. Vielleicht liegt’s daran, daß es dort noch recht wenig Buchhandlungen

    und Esoterikläden gibt! Was die FS betrifft, so weiß ich relativ wenig, doch würde

    es mich wundern, wenn sie sich in einem anderen Zustand als dem der schleichenden

    Agonie befände. Im Grunde ist dies alles veraltet und das profane Publikum längst fortgeschrittener

    als die meisten selbsternannten Meister und Zeremonialmagier.

    ? Was für eine Meinung habt Ihr über Stephen Flowers? Er hat ja nicht den besten Ruf, da er

    beispielsweise Bücher von List und Hemberger unter seinem Namen in Amerika als Raubdruck

    veröffentlichte.

    7

    Uns ist mittlerweile auch bekannt, daß es Herr Edred Thorsson mit seinen Quellen und

    deren Verwendung in seinen eigenen Werken nicht so genau nimmt. Leider war uns das zum

    Zeitpunkt, da wir „Feuer & Eis“ verlegten, noch nicht bekannt. Ich denke aber, daß dieses

    Buch immer noch interessant und spannend zu lesen ist und einen ganz guten Gesamtüberblick

    über die FS darstellt. Weitere Veröffentlichungen von Stephen Flowers alias Edred

    Thorsson sind jedoch nicht mehr geplant. Zumindest in Europa dürfte er sich seinen Ruf

    selbst gründlich zerstört haben.

    ? Wie denkt Ihr, wird sich die Magie entwickeln?

    Ich denke die Magie wird sich von einer abstrusen Wissenschaft der Geisterbeschwörer und

    Nekromanten hin zu einer rein geistigen Disziplin entwickeln, die allein die psychischen

    Fähigkeiten des Individuums einsetzt und im täglichen Leben nutzbar macht. Wir müssen

    heute nicht mehr unbedingt an Geister, den Teufel oder auch einen höchsten Gott glauben,

    um die Realität verändern zu können. Viele arbeiten heute lieber mit Kräften und Energien,

    ein Modell, daß gegenwärtig ebenfalls bereits bröckelt. Ich glaube, daß die grundlegende

    Ebene der Schöpfung Information ist - Information, wie sich etwas manifestieren soll. Diese

    Informationsebene ist, wie die moderne Wissenschaft gezeigt hat, keinen Beschränkungen

    von Zeit und Raum unterworfen und kann immer und überall angezapft bzw. um zusätzliche

    Informationen bereichert werden. Spares Sigillenmagie ist eine praktische Anwendung dieser

    Theorie.

    ? Ihr habt eine große Leserschaft. Habt Ihr ein Ziel, daß Ihr erreichen wollt? Pete Carroll

    schrieb beispielsweise, daß die Menschen im nächsten Aeon zum magischen Wissen zurückfinden

    müssen. Könnt Ihr Euch damit identifizieren?

    Ich glaube nicht, daß der Menschheit als Ganzes geholfen werden kann, sondern vielmehr,

    daß es in dieser letzten Phase der Menschheitsentwicklung zu einer großen Auslese kommen

    wird. Die Magie ist meist sehr materiell ausgerichtet und vernachlässigt oft die spirituelle

    Weiterentwicklung des Individuums, die eigentlich die Grundlage für magische Fähigkeiten

    wäre (ein Beispiel hierfür ist Pete Carrolls Chaosmagie). Meiner Meinung nach wird es weniger

    darauf ankommen, magische Fähigkeiten zu besitzen, sondern vielmehr darauf, was wir

    mit diesen machen. In diesem Sinne hoffen wir, daß unsere Bücher einen bescheidenen Beitrag

    zu dieser Wandlung des Bewußtseins beitragen werden.

    ? Schlußfrage : Etwas, von dem Ihr denkt, daß Eure Leser wissen sollten?

    In jedem unserer Bücher steht etwas anderes, was unsere Leser wissen sollten. Deshalb : Buy

    them all!!

