Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Das Evangelium des Judas

  1. #1
    Programm Benonoi
    Gast

    Das Evangelium des Judas


    Herausgeber sind die Programme Rodolphe Kasser, Marvin Meyer und Gregor Wurst

    Jetzt imm Handel


    ISBN 13: 978-3-939128-60-1

    ISBN 10: 3-939128-60-0


    "Das Evangelium des Judas ist einer der bedeutendsten historischen FUnde des 20. Jahrhunderts, vergleichbar mit dem Fund der Schriftrollen vom Toten Meer oder der Evangelien von Nag Hammadi." Bart D. Ehrman


    Hab gerade angefangen es zu lesen, bisher entspricht es meinen (positiven) Erwartungen.


    Viele Grüße,

    Ben

  2. #2
    Forenmasterprogram
    Gast

    Re: Das Evangelium des Judas


    Danke für die Empfehlung:


    Anbei ne Rezension:


    ast 1600 Jahre lang war das Evangelium des Judas verschollen. Als 1978 in Ägypten eine koptische Abschrift entdeckt wurde, mußte dies als Sensation gelten. Leider war der damalige Besitzer nur an einem lukrativen Verkauf interessiert, so daß sich die wissenschaftliche Bearbeitung des Textes verzögerte und erst jetzt eine Übersetzung erscheinen kann. Es ist bestürzend zu erfahren, daß das Manuskript in diesen 28 Jahren stärker beschädigt wurde als in den 1600 Jahren davor. In der vorliegenden Fassung fehlen etwa 15 Prozent des ursprünglichen Textes.


    Um ein Maximum an Aufmerksamkeit zu erregen, hat sich der Verlag Mühe gegeben, den Eindruck zu erwecken, die Schrift könne unser Bild vom historischen Jesus revolutionieren. Die Kommentare der Herausgeber machen allerdings deutlich, daß davon nicht die Rede sein kann. Der Text ist nicht nur wesentlich jünger als die kanonischen Evangelien (er dürfte um 150 entstanden sein, also etwa 80 Jahre nach Abfassung des Markusevangeliums), er enthält auch keinerlei verläßliche Angaben über Jesus, und geht mit Sicherheit weder auf Judas Iskariot noch auf eine ihm nahestehende Person zurück. Selbst die Bezeichnung "Evangelium" ist irreführend, da die Abhandlung in Aufbau und Inhalt mit den biblischen Texten dieses Namens fast nichts gemein hat, vielmehr eindeutig in die Kategorie gnostischer Schriften gehört, denen auch die 1945 entdeckten Manuskripte von Nag Hammadi zuzurechnen sind.


    Ein gravierender Mangel der deutschen Ausgabe besteht darin, daß ihr Text nicht aus dem Koptischen, sondern aus dem ENGLISCHEN übertragen wurde. Es handelt sich also um die ÜBERSETZUNG EINER ÜBERSETZUNG, mit allen damit einhergehenden zusätzlichen Fehlerquellen, ganz abgesehen von dem Umstand, daß ja auch die koptische Fassung eine antike Übersetzung aus dem Griechischen darstellt. Der Leser tut also gut daran, nach Möglichkeit auf die englische Ausgabe zurückzugreifen.


    Der 25-seitige Text beginnt mit einer erstaunlichen Szene. Während seine Jünger in ihr Gebet vertieft sind, tritt Jesus hinzu und fängt an zu lachen. "Meister, warum lachst du uns aus?", fragen ihn die Jünger "du bist doch der Sohn unseres Gottes." Jesu schroffe Antwort: "Keiner von euch wird mich je wirklich kennen." (Alle Zitate sind von mir frei nach der englischen Ausgabe übersetzt). Als er merkt, wie sehr diese Behauptung sie verärgert, fordert Jesus die Jünger auf, ihm entgegen zu treten und ihm in die Augen zu schauen. Aber keiner der Jünger kann seinem Blick standhalten, mit Ausnahme von Judas.

    Während die anderen sich entfernen, ergreift Judas das Wort: "Ich weiß wer du bist und woher du kommst. Du stammst aus dem unsterblichen Reich der Barbelo." Diese Erklärung überzeugt Jesus davon, daß Judas als einziger würdig ist, seine wahre Botschaft zu hören, und so beginnt er ihm die Geheimnisse des Universums zu enthüllen.


    Es folgt eine verwirrende Entfaltung mythologischer und metaphysischer Spekulationen. Da ist die Rede vom "göttlichen Selbsterzeugten", der "göttlichen Wolke", "zweiundsiebzig Erleuchtern", "Tausenden von Engeln", "Yaldabaoth", "Saklas" und vielen anderen Mächten, die in einem undurchsichtigen Geflecht von Beziehungen und Wechselwirkungen auseinander hervorgehen und von einander abfallen, wobei sie irgendwie noch Zeit finden, die Welt und die Menschheit zu erschaffen.


    Allein den Kommentaren der Herausgeber hat es der normale Leser zu verdanken, wenn er in diesem esoterischen Gedankenstrom nicht untergeht. Auf sie gestützt, scheinen sich folgende Grundideen herauszukristallisieren: Die materielle Welt in der wir leben, ist durch und durch schlecht. Daneben existiert aber noch eine andere, sehr lebenswerte und rein geistige Welt. Während die materielle Welt vom Gott des Alten Testaments erschaffen wurde, ist die geistige Welt das Werk einer anderen, höheren Gottheit.

