Bewusst oder unwissend sündigen


In den Versen 43 – 46 des Kapitels 1 der Bhagavad-Gita werden zwei Arten von Sünden gegenüber Krsna beschrieben.


In den Versen 43 u. 44 wird das Zerstören von Familienbräuchen und –traditionen als schwere Sünde bezeichnet. In Zeiten, wo es noch keinen Buchdruck gab, wurden für geistige Lehrsätze symbolische Worte und Rituale verwendet. Durch ihr wiederholte Hören und Sehen konnten die Menschen ihren Sinn erfassen, zu Einsicht kommen und entsprechend reagieren. Wer diese Bräuche zerstört, trennt den Menschen vom Zugang zum Licht Krsnas. So kann Sünde allgemein als Widerstand auf dem Weg zu Krsna bezeichnet werden.


Die Verse 45 u. 46 besagen, dass der fromme Arjuna, den Auftrag Krsnas seine Brüder zu töten, nicht ausführen kann. Diese Sünde führt jedoch zu anderen Konsequenzen. Es kommt hierbei nicht zur Abkehr von Krsna sondern vielmehr zur Läuterung des Arjuna. Ein frommer Mensch steht auf dem Weg zu Krsna oft vor Hindernissen, die er aus eigener Kraft nicht überwinden kann. Auch handelt er oft falsch, weil er es aus eigener Kraft nicht unterlassen kann. In solchen Situationen verhält der Mensch sich logischerweise sündhaft. Er hat aber die Möglichkeit, sein Tun oder Nichttun dabei bewusst zu beobachten. Lenkt der fromme Mensch so sein Bewusstsein in seiner Zwangslage, so öffnet er sich der Hilfe Krsnas. Je nach der Fähigkeit seiner Hinwendung wird er dabei die Reue seines Tuns und den Trost sowie die Liebe Krsnas erfahren. In diesem Fall dient die Sünde der eigenen Erkenntnis und Erkenntnis.


In beiden beschriebenen Fällen, dem Zerstören der Verbindung zu Krsna und dem falschen Reagieren auf das Licht, entscheidet das Bewusstsein über die Folgen der Tat. Sünden in Unwissenheit häufen Karma an und erschweren später die Erkenntnis. Sündenbewusstes Verhalten zieht entweder den spirituellen Aufstieg oder den Fall nach sich.


Meint kohle

(Ende des 1. Kapitels der Bhagavad-Gita)