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Thema: Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer

  1. #1
    Raven
    Gast

    Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer

    da es hier anscheinend ein Bedürfnis gibt, die Schlangenkraft näher zu erfahren, möchte ich einen thread aufmachen, der das Thema "Schlange" beleuchtet

    als Heilkraft
    als Kundalini
    als Göttin
    als Dämon

    auf physischer Ebene:
    z.B.

    Schlangenstein

    dazu gibt es Literatur bei Christian Rätsch "Die Steine der Schamanen"

    im web gefunden:

    Delphi: Schlangenkraft und Transformation

    Natura Naturans - Veröffentlichungen Olaf Rippe: Der Weg der Bestimmung - Visionssuche am Nabel der Welt
    natura-naturans.de/artikel/delphi.htm (davorsetzen http www)
    Der Weg der Bestimmung - Visionssuche am Nabel der Welt

    von Olaf Rippe

    erschienen in "Hagia Chora", Zeitschrift für Geomantie 9/2001


    "Auch die Örter besitzen wunderbare Kräfte
    entweder von den an ihnen befindlichen Dingen
    oder von den Einflüssen der Gestirne ..."

    (Agrippa von Nettesheim)
    Erholungsgebiete, Bade- oder Luftkurorte sind moderne Namen für Landschaften mit heilenden Kräften. Es gibt aber auch Orte, an denen wir die Webmuster der Schicksalsfäden erkennen können. An solchen Plätzen existiert eine besondere kosmische Kraft, die einen Kontakt zu höheren Mächten ermöglicht - dies sind die Mysterienstätten der Menschheit. Ein solcher Ort ist Delphi.
    Zwiegespräch mit den Göttern


    Amphitheater und Apollontempel in Delphi
    Erkenne dich selbst! Diese Worte standen einst auf dem Eingangstor zur Tempelstätte in Delphi. Dies ist keinesfalls Geschichte, denn die berühmteste Orakelstätte der antiken Welt ist ein Ort der Erkenntnis. Damit ist Delphi auch ein Ort der Heilung, da Erkenntnis und Heilung untrennbar miteinander verbunden sind. Paracelsus bemerkte hierzu: "Der Mensch ist nur darum aus den äußeren Kreaturen geschaffen, dass er infolge seiner Leiden sich selbst betrachte und erkenne, woraus er gemacht ist."
    Krankheit ist laut Paracelsus der Schlüssel zur wahren Natur des Menschen. Nur der kranke Mensch kann geheilt, und nur der geheilte Mensch kann geheiligt werden. Heilung ist eine Einweihung in die Geheimnisse unserer kosmischen Natur und ihrer materiellen Gebundenheit, die der Ursprung unserer Krankheiten ist.
    Ähnliches beschreibt der erste Lehrsatz des Hermes Trismegistos: "In Wahrheit, gewiss und ohne Zweifel: das Untere ist gleich dem Oberen und das Obere gleich dem Unteren, zu wirken die Wunder des Einen." Dieses Eine ist in Wahrheit eine Trinität. Sie besteht aus Unendlichkeit und Leere, die zusammen das Licht gebären. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Der dunkle Gegenpol ist stoffgewordenes Licht, man könnte ihn auch als grobstoffliche Schwingung bezeichnen. Ebenfalls grobstofflich ist die Krankheit, die durch Heilungsprozesse wieder in eine feinstoffliche Schwingung verwandelt wird. Diesen Weg des Heilens, der ein Weg der Liebe und des Wissens ist, kann man mit einer alchimistischen Transmutation vergleichen, die stumpfes Blei in strahlendes Gold verwandelt. Aus astrologischer Sicht ist es der Weg aus der saturnalen Gebundenheit des Geistes zum Licht der Sonne.

    Der Apollontempel und der Felsen Pythias, von wo sie ihre Weissagungen offenbarte
    Saturn, den man auch den "Hüter der Schwelle" nennt, ist das an die Materie gebundene Licht der Bewusstheit. Als Herr über Krankheiten und schicksalhafte Prüfungen verkörpert er in der Astrologie aber auch die Suche nach Weisheit und die Berufung. Die Sonne entspricht der kosmischen Wesenshälfte des Menschen. Die andere Hälfte ist dagegen vom Mond geprägt und ist mit unserer stofflichen Natur verbunden. Mit dem Mond identisch ist "Gaia" oder "Magna mater", die große Erdenmutter, von der sich die Worte Materie und Matrix ableiten. Sie herrscht über Leben und Tod. Mond und Saturn zeigen also einige Gemeinsamkeiten, aber auch Sonne und Mond sind wie siamesische Zwillinge. In der griechischen Mythologie sind dies der Sonnengott Apollon und seine erstgeborene(!) Zwillingsschwester, die Mondgöttin Artemis. Sie hat zahlreiche Ähnlichkeiten mit der Erdenmutter, beispielsweise verehrte man beide als "göttliche Hebamme" und "Hüterin der Früchte der Erde".
    Als Spiegelbild der göttlichen Trinität, besteht die spirituelle Natur des Menschen also aus "drei Lichtern". Doch was hat dies alles mit Delphi zu tun?
    Ob man in Delphi dieses oder jenes Bauwerk bewundern kann, ist eigentlich völlig nebensächlich. Die Tempelruinen und das Museum, die täglich Heerscharen moderner Pilger anlocken, sind gewiss das am wenigsten Spektakuläre, was Delphi zu bieten hat. Wirklich bedeutend ist, dass dort eine Begegnung mit den höheren Mächten möglich ist.
    Um den Weg der Heilung aus der Dunkelheit zum Licht zu gehen, sollte man den Willen der Götter kennen und eine Harmonie mit den eigenen Vorstellungen anstreben. Was liegt also näher, als sich an eine Orakelstätte zu begeben und das Zwiegespräch mit den Göttern zu suchen. Ihr weiser Rat ist eine Hilfe, um auf dem Weg der Bestimmung nicht die Orientierung zu verlieren.
    Delphi besteht außerdem aus drei Kraftzentren, analog der göttlichen Trinität und der spirituellen Natur des Menschen; diese sind die "kastalische Quelle" mit ihrer lunaren Qualität, die "korykische Grotte" oder "Höhle des Pan", die man dem Saturn unterstellt, sowie ein Höhenheiligtum der Sonne.
    Nur selten sind die drei kosmischen Grundprinzipien in der Natur in unmittelbarer Nähe anzutreffen und noch dazu in einer solchen Intensität. Dies ist einzigartig und macht aus Delphi eine Einweihungsstätte in die geheimen Beziehungen von Kosmos und Natur. Nicht ohne Grund nannte man diesen Ort früher den "Nabel der Welt". Schlangenkraft und Transformation