    8

    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Hinweisen möchte ich abschließend noch einmal

    auf Michael DeWitts grundlegendes Anliegen, das, wie ich denke, sehr deutlich zum Vorschein

    kam : Verlust von Spiritualität. Magie war immer der Versuch, sich selbst, und die Welt

    in der man lebt, zu verstehen. Edition Ananael bieten mit ihren Büchern einen Gegenpol zu

    den oberflächlichen, albernen Ansichten, die diverse Gruppierungen (Namen brauche ich

    wohl kaum zu nennen) nun leider auch im deutschsprachigen Raum etabliert haben. Michaels

    Aussage, daß mit dem Eintritt in einen Orden der Kampf um die Machtpositionen beginnt,

    ist zweifellos wahr. Wenn man sich die Geschichte des OTO oder der FS betrachtet,

    muß man sich fragen, ob die „Brüder“ neben ihren unzähligen Gerichtsprozessen und Intrigen

    überhaupt noch Zeit für Magie abzweigen können.

    Bücher garantieren zwar keine Erleuchtung, können aber für ernsthaft Interessierte Anstoß

    sein, ihr eigenes System und ihre eigenen Ansichten zu entwickeln, und dies, ohne von irgendwelchen

    Frater Superiors, OHOs oder 33° abhängig zu sein.

    Wir bedanken uns bei Michael DeWitt für das Interview und die freundliche Unterstützung.

    Interview und Text von Thomas Lückewerth.

    (Erschienen in Sigill, Nr. 10, Januar 1996.)

    Copyright © 2001 by Michael DeWitt.

  2. #2
    J/N
    Gast

    Osram Spares :)


    Also nich, daß ich was gegen Osram Spares hätte, aber ich denk sein Weder Weder Prinzip ist am besten dazu geeignet Verdrängtes noch weiter abzudrängen. Ich mein, "Nein" ist Ablehnung. Wie damit magische Ziele erreicht werden sollen, in dem Sinne, daß man sich ihnen annähert is mir heute schleierhaft. Wo ist da die Logik? Vielleicht hab ich da allerdings auch was nich richtig verstanden. Andrerseits ist Sigillenmagie sowieso Rotz. Ich mein, kein normaler Mensch leidet an Demenz oder Alzheimer, daß man mal schnell vergessen könnte, was man getan hat zumal sich sowas dann ja auch aus dem Bewußtsein für die Verantwortung der Handlungen entfernen, sich dem entziehen würde. Und das kanns ja nu auch nich sein, oder?


    Übrigens hab ich letztens das erste Mal ne Geschichte als Hörspiel gehört. Die etwas andre Buchform und ich muss sagen, dass es bald angenehmer ist (insofern man gut zuhören kann) irgendwas erzählt zu bekommen, während man andre Sachen machen kann, als irgendwo still umherzuliegen oder zu sitzen und nen Buch zu lesen und da allenfalls ne Ziggi nebenher rauchen kann, was trinken oder essen *ggg* Mit eingecremten Fingern, Eselsohren reinkniggen oder geräuschvoll umblättern. Ne, mal ohne Spaß. Is vielleicht auch nich jedermanns Sache, was vorgelesen zu bekommen, zumal das auch irgendwie an Kleinkindzeitens Märchenstunde erinnert, aber so übel ist das gar nicht. Muss ich ehrlich sagen.


    lg

    J/N


    --

    Mit der Erfindung des Fernsehens wurde die Erde wieder zur Scheibe.






  3. #3
    Programm Mochlathmephista
    Gast

    Re: Osram Spares und Metaprogramme


    "kein normaler Mensch leidet an Demenz oder Alzheimer, daß man mal schnell vergessen könnte, was man getan hat zumal sich sowas dann ja auch aus dem Bewußtsein für die Verantwortung der Handlungen entfernen, sich dem entziehen würde."


    Wie tragisch, dass dieser Fall dann doch jeden Tag passiert. Mal ganz ehrlich, was hast Du heute vormittag zwischen 10.30 - 11.00 Uhr getan? Was hast Du noch vor drei Tagen im Fernsehen gesehen oder was hat dich vor fünf Tagen besonders beschäftigt? Wie hieß dein/e Lehrer/in in der zweiten und vierten Klasse und wer stand alles noch an der Fressbude bei deinem letzten Imbissbesuch? Ein Grossteil der Menschen weiß nichtmal, was er in den letzten zehn Minuten detailgenau getan hat, wenn man ihn/sie durch die Frage danach aus Ihrem Trott aufschreckt.


