All-Intelligenz.
„Im Anfang war das Wort", so beginnt der Prolog des Johannes-Evangeliums. Dieses Wort
füllte die ursprüngliche Vernunft des Menschen mit Einsicht. Die naheliegende Frage, wie
dieses Wort denn heiße, beantwortet ein Lyriker sinngemäß so:
„ Würden die Bäume der Erde schreiben können,
und wären ihre Äste Arme, ihre Zweige Finger und ihre Blätter Schreibfedern
und wären alle Flüsse dieser Erde mit Tinte gefüllt
und würden die geschriebenen Bücher sich zu Bergen türmen,
so könnte alles Wissen darin doch nicht das Wort vom Anfang erklären"
Denn dieses ursprüngliche Wort ist keine aus Buchstaben zusammengesetzte Vokabel, die es
zu suchen gilt. Dieses Wort ist viel zu fein geschrieben, als dass mein Verstand es festhalten
und formulieren könnte. Doch es lässt mich erahnen, was längst vergessen ist - nämlich
eine Vernunft, die weit über das Vorteilsdenken hinausgeht. Diese Vernunft kann nicht von
den Sinnen her stimuliert werden, sondern sie muss in der unergründlichen Tiefe meines
Herzens keimen, aus dem Anfang unseres Seins.
Die mit den Sinnen geformten unzähligen Wörter und Gedanken sind Ausdruck meiner
umfassenden Suche nach Antwort und Erkenntnis. So systematisch und wissenschaftlich ich
auch forsche, stets verzweigt sich mein Wortschatz in weitere Namen für neu entdeckte
unbekannte Objekte.
Innerlich spüren ich, dass die eine Antwort auf all meinee Fragen hinter diesen Namen und
Formen liegt. Doch meine Gedanken haften an den vielen Namen und Formen ihrer Objekte
fest. Erst wenn es mir gelingt, diese gedanklichen Hüllen loszulassen, dringen ich zu der
Gemeinsamkeit der vielfachen Vorstellungen vor. Dann verlieren die vielen Objekte mit ihren
Assoziationen und auch mein eigener Standpunkt die Bedeutung, die ich ihnen
zuweise. Damit lösen sich dann langsam die Schleier, welche das Wort vom Anfang
verdecken.
So wie ich heute weiß, dass der gemeinsame Baustoff der Wälder Holz ist, so erfahre ich
dann in mir selbst, dass aus jedem Atom, jeder Zelle und jeder Struktur der gleiche Geist das
Leben hervorbringt. Werde ich so des Schöpfergeistes in mir gewahr, kann ich ihn
auch überall außerhalb von mir wiedererkennen. Über Franz von Assissi wird berichtet, dass
er die Sprache der Tiere verstand. So etwas ist nicht mit meiner ich-zentralen Intelligenz
möglich, die isoliert über die Sinnesorgane und das Gedächtnis wahrnimmt. Im Gegenteil,
dieses ich-zentrale Denken muss zurücktreten, damit mir die Intelligenz der ganzen
Schöpfung, von der ich ein Teil bin, klarer wird. Wenn ich wieder an der Einheit dieser All-Intelligenz teilhabe, kann ich hinter die vielfältigen Formen und Vorstellungen schauen. Meine Sinn-Suche kommt dann zur Ruhe und meine Entdeckungsreisen zu immer neuen Objekten haben dann ein Ende. Objekte und Begegnungen fallen mir dann auf einer Ebene zu, die mir wieder vertraut ist. Es ist jene Bewusstseinsebene, auf der sich die All-Intelligenz in jedem Wesen gegenseitig erkennt. Der ursprüngliche Mensch war sich dieser All-Intelligenz bewusst und lebte vernunftmäßig daraus in Harmonie und in Einheit mit der Schöpfung. Erst als er sich in Ich-Zentralität von dieser Gemeinschaft trennte, verlor er seinen Bezug zum Gesamten und verzettelte sich in Kleinkrämerei.
Zur Abwendung von der Vielfalt und Hinwendung zur Einheit fordert uns auch Jesus in
seinem Gleichnis vom reichen Jüngling auf, in dem es heißt:" Verkaufe ALLES, was Du hast,
und gib's den Armen, so wirst du EINEN Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir
nach." Die letzten Worte dieses Bibelzitats lauten:" ...und komm und folge mir nach". Damit
wird der Weg aufgezeichnet, auf dem diese Umkehr allein geschehen kann. nämlich im
Bewusstssein des Christus in mir.
An der Wiederherstellung dieses Bewusstseinszustandes arbeite ich.
kohlchen



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