    Die Höhle Pythons unterhalb von Delphi
    Als Symbol der ekstatischen Vereinigung der männlichen Himmels- mit den weiblichen Erdkräften verehrte man im Apollotempel früher einen Stein, den "Omphalos", der die Erdenmutter Gaia befruchtet. Das Heiligtum Gaias, die "Vulva", befindet sich allerdings nicht in der Tempelanlage, sondern etwas abseits in einer Felsspalte. Dort ist auch die "kastalische Quelle".
    In direkter Nähe, unterhalb des Tempels der Göttin Athene, befindet sich der Eingang zu einer Kulthöhle. Sie ist sehr schwer im dichten Gestrüpp zu finden, selten auf einer Karte verzeichnet und daher nur Wenigen bekannt. Es heißt, dass der Sonnengott Apollon, als er die Herrschaft über Delphi beanspruchte, hier seinen Zweikampf mit der Schlange "Python" bestehen musste.
    Die Schlange ist das Symboltier der Erdenmutter und Wächterin des Orakels. Sie symbolisiert aber auch die ungezähmte Kraft der Sexualität, die Leidenschaften und die materielle Gebundenheit des Geistes. Apollons Kampf könnte man damit als notwendige Selbstüberwindung begreifen. Apollon hätte demnach mit sich selbst gerungen, und der Sieg über die Schlangenkraft machte seinen Geist frei für seine Berufung als Gott der Prophetie.
    Interessant ist, dass Apollon nicht von Geburt an prophetische Gaben besaß. Diese musste er erst vom Ziegengott Pan lernen. Dem bocksbeinigen und gehörnten Pan baute man aber niemals Tempel. Seine Kultstätten sind Quellen, Bergwälder und Höhlen, eben Naturtempel wie man sie in Delphi noch heute findet.
    Man stellt sich Pan gewöhnlich als Nymphen jagenden Lüstling vor, Apollon dagegen als eine intellektuelle Gottheit, die sich gerne mit schönen Musen umgibt. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass der Omphalos eher mit Pan identisch ist, den man häufig mit einer ungeheuren Erektion darstellte.
    Auch Dionysos, der vieles mit Pan gemeinsam hat, spielte in Delphi eine wichtige Rolle. Apollon herrschte nur in der lichten Jahreshälfte über das Orakel. Im Winter übernahm Dionysos, der Gott des Rausches und der Ekstase, die Vorherrschaft.
    Wie seine indogermanischen Verwandten Shiva und Odin, ist Dionysos ein Schamanengott, ein Wanderer zwischen den Welten, dem Oben und dem Unten. Um der Gottheit zu begegnen und damit sich selbst, muss auch der Suchende die Grenze zur Anderswelt durchschreiten. Dabei stirbt seine irdische Natur, um auf kosmischer Ebene eine Wiedergeburt zu erleben. Man wird also wie Dionysos zweimal geboren.
    Die orgiastischen Rituale, mit denen man Dionysos huldigte, fanden wahrscheinlich in Delphi zur Wintersonnenwende auf dem Höhenheiligtum statt, von dem gleich noch die Rede sein wird. Wenn die Sonne in das Sternzeichen Steinbock eintritt, das vom Saturn beherrscht wird, findet aber nicht nur die Geburt des Lichts statt, sondern auch die geistige Wiedergeburt des Menschen.
    In antiker Zeit nannte man das Winterzeichen, in dem der "Hüter der Schwelle" herrscht, allerdings Ziegenfisch und nicht Steinbock. Hierzu muss man wissen, dass die olympischen Götter nach ihrem Sieg über die Titanen - unter ihnen Kronos/Saturn - diese im Tartaros einsperrten. Um sich zu rächen, vermählte sich Gaia, die Mutter der Titanen, daraufhin mit Tartaros und brachte in einer Höhle die Riesenschlange Typhon zur Welt; der Bezug zur Python in Delphi ist offensichtlich, manche Geschichtsforscher gehen sogar davon aus, dass der Geburtsort Typhons die "korykische Grotte" war. Das Ungeheuer verfolgte die Gefährten des Zeus ohne Gnade, bis es schließlich nach langen Kämpfen von Zeus in einen Vulkan verwandelt wurde.
    Es heißt, dass Pan aus Angst vor Typhon in einen Bach sprang. Obwohl seine Hörner aus dem Wasser ragten, konnte die Schlange ihn nicht erkennen, weil sich sein Unterleib in einen Fisch verwandelt hatte. Das listige Versteckspiel imponierte Zeus so sehr, dass er die Sterne am Firmament neu ordnete und Pan zu Ehren ein Sternzeichen erschuf.
    Die Gefährten der Erdenmutter, der "Hüter der Schwelle", der sexhungrige Pan und der berauschte Dionysos, sind also nur verschiedene Namen für den dunklen Gegenpol zur Sonnennatur Apollons. Im Prinzip sind sie aber miteinander identisch und ein Ausdruck für die menschliche Zerrissenheit, bzw. Freiheit, dem Weg der Lust oder dem der Vernunft zu folgen. Nur die Selbsterkenntnis, die Lust in Liebe und Vernunft in Wissen verwandelt, kann diesen Zwiespalt überwinden. Die Quelle des Lebens


    Die kastalische Quelle
    Delphi ist in erster Linie ein Quellheiligtum und eine Stätte der Einweihung in das Mysterium der Erdenmutter. Daran hat auch die kurze Herrschaft des Sonnengottes, die etwa tausend Jahre andauerte, nichts ändern können.
    Für einen Besuch der "kastalischen Quelle" ist der Sonnenuntergang die beste Zeit. Touristen sind dann nur noch selten zu sehen, und es senkt sich eine geheimnisvolle Stille über das Heiligtum. Wenn man nachts den Ruf des Käuzchens, den Gesang der Nachtigall und das ferne Läuten der Ziegenglocken vernehmen kann, bekommt man am besten einen Eindruck von der Erhabenheit dieser Stätte. Scheint dann auch noch der Mond auf die Quelle, kann es durchaus passieren, dass man aus den sanften Echos an den Felswänden den ätherischen Gesang der Göttin heraushört.
    Bevor Apollon durch sie sprechen konnte, musste sich die Orakelpriesterin "Pythia" an der Quelle einer rituellen Waschung unterziehen. Das Bad diente vor allem der Reinigung des Astralkörpers von groben Schwingungen. Ein Trank aus der heiligen Quelle stärkte nicht nur ihre Vitalkräfte, sondern vor allem ihre Seherkraft, damit sie die Visionen ihrer innerer Welten besser wahrnehmen konnte.
    Nachts soll sie auf einem Lager aus Lorbeerblättern geruht haben. Sie trug auch einen Lorbeerkranz, kaute die würzigen Blätter und atmete den Rauch während des Rituals ein. Obwohl man den heiligen Baum Apollons "Mantikos", das Hellsehkraut, nannte, kann er nicht für die Visionen Pythias verantwortlich gewesen sein. Hierzu ist sein Geist bewegendes Potenzial viel zu schwach. Christian Rätsch beschreibt in seinem Buch "Von den Wurzeln der Kultur" allerdings eine Mischung aus Lorbeer mit Bilsenkraut, die sehr wohl visionäre Trancezustände auslösen kann, wie sie von Plutarch, einem römischen Schriftsteller und Hohepriester in Delphi, überliefert sind.
    Während Lorbeer, den man der Sonne zuordnet, eine sehr lichte Ausstrahlung hat, ist das Bilsenkraut, das man in der Antike auch "Apollinaris" nannte und dem Saturn zuordnet, eine Pflanze der Nacht und der Unterwelt. Herakles soll es bei seiner Prüfung im Hades am Eingang gefunden haben.
    In der entsprechenden Dosierung wirkt Bilsenkraut narkotisch und aphrodisierend, erst größere Mengen erzeugen intensive Trancezustände. Damit man die dionysischen Visionen besser verarbeiten kann, ist eine Mischung mit Pflanzen der Sonne wie dem Lorbeer unbedingt erforderlich. Da beide Pflanzen in der Umgebung Delphis häufig vorkommen, kann man jederzeit die alten Rituale lebendig werden lassen.