    Die einzige Hoffnung des Menschen auf Glück besteht darin, Zugang zur geistigen Welt zu finden. Aber nur wenigen Auserwählten kann dies gelingen, denjenigen nämlich, deren Seele vom höchsten Gott erzeugt wurde und daher einen göttlichen "Funken" enthält. Wer dagegen nicht zur Elite der Auserwählten gehört, besitzt lediglich eine gewöhnliche Seele, die nicht erlöst werden kann. Sie ist unentrinnbar an die Materie gekettet und wird durch den Tod ausgelöscht werden.

    Weil er selbst der geistigen Welt entstammt, kann Jesus die Auserwählten über ihre Geheimnisse aufklären. Dank seiner Botschaft wissen sie nun, daß es gilt, alles zu tun, um dem irdischen Leben zu entfliehen.


    Nachdem Jesus seine Mission erfüllt hat, möchte er den Rückweg ins Jenseits antreten. Zu diesem Zweck erteilt er Judas auf den letzten Seiten der Schrift den Auftrag, ihn zu verraten, damit er durch Hinrichtung von seinem materiellen Körper befreit werde (warum Jesus nicht einfach Selbstmord begeht, wird nicht erläutert).


    Der Verfasser des Judasevangelium offenbart in jeder Zeile sein vollständiges Desinteresse am historischen Jesus. Offenbar ging es ihm, wie vielen anderen Gnostikern, nicht um Geschichte, sondern um Mythologie und Metaphysik. Daß Jesus überhaupt auftaucht, liegt nur daran, daß er sich so gut dafür eignete, einer dunklen Geheimlehre Autorität zu verleihen.


    Immerhin zeichnet die Schrift ein neues Bild vom Begründer des Christentums. Wir sehen einen arroganten Jesus, der seine eigenen Jünger auslacht und eine Lehre verkündet, die nur für wenige Auserwählte bestimmt ist. Außerdem ist er mehr Lehrer als Messias, opfert sich nicht für die Sünden der Welt und wird nach der Kreuzigung nicht auferstehen.


    Seine Botschaft ist allerdings noch viel leibfeindlicher, jenseitsorientierter und mythologischer als die der offiziellen Kirche. Wer das Judasevangelium unvoreingenommen liest, wird leicht nachvollziehen können, warum die darin vertretene Spielart des Christentums sich nicht durchsetzen konnte.


    Während die Veröffentlichung der Schrift einen großen Beitrag zur Erforschung der gnostischen Gedankenwelt darstellt, wird jeder Leser enttäuscht sein, dessen Erwartungen nicht rein geistesgeschichtlicher Natur sind. Als Quelle für das Leben Jesu wie auch als Hilfe bei der Suche nach einer zeitgemäßen Auslegung des Christentums ist das Judasevangelium wertlos.

  3. #3
    Programm Benonoi
    Gast

    Re: Das Evangelium des Judas


    Ach herrje, ich liebe diese "absoluten" Meinungen von Leuten, die das zufällig alles besser wissen, als die Autoren der Bücher. Ist die Rezension von irgendwem mit Bedeutung?

  4. #4
    Forenmasterprogram
    Gast

    Re: Das Evangelium des Judas


    "schmunzel"

    Nööö.




  5. #5
    Programm Mochlathmephista
    Gast

    Re: Das Evangelium des Judas


    Trois mille six cents fois par heure, la Seconde

    Chuchote: Souviens-toi!-Rapide, avec sa voix

    D'insecte, Maintenant dit: Je suis Autrefois,

    Et j'ai pompé ta vie avec ma trompe immonde!

  6. #6
    Programm Benonoi
    Gast

    Re: Das Evangelium des Judas


    >Trois mille six cents fois par heure, la Seconde

    >Chuchote: Souviens-toi!-Rapide, avec sa voix

    >D'insecte, Maintenant dit: Je suis Autrefois,

    >Et j'ai pompé ta vie avec ma trompe immonde!




    Und für die, die statt Französisch lieber Informatik belegt haben damals in der Schule?


    ; )

  7. #7
    Programm Mochlathmephista
    Gast

    Re: Das Evangelium des Judas


    Nein. Denn hinter süßen Geheimnissen verbirgt sich nicht selten eine bittere Wahrheit.

  8. #8
    Forenmasterprogram
    Gast

    Re: das Pseudo der Schlange


    Hi Mephista,


    du bist ja in der Hinsicht eh Dein eigenes Evangelium. edenfalls die Antithese , die sich hier in Deinen Worten verbirgt, ist die enge Pforte, durch welche sich der Irrtum zur Wahrheit schleicht.


    Und darum besteht Gott darauf, dass alle Schlangen kriechen. Das wird auch immer so bleiben, auch wenn die Schlange uns wieder verführen mag, mit der Behauptung, die Weisheit selbst zu sein. Aber Weisheit ist nur weise, wenn sie mit Wahrheit sich paart. Und wahr ist eben nur Gott selbst. Wahrheit geht nicht ohne Wissen und umgekehrt und da Gott die Wahrheit ist, wie kann die Schlange dann die Weisheit sein?!


    :-)

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