Phantasien am Karfreitag
Schwere Wolkenbrüste verdüsterten den Blick zur Sonne
Der Sturm riss Wasserfontänen aus der tobenden See
Die Finsternis hatte alles Leben verschluckt
Nur die Erinnerung zuckte kurz auf,
und wurde gleich wieder zwischen den Elementen zermalmt
Das Licht nahm die Farbe der Nacht an
Es kroch in die Tiefe des Chaos hinein
Der erste Strahl der Schöpfung ward geboren
Leer brannte die Sonne über die Einöde der Wüste hinweg
Saugte den letzten Tropfen aus dem verdörrten Teppich
Gedanken und Hoffnungen vertrockneten im sengenden Feuer
In den flimmernden Luftwellen stiegen Erinnerungen auf
Und verwehten im Sonnenwind
Das Licht verbrannte jeden Wunsch, bevor er Schatten warf,
wälzte sich durch das Meer von Sand und suchte nach Leben
Der zweite Strahl der Schöpfung ward geboren
Nebelschwaden trieb die Sonne aus dem Morast der Sümpfe
Zäh hafteten sie dem schweren Boden an
Ihre Schleier vermummten Gefühle und huschende Gedanken
Gelegentlich Demaskierung und ein erschreckter Schrei
Dann wieder Vergessenheit und schwerer Atem
Durch die Dämpfe der gärenden Sümpfe
schossen pfeilschnell die Konturen eines Lichtstrahls
Der dritte Strahl der Schöpfung ward geboren
Die Lichtsaat des Lebens erwachte in der tiefsten Nacht
Umgeben von der Schroffheit zerrissener Klüfte
Verbunden mit den Zweigen vom Baum des Lebensquells
Wartete sie Jahrmillionen in den Kammern der Materie
bevor die flammenden Zungen der Sonne sie entzündete
Ihre Wurzeln gruben sich tief in das Fleisch ihrer Gefängnisse
Ihre Sprosse schlugen in die glatten kalten Wände
Der vierte Strahl, die Unruhe ward geboren
Im Heimweh zur Sonne keimten die Triebe des Lichts
Und drängten die Materie zur Spaltung,
formten sie, teilten sie und bewegten sie
Licht und Materie durchdrangen sich gegenseitig
Erhoben sich gemeinsam hin zur Lichtkraft der Sonne
und stürzten gleichsam in den Mutterschoß der Erde zurück
Raum und Zeit ließen Licht und Materie nicht los
Der fünfte Strahl, die Zerbrechung ward geboren
Nur im Tod schieden Licht und Materie voneinander
Doch tief brannte die gemeinsame Erinnerung
und hielt das Licht auch nach dem Tod umschlungen
Der Sog der Erinnerung zog das Licht aus der Totenwelt zurück
in ein nächstes Leben mit der Materie
Über die Erinnerung senkte sich die Nacht des Vergessens,
Die Schatten der Materie trennten die Sonne vom Licht
Der sechste Strahl, die Täuschung ward geboren
Sechs Strahlen in Dunkelheit und Licht
durchdringen die unendliche Weite des Nichts
erforschen den Kleinod der Vielfalt
schmücken den Lichterbaum des Lebens
mit der Vielfalt ihrer Farben
berühren und verlieren sich
Sie bündeln sich zur Einheit
im siebenten Strahl
Kohle



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