    Bilsenkraut (hier Hyoscyamus albus), die Pflanze der prophetischen Ekstase
    Die dionysische Besessenheit der Pythia könnte auch durch halluzinogen wirkende Pilze ausgelöst worden sein, schließlich erinnert der Omphalos am ehesten an einen Pilzhut.
    Neuere Untersuchungen von amerikanischen Geologen konnten allerdings belegen, dass es unter dem Apollotempel eine Erdverwerfung mit Hohlräumen gibt. Man vermutet, dass dort früher Gase durch einen Erdspalt austraten. Der süßliche "Atem des Drachens" aus der Ede wurde bereits von Plutarch erwähnt. Untersuchungen ergaben, dass das Wasser der kastalischen Quelle Methan und Spuren von Ethylen enthält. Letzteres riecht süßlich und stimuliert das zentrale Nervensystem. Man verwendete es früher als Narkosemittel. Höhere Konzentrationen sind tödlich, kleine Dosen wirken dagegen berauschend und euphorisierend. Man ist sich heute sicher, dass auch aus dem Erdspalt Ethylen austrat, bevor der Spalt durch ein Erdbeben für immer verschlossen wurde (deutsche.nature.com / "Das Orakel von Delphi enthüllt" von Philip Ball; 2001).
    Quellen sind aber an sich schon Orte der Meditation und eidetisch Veranlagte können weitgehend auf solche Hilfsmittel verzichten. Die lunaren Kräfte einer Quelle fördern imaginative Fähigkeiten und bewirken einen inneren Frieden, damit eine Selbstbetrachtung möglichst tiefe Seelenschichten erreicht.
    Jeder, ob Mann oder Frau, reich oder arm, konnte sich früher an diesen Platz begeben, um die Stimme der Göttin zu vernehmen, und zwar ohne Vermittlung durch andere Personen. In der Regierungszeit Apollons bestimmten allerdings Priester, wer das Orakel befragen durfte und wann, vor allem musste man nun wertvolle Opfergaben mitbringen. Es dauerte nicht lange und das Orakel verwandelte sich in eine politisch motivierte Veranstaltung, die vor allem den herrschenden Interessen entgegen kam. Damit ging nicht nur die Volksfrömmigkeit vergangener Zeiten verloren - es war der Anfang vom Ende. Später plünderten Christen Delphi und verwandelten diesen unvergleichlichen Ort in eine Ruine, den Rest besorgten Erdbeben.
    Ein offizielles Orakel existiert schon lange nicht mehr, doch die ursprüngliche Kraft ging nicht verloren. Das Meer ist immer noch dasselbe und auch die Berge leuchten immer noch im Sonnenlicht wie seit Jahrtausenden. Wie in uralten Zeiten kann der Suchende daher das Orakel wieder ohne Priester befragen. Die Höhle des Pan


    Das Hochtal von Delphi
    Hinter dem antiken Sportstadion kann man noch Reste eines Prozessionsweges entdecken, der zu einer Hochebene oberhalb der heiligen Quelle führt. Die Wanderung führt über Bergwiesen und durch herrlich duftende Tannen- und Zypressenwälder bis auf ca. 1700 Meter Höhe. Auch wenn man Tanne und Zypresse wegen ihrer düsteren Gestalt astrologisch dem Saturn zuordnet, hat die Landschaft nichts Beklemmendes an sich. Die Weite der Täler und die venusischen Rundungen der Berge sind eher einladend und man glaubt, überall hin laufen zu können, ohne größere Anstrengung und ohne konkretes Ziel. Kommt man im Frühling nach Delphi, kann man außerdem eine bezaubernde Blütenpracht bewundern, die ihresgleichen sucht. Man fühlt sich wie in einem Märchenwald. Knorrige Baumgestalten erinnern an verwunschene Fabelwesen mit Hörnern, Flügeln und Drachenschuppen, während Orchideen und Affodill wie lichte Elfenwesen erscheinen.
    Der Ziegengott Pan

    Eingang zur korykischen Grotte

    Opferaltar zu Ehren Pans und seiner Nymphen


    Halle der steinernen Götter


    Götterversammlung und das Tor zur Unterwelt

    Es ist still in den Bergen, nur das fröhliche Gezwitscher der Vögel und die leisen Klänge der Glocken von Ziegen und Schafen, die in großen Herden über die Hochebene ziehen, begleiten den Wanderer. Nicht selten verhüllen Wolken die Berge mit einem geheimnisvollen Nebelmantel. Spätestens dann weiß man, dass man das Reich des Ziegengottes betreten hat.
    Oberhalb der Hochebene befindet sich die "korykische Grotte"; archäologische Funde konnten belegen, dass schon der Neandertaler diese Höhle kultisch genutzt hat. Am Eingang steht ein Opferaltar mit einer Inschrift, die besagt, dass diese Höhle Pan und seinen Nymphen geweiht ist.
    Nachdem man seine Opfergaben dort abgelegt hat, geht man nicht in eine gewöhnliche Höhle, sondern direkt in den Schoß der Erdenmutter. Man kommt in einen riesigen Felsendom, der einen ehrfürchtig staunen lässt. Das Sonnenlicht reflektiert sich an den hellen Felswänden am Eingang und beleuchtet im Inneren eine fantastische Szenerie. Aus jedem Stein blickt einem ein anderes Göttergesicht entgegen. Man bewegt sich leise in der Höhle, denn jedes Geräusch könnte die steinernen Riesen zum Leben erwecken.
    Ein düsterer Schlund am Ende der ersten Halle bildet den Zugang zu zahlreichen weiteren Räumen und keiner hat bisher das Ende der Höhle erkunden können. Schon zu Zeiten Homers glaubte man, dass es vielleicht einen Zugang zum Quellheiligtum gibt, beweisen konnte dies aber bisher niemand.
    Immer wieder verirren sich einzelne Besucher hierher, doch meist ist man mit sich und den Göttern allein, abgesehen von unzähligen Fledermäusen und einem Eulenpaar.
    Es heißt, dass derjenige, der eine Nacht bei Pan verbringt, sein Flötenspiel hört, doch man stellt bald fest, das der Gott auch Harfe spielt und trommelt. Eine Übernachtung bei Vollmond ist besonders beeindruckend. Es ist ein unbeschreibliches Schauspiel, wenn das Mondlicht die Berge bescheint, die Sterne über einem funkeln und man noch hundert Kilometer entfernt die Lichter der Küstenstädte erkennen kann.
    In der Höhle befinden sich zahlreiche Stalagmiten, die man als Altar für eine Räucherung nutzen kann. Eine Mischung aus Bilsenkraut, Lorbeer, Tannenharz und Zypressennadeln, erfreut nicht nur die Götter, sondern bringt auch den Suchenden in die entsprechende Stimmung, um von Pan zu lernen.
    Die "korykische Grotte" ist eine Einweihungs- und Orakelhöhle, also ein Ort der Visionssuche, an der man die kosmische Kraft Saturns erfährt. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen wurden Höhlen zur Initiation genutzt, um die Grenzen der bekannten Welt, die Saturn bewacht, zu überschreiten. Saturn ist der Hüter der Weisheit und der Meister des Schicksals. Wer seine Macht begreift, der bekommt eine Antwort auf die Frage nach der Bestimmung. Der Berg des Lichts


    Altar auf dem Höhenheiligtum


    Höhenheiligtum mit Altar

    Blickt man vom Höhleneingang nach Westen, sieht man wenige Kilometer entfernt eine Bergkette, auf deren höchstem Punkt sich der dritte magische Ort befindet, das Höhenheiligtum. Erst vor ca. 30 Jahren entdeckten Archäologen diesen Kraftplatz der Sonne. Man wusste zwar, dass es einen solchen Ort geben musste, den genauen Standort kannten für Jahrhunderte aber nur Ziegenhirten. Einheimische meiden den Ort, weil sie glauben, dass dort Geister ihr Unwesen treiben.
    Wer den Gipfel erreicht, dem verschlägt es im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache, denn dies ist ein Ort des Schweigens. Hier oben ist man den Göttern besonders nah, und jedes Wort wird überflüssig. Eine leuchtende Aura umgibt den Berg. Der Blick auf das tief unten liegende Meer ist atemberaubend. Die Atmosphäre ist spannungsgeladen wie kurz vor einem Gewitter. Glücksgefühle kommen auf und man glaubt zu fliegen. Aber auch eine schmerzliche Sehnsucht nach Erlösung erfüllt das Herz.
    Die Mistel ist eine Zeigerpflanze für Tore in die Anderswelt

    Baumgeist auf dem Höhenheiligtum (Zypresse)

    Blick vom Bergheiligtum


    Blick vom Höhenheiligtum

    Bartflechten hängen an Tannen und Zypressen und verwandeln sie in bärtige Riesen. Es gibt nur wenige Bäume, die nicht spiralig gedreht sind, manche bilden sogar unentwirrbare Knoten. Auf jeder Tanne befinden sich Misteln. In solchen Massen sind sie Zeigerpflanzen für Orte, an denen die Grenzen zu astralen Sphären besonders durchlässig sind. Die Germanen nannten die Mistel "guidhel", Geleiter in die Anderswelt. Die Fruchtbarkeitsgöttin Persephone und der Held Äneas konnten mit ihrer Hilfe die Pforten des Hades öffnen. Ansonsten ist der Ort auf den ersten Blick eher unauffällig. Nur einige grob behauene Steine, die zu einem Altar zusammengestellt sind, bezeugen, dass es sich um eine Kultstätte handelt. Die Größe des Altars deutet daraufhin, dass man hier Tiere, vielleicht sogar Menschen opferte, genaueres ist allerdings nicht bekannt.
    Ein Opferaltar ist es aber auf jeden Fall und das größte Opfer, das man den Göttern darbringen kann, ist man selbst. Wer sich auf den Altarstein legt und sich den Mächten des Schicksals hingibt, spürt schon nach kurzer Zeit, wie sich die Kräfte von Himmel und Erde im Herzen begegnen. Anders als man vermuten möchte, fühlt man sich dabei nicht verloren, sondern geborgen und als Mittelpunkt eines immensen Kraftfeldes. Es ist wie die Heimkehr nach einer langen Irrfahrt.

