Mitleid
Vers 1 des Kapitels 2 der Bhagavad-Gita erläutert, dass materielles Mitleid, Klagen und Tränen von der Unkenntnis unseres wirklichen Selbstes herrühren. Mitleid mit der ewigen Seele in uns hingegen führt zur Selbsterkenntnis.
Es ist unser ewiges Selbst, die ewige Seele in uns, die ständig nach Befreiung schreit. Wir sind nur die Träger dieses drängenden göttliche Prinzips, wir sind seine Hülle, sein Werkzeug. Wir sind vergänglich, nur diese drängende Seele war und ist ewig. Nur in ihr können wir krshna-bewusst werden. Krsna-Bewusstsein führt uns aus der Vergänglichkeit in die Unvergänglichkeit. Zu diesem Lebensgang drängt uns die Seele. Sie ist das wirkliche Selbst, dass uns zur Selbstverwirklichung führt, nämlich zu ihrer Befreiung aus den mag(net)ischen Zwängen unseres Universums.
Was wir als Selbst-Bewusstsein wähnen ist Selbstbehauptung mit allen Raffinessen unserer karmischen, anerzogenen und aktuellen Erfahrung. So bleibt auch unser Mitleid und unsere Tränen für andere eine Selbstbetrauerung. Wir bemitleiden Menschen aufgrund von Schicksalsschlägen, die ihre Gefühle, Gesundheit oder ihren Besitz beeinträchtigen. Erinnerungen an eigenen Schmerz in diesem oder anderer Leben entzünden dann auch in uns Leid. Wir leiden im Grunde genommen mit uns, nicht mit jemand anderem.
Ein anderes Leiden, also Mitleid ist uns im Lebenszustand unseres weltlich-natürlichen Bewusstseins auch gar nicht möglich. Denn unsere eigenen inneren Reaktionen auf das Leid Anderer können wir aus eigener Kraft nicht abstellen. Auch der Gottgeweihte Arjuna war dazu nicht in der Lage, als er von Mitleid überwältigt, seine Brüder auf Krsnas Befehl hin nicht töten KONNTE.
Es gibt auch ein anderes Mitleid. Es ist das Mitleid mit der Seele anderer Menschen, die verzweifelt versucht, sich aus dem Kostüm der Selbstbehauptung zu befreien. Hier kann nur jener Mensch mitleiden, der vom weltlichen Leid nicht mehr konditioniert ( im Klartext: manipuliert) wird. Ein schier unmögliches Unterfangen, auf Leid nicht mehr zu reagieren. Wohlgemerkt, es geht um Leid, nicht um körperlichen Schmerz. Zu seelischem Mitleid gelangt nur, wer seine eigene weltliche Entsprechung zum Leid durchlitten hat. Dieser Weg ist nur in der Gnade und mit dem Trost Krsnas zu ertragen. Es kann auch anders ausgedrückt werden:
Der Liebesstrom Krsnas löscht jedes Feuer des Leids, solange sein(e) JüngerIn auf ihn ausgerichtet ist. Nachlassende Ausrichtung, abschweifendes Denken und unrichtiges Handeln führen jedoch aus diesem Heilszustand heraus. Deshalb ist der Weg zu Krsna mit Straucheln, Fallen und Wiederaufstehen verbunden. In der Lichtkraft Krsnas und seiner Geweihten ist dieser Pfad jedoch so geebnet, dass er zu einem guten Ende führen kann.
Ein Mensch, dessen Karma so bis ins tiefste Leid gelöscht ist, hat den Schleier der Selbstbehauptung abgelegt. Als Seelenmensch sieht er auch durch den Schleier seiner Mitmenschen hindurch. Er sieht aus der eigenen Seele heraus den Seelenzustand seines Mitmenschen. Und er kann gar nicht anders, an diese Seele die liebende Flamme seiner eigenen Seele weiterzureichen. Diese Seelenliebe von Gottgeweihten ist es, welche die Qualität einer Gemeinde oder eines einzelnen Helfers ausmacht. Nur ein Mensch mit dieser Liebe kann seinen Nächsten lieben wie sich selbst und Krsna über alles. Der letzte Satz ist an die Bibel angelehnt.
So kann sich Selbst-Mitleid zu Mietleid mit dem Nächsten werden. Leid wandelt sich so zur Liebe, die den menschlichen Verstand übersteigt.
Meint kohlchen



LinkBack URL
About LinkBacks


Lesezeichen