Unwissenheit,Tugend und Leidenschaft




Unwissenheit, Tugend und Leidenschaft sind nach Vers 27 des Kapitels 2 der Bhagavad-Gita die Erscheinungsweisen der materiellen Natur nach denen wir handeln. Krsna rät uns, diese dualen Ursächlichkeiten zu durchdringen und uns darüber zu erheben.


Unsere Unwissenheit ist der Grund unserer Zerstrittenheit, angefangen von Diskussionen bis hin zum Krieg. Leidenschaften sind die Folge in uns verwurzelter Begierden. Mit der Tugend versuchen wir unsere Unvermögen gesellschaftsfähig zu machen. Die Eindrücke aus unserem sozialen Umfeld filtern wir durch unseren Charakter und unser Gewissen aus. Unsere Emotionen kleiden diese Ideen in die zu ihrer Durchsetzung erforderliche Willenskraft. Wiederholen sich Eindrücke, so drängen sich uns wiederkehrende Verhaltensweisen auf. Auf diese Weise kann unsere Lebenskraft manipuliert, konditioniert und gelebt werden.


Aus dieser Stimulation kann ausbrechen, wer sich in der materiellen Welt seiner Spiritualität zuwendet. Spirituelle Eindrücke erwecken keine sinnliche Begierde oder Abstoßung. Wir sind über die eigene Spiritualität jedoch unwissend. Von Geburt an wurde sie in materielle Eindrücken ertränkt. Sie macht sich jedoch ständig als innere Unruhe bemerkbar. Die daraus entstehende psychische Not versuchen wir durch anerzogene und vorgeschriebene Tugenden anzunehmen.


Oft muss unser materielles scheinbar sicheres Netz zerreissen, um von den (inneren) Abhängigkeiten frei zu werden. Wer so oder ähnlich die Berührung mit der eigenen Spiritualität erfährt, dem kann dann die bisherige Unwissenheit wie Schuppen von den Augen fallen. Hinter seiner bisherigen Selbstbehauptung stößt er auf tieferen Lebensgrund. Er erkennt, dass er mit seiner alten Lebenshaltung nicht in diese Stille eintauchen kann. Die Hitze seiner Begierden und die Kälte seiner Ängste würden die zarten neuen Empfindungen wieder verbrennen. Entsprechend ändert er sein bisheriges Leben und macht die alten Pfade neu. Aus der erstmaligen Berührung mit der Spiritualität wird eine Verbindung, aus der er lebt. In seiner neuen Lebenshaltung besinnt er sich auf sein innerstes Tribunal. Tugenden und Gebote wird er weiterhin einhalten, um nicht die Notordnung der spirituell Unwissenden zu stören. Er lebt spirituell bewegt und materiell lautlos.


Meint kohlchen