  2. #2
    Raven
    Gast

    AW: Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer

    Schlange als Krafttier

    my-event-horizon.de/index.php?act=viewChapter&chapterID=2780

    My Event Horizon - Krafttiere: Schlange

    Schlüsselbegriff: Wiedergeburt, Auferstehung, Einweihung und Weisheit

    Wie kein anderes Tier war die Schlange das Thema langer Kontroversen und Widersprüche. Die religiösen Traditionen streiten darüber, ob sie ein Symbol der höheren oder niederen Welt ist. Manchmal galt sie als Teufel, dann wiederum als Heilerin, jedenfalls hat sie sich mystischen Ruhm erworben.
    Bei den Indianern symbolisierte sie Transformation und Heilung. Schlangenzeremonien sollten lehren, das Schlangengift innerhalb des Körpers nach mehreren Bissen zu transformieren. Wenn das jemand überlebte, konnte er alle anderen physischen oder psychischen Gifte besiegen. Es lag darin die Entscheidung zwischen Tod und Heilung, was oft zu dramatischen Handlungen führte.
    In Mittelamerika wurde die Schlange gefiedert und fliegend dargestellt. Sie symbolisierte den großen Gott und Helden Quetzalcoatl. Sein ist der Mythos des sterbenden Gottes, der einst wiederkehren wird. Er war der Schutzgott der Tolteken, unter dessen Kontrolle Himmel, Sterne und alle Bewegungen des Universums standen.
    Auch in Griechenland symbolisiert die Schlange Alchemie und Heilung. Hermes trug einen Stab, um den sich zwei Schlangen ringelten. Dieser sogenannte Caduceus-Stab ist das Ursymbol der modernen Medizin. Es zeugt von Weisheit, die sich als Heilung manifestiert.
    In Indien galt die Göttin Vinata als Mutter der Schlangen und symbolisierte Wasser und Unterwelt. Außerdem gab es dort Nagas und ihre weiblichen Partnerinnen, die Naginis, Halbgötter, die zu einer Hälfte Kobra, und zur anderen Hälfte als Gottheiten dargestellt wurden. Der Gott Vishnu wird oft im Schlaf der Unendlichkeit – Ananta – abgebildet. Shiva trägt Schlangen um Hals und Handgelenke, die seine Sexualität ausdrücken.
    Die Schlange symbolisierte seit alters her die sexuelle Lebenskraft: Die Kundalini-Schlange liegt zusammengerollt an der Basis der Wirbelsäule. Während wir wachsen und uns entwickeln, wird diese Urenergie entfesselt und steigt am Rückgrat empor. Dies wiederum aktiviert Energiezentren in Körper und Geist und öffnet neue Dimensionen des Bewusstseins, der Gesundheit und Kreativität.
    In der chinesischen Astrologie ist eines der zwölf Jahre nach der Schlange benannt. Menschen, die in diesem Jahr geboren sind, gelten als willensstark, intuitiv und gewinnend. Aber meist müssen sie noch etwas über Verzeihung lernen. Auch in Ägypten war die Schlange Trägerin von mystischen Bedeutungen. Die Uräus-Schlange ist ein Diadem in Schlangenform. Sie erhebt sich vor dem dritten Auge des oder der Trägerin und symbolisierte einen Zustand der Erleuchtung und Einweihung. Sie galt als das „Auge des Horsus“ aber auch des Gottes Ra.
    Weil die Schlange ihre Haut abwirft, war sie immer ein Symbol für Tod und Wiedergeburt. Das Alte wird abgestreift, das Neue kommt zum Vorschein.. Deshalb war die Schlange, auch ein wichtiges Symbol für die alten Alchemisten, die auf symbolische Weise Blei in Gold verwandelten.
    Der Zyklus von Tod und Wiedergeburt wird oft durch den Uroboros dargestellt, jene Schlange die ihren eignen Schwanz verschlingt und damit zum Symbol der Unendlichkeit wird. Bevor die Schlange ihre Haut abstreift, trüben sich ihre Augen, was ihr ein tranceartiges Aussehen verleiht. Mystiker sahen darin ihre Fähigkeit, die Grenze zwischen Leben und Tod nach beiden Seiten hin zu überschreiten. Wenn die Haut dann abgestreift ist, werden die Augen wieder hell, als ob sie die Welt in einem neuen Licht sähen. Deshalb glaubten die alten Alchemisten oft, das Weisheit und neues Wissen zu Tod und Wiedergeburt führten und den Menschen ermöglichen, die Welt aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.
    Auch als Wächterin erscheint die Schlange in den Mythen – ebenso wie der Drache. Sie bewacht Schätze, Quellen und heilige Orte wie etwa den Baum, an dem in der griechischen Argonautensage das goldene Vlies hing.
    Schlangen winden sich schnell dahin. Ihre Haut ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung sehr trocken. Ihr Angrifferfolgt rasch, sie erhebt sich in die Senkrechte und setzt ihren Biss mit großer Treffsicherheit. Schlangenmenschen sollte man besser nicht reizen: Zwar sind sie lange geduldig, aber wenn sie sich einmal entschlossen haben, ist ihr Biss schnell, scharf und Treffsicher. Sie verschlingen ihr Opfer im ganzen oder vergiften es.
    Wenn eine Schlange als Krafttier auftaucht, kommt es in irgendeinem Bereich ihres Lebens zu Tod und Wiedergeburt. Damit ist aber meist kein wirklicher Tod gemeint, sondern ein neuer Übergang in einen neuen Zustand. Stellen Sie sich die folgenden Fragen: Sollten Sie Veränderungen zulassen, tun es aber aus irgendeinem Grund nicht? Versuchen Sie eine Veränderung zu erzwingen? Greifen Sie zu schnell an? Versäumen Sie anzugreifen? Schlangen setzen Ihr Gift nicht nur ein, um ihre Beute zu erlegen, sondern auch zur Verteidigung.
    Das Erscheinen der Schlange kann auch zeigen, das ihre schöpferischen Kräfte erwachen. Die Erweckung der Kundalinikraft hat sowohl physiologische wie auch spirituelle Folgen. Auf der Ebene des Körpers kann sie den Sexualtrieb aktivieren, mehr Energie bringen usw. Spirituell kann sie uns zu größerer Intuition und Vision führen. Prophezeiungen werden genauer.
    Achten Sie darauf, wie Ihnen die Schlange erscheint. Manche sind giftig, die meisten können beißen, manche erwürgen ihr Opfer durch Umschlingung. Achten Sie auf das Schuppenmuster und die geometrischen Formen, die es annimmt. All dies ist symbolisch bedeutsam.
    So bewegt sich die Klapperschlange nur während der kühlen Nachtstunden durch die Gegend. Starke Hitze ist tödlich für sie. Vielleicht ist die Nacht für Sie die günstigere Zeitphase. Ferner windet sich auch seitwärts und verfügt über ein besonderes Sinnesorgan, eine kleinere Grube im Kopf, die auf die Hitze reagiert, die von anderen Lebewesen ausgeht. Auf diese Weise ersäht sie ihre Beute. Symbolisch verweist dies auf gesteigerte Sensibilität für die Aura anderer Menschen. Vertrauen Sie auf die Wahrnehmungen anderer Menschen, auch wenn sie noch so merkwürdig erscheinen.
    Schlangen sind Fleischfresser, die ihre Beute im ganzen verschlingen. Zu diesem Zweck müssen sie ihre Kiefer aushängen. Für Menschen mit der Schlange als Krafttier bedeutet dies, das sie ihrem Gehirn auch große Mengen „Nahrung“ bzw. Informationen zumuten können. Sie sind imstande, das zu schlucken und zu verdauen, was sie aufnehmen.
    Manchmal schreibt man Schlangen auf Grund ihres starren Blickes auch hypnotische Fähigkeiten zu. Das liegt daran, das sie keine Augenlider besitzen. Lernen Sie also, mit ihren Augen tief in das Herz und die Seele anderer Menschen zu blicken – oder in ihr eigenes Herz.
    Schlangen verfügen über einen scharfen Geruchssinn. Eigentlich riechen sie mit der Zunge die deshalb hin –und her wandert. An ihrem Gaumen sitzt ein Sinnesorgan, das die verschiedenen Geruchsstoffe auswertet.
    Der Geruchssinn hat mit höherer Unterscheidungskraft und spirituellem Idealismus zu tun. Menschen mit der Schlange als Krafttier sind meist überaus empfindlich für Düfte und Gerüche und sollten und sollten sich deshalb mit Aromatherapie befassen. Riechen Situationen wirklich richtig?
    Schlangen symbolisieren Verwandlung und Heilung. Sie sind schnell und beweglich, deshalb finden Veränderungen bei Menschen mit der Schlange als Krafttier schnell und deutlich statt. Die Schlange vermittelt uns Neubeginn, Weisheit und Wiedergeburt.