    A.O. Spare nun richtet sein Werk auch nicht unbedingt an den Teil der Menschheit, der mit Ach und Krach den semantischen Schaltkreis irgendwie in Bewegung hält und somit sich dann doch ein wenig vom Tier unterscheidet, sondern an die ganzheitlichen Neurosomatiker und Metaprogrammierer unter uns.

    (ja unter uns, wenn es sie denn mal soviel gäbe.)( Ich gebe zu, dass ich das Niveau meiner Programme auch noch nicht so positiv bewerte)


    Beiden letzterem übrigens ist sämtlich Semantik bedingungslos untergeordnet. Sprich die Semantischen Programme in uns können sich im Fall, dass sich unsere Software - ich könnte auch sagen Intelligenz - nicht mehr verselbständigen. Einäugiger Rationalismus goes dead.


    Vergessen und Verstehen ist immer abhängig vom Realtätstunnel in dem wir uns befinden oder anders gesagt: Was der Denker denkt, wird der Beweisführer antreten


    Ein schönes Beispiel dazu fiel mir gestern bei einem Ausflug beim Blick auf die Uhr ein.


    Die Uhr war stehen geblieben bei 3.00 Uhr.

    Moment.

    15.00 Uhr.

    Oder 3.00 Uhr AM.

    Nein 3.00 Uhr PM.


    Letztendlich beschreiben hier zwei Zeiten ein und dieselbe Zeit. Aber weil ich den Realtätstunnel des typischen deutschen Mitteleuropäers bereist bin, war es für mich erst mal nur 15.00 Uhr.


    Noch eine Anregung aus dem Dhyana dazu:

    Im Verlauf der Konzentration bemerkten wir, dass der Inhalt des Gehirns zu jedem beliebigen Zeitpunkt aus zwei und nicht mehr Dingen bestand: dem (externen) Objekt, das veränderlich war und dem (internen) Subjekt, das unveränderlich blieb - jedenfalls rein äusserlich. erforgreiches Dharana macht das Objekt genauso unveränderlich wie das Subjekt.


    Warum ist eigentlich "nein" negativ.


    Wer sich mal mit Zeit und Selbstmanagement näher befasst hat, der weiß das es einen sehr verbreitetn Leistungs- und Entwicklungsblocker gibt, nämlich den des NIcht - Nein Sagenkönnens.


    Oder anders.


    Wenn jemand mit dich begatten will, den Du aber unwahrscheinlich abstoßend und unanziehend findest, dann ist es äußerst positiv aus deiner Sicht mitteilen zukönnen. "nein, ich will nicht mit Dir schlafen, weil ich dich .... finde."


    --- off ---









  4. #4
    Forenmasterprogram
    Gast

    Re: ergänzendes Beispiel


    Ein schönes Beispiel wie einfach es ist, etwas "auszublenden" zeigte sich bei folgender Aktivität heute:

    Ich wollte heute unbedingt eine Einzahlung bei meiner Hausbank vornehmen. Ich dachte an die Zweigstelle bei mir um die Ecke, wo ich immer hingehe und wie ich sie heute auf meiner Tagestour mit einbinden könnte. Ich dachte mir, dass ich sie mit einem kleinen Extraweg bei der Rückkehr mit in meine Planung einbauen könnte.


    Beim Losgehen und gedanklichen Abfahren der Strecke fiel mir dann ein, dass dieser Abstecher ja gar nicht notwendig ist, da ja bereits bei Beginn meiner Tour auch eine Filiale andernorts auf der Strecke vorhanden ist, an der ich umittelbar vorbeikomme.

    Die habe ich natürlich auch genommen. Das Interessante ist nun, dass ich auf der ganzen fahrt beobachtet habe, dass ich sogar an fünf Filialen unmittelbar vorbeigekommen bin, ohne sie jemals bei Beginn meiner Tourplanung in Betracht gezogen zu haben. Dieses Beispiel wird nun zu einem guten Beispiel, wenn ich jetzt noch erwähne, dass ich die heutige Tour in der selben Form sicher schon zwei Dutzend mal gemacht habe. "Ahaeffekt" /"Ach ja die gibt es ja auch noch".


    Ich war auf das von der Erinnerung am einfachsten und naheliegendste Objekt fixiert. Ich konnte prima den Rest vergessen.


    Warum soll ich nicht auch einen Wunsch vergessen können?



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