  3. #3
    Raven
    Gast

    AW: Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer

    Alchemie und Uroborus

    http www
    hermetik.ch/eidolon/lexikon/lexikon_a-z/uroboros.htm


    Uroboros

    Eins der ältesten Bildsymbole der Alchemie: Eine sich in den Schwanz beissende Schlange. Sinnbild der Ewigkeit. Als Serpens rnercurii - sich selbst erzeugende und zerstörende Schlange (oder Drache) - Urbild der Materia prima. (Schneider 1962)

    Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Symbol der Unendlichkeit, der Ewigkeit, der Wiedergeburt, einer zyklischen Auffassung der Welt und des Großen Werks. (Gebelein 1991)

    Die Schlange, die sich selbst in den Schwanz beisst, hat keinen Anfang und kein Ende, sie verschlingt und erneuert sich selbst. Leben und Tod, Schöpfung und Untergang sind ein unendlicher kreisförmiger Prozess, aus dem einen entsteht das andere. Die griechische Weisheit, das "Alles im Einen" oder das "Eine in Allem" ist häufig in oder neben die Uroboros-Darstellung geschrieben. Die Alchemisten benutzten das uralte Symbol des Uroboros oder der schwanzverschlingenden Schlange, um diesen Punkt zu verdeutlichen. (Coudert 1992)

    siehe auch Schlange und Drache

  4. #4
    Raven
    Gast

    AW: Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer


    http www
    natura-naturans.de/buch/index.htm

    Schlangen in Mythos und Heilkunst

    von Margret Madejsky

    mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis


    Als Hüterin von Schätzen oder Geheimnissen begegnet uns die Schlange weltweit in Schöpfungsmythen und Legenden. Dem Volksmund zufolge tragen Schlangen den Schlüssel zum Schatz im Maul - dahinter verbirgt sich das uralte Wissen von der Heilkraft des Schlangengifts, das schon in den alten medizinischen Hochkulturen als Lebenselixier galt. Seit Constantin Hering bereichern Polychreste wie Lachesis auch den Arzneischatz der Homöopathie. Kurz: Schlange und Heilkunst sind bis heute untrennbare Begriffe geblieben. Begeben wir uns also auf die Pirsch nach dem sagenumwobenen Symboltier.

    Die Schlange und das Geheimnis des ewigen Lebens


    Die Schlange und das Weltenei
    (Pelasgischer Schöpfungsmythos)

    Im Anbeginn der Welt gab es nur das finstere Urmeer Nun (Chaos), aus dem Eurynome, die Mutter der Welt, nackt hervorging. Zuerst trennte sie das Meer vom Himmel und tanzte einsam auf den Wellen gen Süden. Da erhob sich hinter ihr der Nordwind und die Göttin spürte, daß das Werk der Schöpfung beginnen konnte. Also rieb sie den Wind zwischen ihren Händen und es ward die Riesenschlange Ophion. Eurynome tanzte nun immer wilder, bis sich Ophion, lüstern geworden, um ihre göttlichen Glieder schlang und sich mit ihr paarte. Dann nahm die Göttin die Gestalt einer Taube an, und legte beizeiten das Weltenei. Auf ihr Geheiß wand sich die Schlange siebenmal2 um das Ei und bewachte es, bis es ausgebrütet war. Aus dem Weltenei wurden alle Dinge geboren: die Gestirne des Himmels sowie die Erde mit all ihren Lebewesen und der Sonnengott Re, der die Welt erhellte. Vor langer Zeit sandten die Götter den Menschen einen Boten, der ihnen das Geheimnis der Unsterblichkeit übermitteln sollte. Doch der Bote bekam während seiner Wanderung Durst und wollte sich an einer Quelle erfrischen, die von einer Schlange bewacht wurde. Als das schlaue Tier bemerkte, daß der Mann ein Geheimnis hütete, versprach sie ihm listig, ihn trinken zu lassen, sobald er sich ihr anvertrauen würde. So erfuhr die Schlange, daß sie sich nur häuten muß, um ewig zu leben.
    Die sich häutende Schlange galt im Aberglauben verschiedener Völker als unsterblich, denn man sah in der Häutung die Erneuerung der Lebenskraft. Lonicerus schrieb daher noch: "Wenn sie die Haut will abstreiffen / gehet sie durch ein eng Loch eines Felsen / streicht also ihr Alter ab"1. Eine ähnliche Idee liegt der Darstellung als Ouroboros zu Grunde: Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, verschlingt sich selbst und gebiert sich selbst. Sie stellt den Übergang des Todes in ein neues Leben dar und verkörpert in der Hermetik das Prinzip der Wiedergeburt.
    Längst ist das Geheimnis um die Häutung gelüftet: Anders als beim Menschen, dessen Hautzellen stetig nachwachsen und auch ständig abschuppen, erfährt die Schlangenhaut enorme Wachstumsschübe, die alle Epidermiszellen gleichzeitig erfassen, so daß die Hornschicht schließlich als Ganzes abgestreift werden kann. Dennoch zeigt der Vorgang Signaturkundigen mondhaftes Wirken an und läßt vermuten, daß Schlangenarzneien außergewöhnliche Regenerationskraft übertragen.


    Schlangengift als Lebenselixier

    "Ich will reisen als Gott, wie ein Hirsch, wie ein Hengst, wie eine Schlange, wie ein König stärker als alle." (Gällisches Gedicht)
    Vor mehr als einem Jahrzehnt lernten mein Partner und ich im Sinai einen alten Beduinen namens Scheich Ali kennen. Sprühende Lebensenergie, stete Wachsamkeit und unzählige Lachfalten in einem sonnengegerbten Gesicht sind uns in Erinnerung geblieben wie auch folgende Erzählung: Einmal im Jahr, so verriet uns der Scheich, geht er mit seinem Kamel allein in die Wüste, um nach einer kleinen Baumschlange zu suchen. Sie lauert hinter Sträuchern oder schnellt aus Bäumen auf ihr Opfer herab und zählt zu den giftigsten Schlangen des Sinai. Ali schilderte uns lebhaft mit dem Messer gestikulierend, daß er das gebissene Glied notfalls abschneiden müsse, damit sich das tödliche Gift nicht im Körper ausbreitet.
    So wie also unsereins im Frühling Brennesseln sammelt, fängt Ali eben einmal jährlich diese Schlange! Hat er sie überlistet, dann kocht er sie sieben Stunden lang und verzehrt sie. Schließlich durchlebt er in sieben Decken gehüllt eine Heilkrise3 mit Schüttelfrost und Fieberdelirium. Jeden Morgen legt er eine der Decken beiseite. Wenn er am Morgen des siebten Tages erwacht und die letzte Decke entfernt, dann ist die Krisis überstanden und Ali fühlt sich wie neugeboren.
    Der Beduine folgt damit einer uralten Tradition. Im arabischen Sprachraum gilt der Genuß von Giftschlangen seit langem als Allheilmittel, das unverwundbar macht, ewige Jugend spendet und einen die Sprache der Tiere verstehen läßt. Schlangenzubereitungen in der Volksmedizin

    In diesem Frühjahr kamen wir der Schlange erneut auf die Spur. In einem abgelegenen Teil Mazedoniens bereiten sich die Alten noch immer Schlangenelixiere nach alter Tradition. So ist in einer der ansässigen Familien eine besondere Zubereitung in Gebrauch. Jeden Sommer wird eine "orcha" (Giftschlange)4 zusammen mit Paprika in Essig und Öl eingelegt. Während der Wintermonate essen dann alle regelmäßig von der Paprika, in welche die Heilkraft der Giftschlange übergegangen sein soll. Bemerkenswert ist die überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung der Familienmitglieder: Fast alle konnten das 100. Lebensjahr überschreiten! Der 110 Jahre alte Urgroßvater führt dies neben frischer Luft, Quellwasser und karger Kost insbesondere auf das Schlangenrezept zurück.
    Exotisch klingende Rezepturen dieser Art finden sich keineswegs nur in fernen Ländern. Auch im Alpengebiet gibt es vereinzelt noch ältere Heilkundige, die sich Giftschlangen als Lebenselixiere zubereiten. Im Vinschgau berichtete uns beispielsweise ein Mann, daß sein Großvater noch vor wenigen Jahren die am Sonnenberg heimische Aspisviper in Alkohol ansetzte und kleine Mengen desselben dann zur Stärkung zu sich nahm. Mancherorts soll auch der geröstete Kopf der Kreuzotter zu einem Pulver verrieben worden sein, das dann bei Schlangenbiß auf die Wunde gestreut wurde und auch sonst bei Wunden oder Geschwüren als heilsam galt.
    Solche Rezepte wurden meist über Jahrhunderte hinweg mündlich überliefert - oft mit Legenden ausgeschmückt. In Mitteleuropa begegnet uns die Schlange nämlich immer wieder als heilige Haus- oder Krönlschlange, die die Seele der Ahnen beherbergt und einst sogar Milchopfer erhielt. Dabei finden sich verblüffende Parallelen im Volksglauben der Araber und der Alpenländler. Durch den Genuß von Schlangenfleisch erhoffte man sich in unseren Breiten ebenfalls Unverwundbarkeit und ewiges Leben. Schließlich findet sich ein ähnliches Motiv schon in der Sage vom Drachentöter: Durch das Bad im Drachenblut wurde der Held unverwundbar - außer an der Stelle, wo sich das Lindenblatt befand. Allesheilender Schlangen-Theriak


    Das mittelalterliche Lebenselixier enthielt ursprünglich mehrere Dutzend Bestandteile. Eine kräftigende und abwehrsteigernde Wirkung erreicht man auch mit wenigen Mitteln.

    20 ml Vipera berus D6 (Gift der Kreuzotter),
    100 ml Archangelica Fluidextrakt (Erzengelwurz),
    20 ml Pyrit D6 (Eisendisulfid; von Staufen-Pharma).
    Die drei Grundbestandteile mit Sherrywein auf 0,25 Liter auffüllen und vor Gebrauch kräftig schütteln. Vitalisierende Kur: täglich ein bis zwei Teelöffel. Scheich Alis Schlangenkur, "Orcha in Essig & Öl" oder der im Alpenraum gebräuchliche Vipernalkohol sind selten gewordene Relikte aus einer Heilepoche, deren Wurzeln Jahrtausende zurückreichen. Giftschlangen und Schlangengifte wurden bereits in den ersten schriftlichen Dokumenten der chinesischen Medizin erwähnt. Das sagenumwobene Reptil spielte jedoch auch in den medizinischen Hochkulturen Indiens, Ägyptens und nicht zuletzt im antiken Griechenland eine große Rolle. Alle bedeutenden Heiler vergangener Zeiten beschäftigten sich mit dem urzeitlichen Tier. So beschrieb schon der Arztvater Hippokrates (ca. 400 v. Chr.) die Wirkung von Schlangengift. Der griechische Arzt und Medizinreformator Galenos (2. Jh. v. Chr.) führte die Schlange schließlich in die abendländische Heilkunst ein. Seinerzeit enthielten zahlreiche Rezepte Giftschlangen, entweder zerkleinert oder als Ganzes, was sich auch in den folgenden Jahrhunderten nicht ändern sollte.
    Zu königlichem Ruhm brachte es zum Beispiel der Theriak, das begehrteste mittelalterliche Allheilmittel, Universalgegengift, Potenzmittel und Verjüngungselixier. Ursprünglich enthielt er neben mineralischen Substanzen (z.B. Eisensulfat) und pflanzlichen Bestandteilen (z.B. Angelikawurzel, Opium) auch noch Schlangenteile. Einerseits wollte man durch den Zusatz von Giftschlangen eine gewisse Immunität gegenüber allen möglichen Giften erreichen. Andererseits erhoffte man sich, auf diese Weise jene Eigenschaften auf den Menschen zu übertragen, die man der Schlange zusprach.


    Symboltier der Heilkunst

    Obwohl man der Schlange weltweit und seit Jahrtausenden besondere Heilkraft zusprach, wurde sie im Abendland erst im 5. Jahrhundert vor Christus untrennbar mit der Heilkunst verknüpft. Zu dieser Zeit kam in Griechenland der Asklepioskult auf. Asklepios, der Gott der Heilkunst, erschien den Kranken während des Heilschlafs zuweilen als Schlange. In seiner anthropomorphen Gestalt hielt er einen Stab, um den sich jene Schlange6 wand, die ihm einst sein Vater Apollon sandte, um ihn in die Kräfte der Heilkräuter einzuweihen. Der göttliche Arzt besaß auch zwei Schalen voll Blut der Medusa, die ihm Zauberkräfte verliehen. Mit dem Blut der rechten Schale konnte er töten und mit dem der linken konnte er Tote wiedererwecken. Die Metapher steht zum einem für die fließende Grenze zwischen Gift und Arznei; das griechische Wort "pharmakon" bezeichnete ursprünglich beides. Im Schlangengift vereinen sich diese scheinbaren Gegensätze zu einem Arkanum (wahre Arznei). Zum anderen ist die Schlange, die sich um den Aesculapstab windet und ihr Gift in eine Schale entleert, bis heute das Symbol der Heilkunst geblieben. Es versinnbildlicht die Macht des Heilers, der die feindlichen und todbringenden Kräfte, welche die Schlange verkörpert, für seine Zwecke gezähmt hat. Asklepios hatte jedoch seine Macht mißbraucht, um einen Sterblichen wieder zum Leben zu erwecken - er wurde deswegen vom erzürnten Zeus mit einem Donnerkeil getötet. Renaissance der Schlangentherapie

    Wissenswertes über Schlangengifte

    Schlangengifte sind komplexe Protein-Enzym-Gemische. Da sich die Giftdrüse im Laufe der Evolution aus der Speicheldrüse entwickelt hat, dient das Sekret keineswegs nur als Kampfgift, es erleichtert auch die Verdauung der im Ganzen verschlungenen Beute. In der Trockenmasse finden sich über 90 Prozent Proteine, die man ihrer Wirkung und ihrem Zielorgan entsprechend bezeichnet:
    Neurotoxine: bewirken Lähmung - verhindern, daß das Beutetier entkommt
    Cardiotoxine: verursachen Herzstillstand - bewirken den Tod des Beutetieres
    Hämotoxine: führen zu Hämolyse und Hämorrhagien - dienen u.a. der Vorverdauung
    Die Enzyme steigern die Resorption wie auch die Wirkung der Proteine und fördern nicht zuletzt die Verdauung des Beutetieres.

    Das frische oder getrocknete Speicheldrüsensekret mancher Giftschlangen wird vielfältig genutzt:
    Zur Gewinnung von Antiseren: Etwa 1/100 der Letaldosis eines Schlangengiftes wird Pferden injiziert; die Dosis wird im Verlauf der Immunisierung schrittweise erhöht. Das Pferd bildet daraufhin Antikörper, die aus dem Blutserum extrahiert werden und als spezifische Gegengifte dienen.
    Als Ausgangssubstanz für Blutgerinnungstests: Drei von 15 einfachen Blutgerinnungstests beruhen heute noch direkt auf Substanzen, die aus Schlangengiften gewonnen werden.
    Zur Herstellung homöopathischer Schlangenarzneien: Ausgangssubstanz für Homöopathika ist das frische oder (gefrier-)getrocknete Speicheldrüsensekret mit Proteinen und Enzymen.
    Zur Herstellung von Reintoxinen: Der Verdünnungsgrad der Reintoxine (enteiweißte Rohgifte; Spezialität der Heilmittelfirma Horvi) entspricht einer homöopathischen D6 und der Resteiweißgehalt beträgt 0,8 bis 2,0 Prozent. Die Wirkung der Reintoxine beruht auf Schlangenenzymen, die das Blut dünnflüssiger machen, dessen Fließeigenschaft verbessern und den Blutsäuregehalt regulieren.
    Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte die Schlangentherapie eine Art Renaissance. Erste, empirische Untersuchungen weckten die Hoffnung, in bestimmten Schlangengiften wirksame Arzneien für Virusinfektionen sowie für neurologische Erkrankungen gefunden zu haben. Doch bis dahin war deren heilkundliche Verwendung mit erheblichen gesundheitlichen Risiken wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Störungen oder mit allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock verbunden.
    Constantin Hering (1800 - 1880), der Pionier der Schlangengift-Forschung, sah in der Homöopathie, die zu seiner Zeit immer größere Kreise zog, neue Möglichkeiten der Arzneibereitung: "...so wird man wünschen, die Menge des Giftes so verkleinern zu können, daß die Wirkung minder stürmisch werde und leichter wahrgenommen und beurteilt werden könne". Er vermutete, daß Schlangengifte außerordentliche Heilkräfte in sich bergen, und reiste von fieberhaftem Forscherdrang getrieben ins schlangengesegnete Surinam (1827 - 1833). Von dort berichtete er freudig: "Endlich hatte ich denn das Vergnügen den 28. Juli 1828 des Mittags eine, durch den kühnen Jäger zwar halb erschlagene, aber doch noch brauchbare, große, wirklich gräßliche Giftschlange zu erhalten. Es war Trigonocephalus Lachesis ... Ich machte sogleich anhalt ihr das Gift abzunehmen ... Ich hielt nun ein Papier mit einem hohlen Häufchen Milchzucker zum Empfange bereit, und fing so endlich das Tröpfchen auf. Zehn solche Tröpfchen habe ich auf hundert Gran Milchzucker gebracht und damit sogleich verrieben eine Stunde lang. Davon aber zehn Gran wieder mit hundert, um die Verdünnung von etwa Hundertteilen zu erhalten, ... mit dem 1/100 habe ich einige Versuche gemacht".7
    Seinen ersten Selbstversuch machte Hering jedoch unfreiwillig: Beim Verreiben der Gifttropfen in Milchzucker atmete er nämlich den giftgetränkten Staub ein. Schon kurze Zeit später litt er bereits unter Halsschmerzen, denen schließlich die vielzitierten psychischen Leitsymptome wie Eifersucht, Argwohn und Redseligkeit folgten. Er unternahm viele weitere Arzneiprüfungen, zum Teil mit gerade noch toxischen Dosen, an sich selbst wie auch an 17 Mitprüfern und faßte die Ergebnisse schließlich zusammen. Seine Abhandlung über die "Wirkungen des Schlangengiftes" (1837), in der er auch einen Vergleich zwischen den Folgeerscheinungen von Bißverletzungen und Prüfsymptomen anstellte, bildet noch heute eine der Hauptquellen für die Anwendung von Schlangengiften in der Homöopathie. Schlangengifte in der Homöopathie

    Aus dem homöopathischen Arzneischatz sind Schlangengifte heute nicht mehr wegzudenken. Die Verdünnung vermochte in der Tat den Giftgeist der Schlange zu zügeln und durch die Verschüttelung erreichte man eine Verstärkung der heilsamen Eigenschaften. Eben weil Schlangengifte Blut, Herz und Nerven schädigen, erwiesen sie sich in homöopathischer Form bald als Blut-, Herz- und Nervenheilmittel. Obwohl alle dem gleichen Zweck dienen, nämlich dem Lähmen, Töten und Verdauen des Beutetieres, weist jedes Schlangengift eine für die Unterart spezifische Zusammensetzung und Wirkung auf (siehe "Schlangengifte im Vergleich"). Dennoch finden sich Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel Blutgerinnungsstörungen, Schling- oder Schluckbeschwerden oder Beengungsgefühle. Die homöopathischen Arzneimittelbilder sind allerdings so umfangreich, daß sie hier nicht erschöpfend behandelt werden könnten.
    So wie die Giftschlangen einst begehrte Bestandteile lebensverlängernder Elixiere waren, so runden sie heute beispielsweise immunmodulierende Rezepturen ab oder unterstützen die Häutung der Seele in den Wechseljahren (siehe "Schlangenpräparate für die Naturheilpraxis"). Die Heilung durch homöopathische Schlangengifte erfolgt jedoch gleichermaßen auf körperlicher wie auch auf geistig-seelischer Ebene. Die Schlange wird vom modernen Menschen mit derselben Ehrfurcht und Faszination betrachtet wie es noch vor Jahrtausenden der Fall war. Viele meiner Patienten erkannten in dem urzeitlichen Reptil ihr Krafttier, dessen Gift ihnen sozusagen Wehrhaftigkeit vermittelt.
    Schlangengifte sind damit nicht nur ernstzunehmende Arzneien, sondern auch eine wertvolle Quelle, aus der sich neue Lebenskraft schöpfen läßt - und, wie wir von Kent erfahren, sind Schlangengifte geradezu eine Universalmedizin für den Menschen: "Lachesis scheint für das ganze Menschengeschlecht zu passen, denn das Wesen des Menschen entspricht dispositionsgemäß und charakterlich der Schlangennatur."


    Schlangengifte im Vergleich

    Bothrops lanceolatus (Lanzenotter; Crotalinae; trop. Asien u. Amerika): Das Gift der Lanzenotter wirkt insbesondere auf Blut und Gefäße. Ein Biß führt zu Schmerzen, Ödem und Blutung; Eiterung, Nekrosen und Gangräne sind weitere Folgen. Das Bothrops-Gift zeichnet sich durch den Gehalt koagulierender Enzyme aus; daher die Neigung zu Thrombosen und Embolien mit nachfolgender Lähmung. Die homöopath. Indikationen, z.B. Sprachstörungen oder Lähmungen nach Schlaganfall, sowie Gangräne leiten sich aus der Giftwirkung ab. Gebräuchlich sind mittlere Potenzen.
    Crotalus horridus (Klapperschlange; Crotalinae; Nordamerika): Humboldt verwendete das Crotalus-Gift noch zur Gelbfieberprophylaxe; es ruft gelbfieberähnliche Symptome hervor. Das Crotalus-Gift führt v.a. zu Blutgerinnungsstörungen. Homöop. Ind. wie z.B. Hämorrhagien ("Blutungen aus allen Körperöffnungen") leiten sich aus der Giftwirkung ab. Gebräuchlich sind mittlere Potenzen.
    Elaps corallinus (Korallenotter; Viperidae; Südamerika): Im Elaps-Gift überwiegen Hämotoxine; Es wirkt bevorzugt auf die Lungen, wo es Kältegefühl und blutigen Auswurf verursacht. Zu den homöop. Ind. zählen Mischinfektionen mit oder ohne Lungenbeteiligung. Gebräuchlich sind mittlere Potenzen.
    Lachesis muta (Buschmeister; Viperidae; Mittel- und Südamerika): Im Lachesis-Gift dominieren Hämotoxine und Neurotoxine sowie stark wirksame Enzyme, die proteolytische, koagulierende und zellauflösende Eigenschaften besitzen. Die Giftwirkung konzentriert sich auf Blut und Nerven. Lachesis wird in der Homöopathie vielfältig gebraucht, z.B. bei: a) Allergien, bakteriellen oder viralen Infekten sowie bei septischen Fiebern. b) Blutgerinnungsstörungen c) Venenleiden d) Manischen Erregungszuständen. Lachesis ist in allen Potenzen gebräuchlich.
    Naja tripudians (Kobra; Elapidae; Indien und China): Das Gift der Brillenschlange8 konzentriert seine Wirkung besonders auf den Herzmuskel, den es erst erregt und später lähmt. Dies ist auf ein curareähnlich wirkendes Cardiotoxin zurückzuführen, das noch in Verdünnungen von 1:400 zu Herzstillstand führen kann. Außerdem fand man im Kobragift blutdrucksenkende Substanzen. Zu den homöop. Ind. zählen daher Herzleiden wie z.B. postinfektiöse Klappenfehler, Rhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen oder Angina pectoris. Gebräuchlich sind vor allem mittlere Potenzen.
    Vipera berus (Kreuzotter; Viperidae; Europa): Im Gift der Kreuzotter dominieren Hämotoxine, Neurotoxine und proteolytische Enzyme. Die Giftwirkung konzentriert sich auf die Gefäße. Durch den Biß kommt es zu Ödemen, Blutgerinnungsstörungen, Schädigung der Gefäßwände (v.a. Venen). Viel beschrieben sind heftige Schmerzen am gebissenen Glied, die noch nach Jahren periodisch wiederkehren und bspw. durch Wetterwechsel ausgelöst werden. Auch Kachexie und Neigung zu Apoplex zählen zu den Bißfolgen. Zu den homöopath. Ind. gehören Venenleiden wie Krampfadern, Unterschenkelgeschwüre, Neigung zu Venenentzündung und Thrombose. Das Mittel findet jedoch auch nach Schlaganfall Anwendung. Gebräuchlich sind mittlere Potenzen.

    Schlangenpräparate für die Naturheilpraxis9

    Abwehrsteigerung, Allergien und Virusinfekte apo-Infekt spag. (Tropfen od. Glob. von Pekana; Ailanthus gland. D3, Arg. nitr. D4, China D3, Lachesis D12, Vincetox. D1, Echinacea, Marrubium, Nasturt. aquat.): Vorbeugung und Behandlung bakterieller und viraler Infekte wie z.B. Masern, Herpes, usw.; vergleiche auch Septonsil (Pekana).
    Horvitrigon (Liquid. von Horvi; Reintoxin von Lachesis): Zur unspezifischen Abwehrsteigerung bei Allergien (z.B. Heuschnupfen) und bei Virusinfektionen (z.B. Herpes, Pfeiffer).
    Naja comp. (Amp. od. Dil. von Weleda; Crotalus terr. D20, Lachesis D12, Naja D10, Vipera berus D30): Bei Entzündungen mit Neigung zu Sepsis sowie bei septischen Fiebern.
    Pascotox N (Tabl. von Pascoe; Tr.extr. v. Echinacea sowie Trit. v. Bryonia D1, Baptisia D4, Eupator. perf. D2, Thuja D4, Lachesis D8): Zur Prophylaxe und Therapie bei grippalen Infekten; bewährt ist die Stoßtherapie mit 4 bis 6 Tabl. bei ersten Erkältungszeichen; vergleiche auch Pascoleucyn (Pascoe).
    Blutdruckregulierung und Herzkräftigung Cardinorma spag. (Tropfen von Pekana; Arnica D4, Carbo veg. D8, Kalium carb. D4, Lachesis D8, Oleander D4, Tabacum D6, Boldo, Crataegus): Bei nervösen Herzbeschwerden, Rhythmusstörungen und Angina pectoris.
    Naja-Reintoxin (Liquid. von Horvi): Bei erhöhtem oder schwankendem Blutdruck.
    DCD-Herzsalbe (Lomapharm; Bufo D4, Naja D4, Lachesis D4, Vipera ammodites D4, Testes, Placenta sowie Calc.-, Kobalt(II)-, Magn.-, Kupfer(II)stearat): Zur Verbesserung von Herzdurchblutung und -leistung, z.B. bei nervösen Herzbeschwerden und Angina pectoris.
    Wechseljahrsbeschwerden Ignatia comp. (Amp. od. Glob. von Wala; Ignatia D3, Bryophyllum D2, Lachesis D11): Bei vorwiegend psych. Beschwerden wie z.B. Verlustangst, depressive Verstimmung und Hysterie.
    Klimasorin (Tropfen von Schuck; Cocculus D5, Cimicifuga D5, Lachesis D9, Sanguinaria D5, Sepia D6): Vegetativ-klimakt. Syndrom; Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen.
    Melissa/Sepia comp. (Amp. od. Glob. von Wala; Chamomilla e rad. D2, Melissa D2, Sepia D5/7, Lachesis D11, Aconitum D9): Bei vegetativ-klimakt. Syndrom; Kreislaufstörungen mit Hitzewallung, Erschöpfung oder Schwindel sowie Reizbarkeit und Verstimmung.

    Anmerkungen
    1. Aus: "Kreuterbuch" von Adamo Lonicero, 1679 [zurück]
    2. Nach alter Vorstellung wirken sieben kosmische Grundkräfte auf alles Irdische ein: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn. Auf der Darstellung windet sich die Schlange viermal um das Weltenei; dies entspricht den vier Elementen - Feuer, Wasser, Erde, Luft - aus denen die Welt erschaffen wurde. [zurück]
    3. Die Schilderung der Heilkrise steht im Widerspruch zu der Ansicht, daß Schlangengifte oral unwirksam seien. Außerdem müßten eigentlich durch die Abkochung Proteine wie auch Enzyme denaturiert und somit unwirksam werden; vielleicht läßt sich die Wirkung mit dem von der Sterilisation bekannten "Eiweißfehler" erklären. [zurück]
    4. Mit "orcha" ist vermutlich die in Griechenland häufig vorkommende Sandviper (Vipera ammodites) gemeint. [zurück]
    5. Aus: "Heilmittel der Sonne" von Margret Madejsky u. Olaf Rippe; Verlag Peter Erd. [zurück]
    6. Bei dem Symboltier des Asklepios (röm. Aesculap) handelt es sich um die Aesculapnatter (Elaphe longissima). [zurück]
    7. Aus: "Einiges über das Schlangengift (Lachesis)" von Dr. Constantin Hering, 1831. [zurück]
    8. Das Gift der Kobra zählt mit zu den stärksten Tiergiften: Ein Gramm könnte 150 Menschen töten. [zurück]
    9. Aus Platzgründen konnte in dem Artikel leider nur eine kleine Auswahl an Firmenpräparaten aufgeführt werden. [zurück]
    Literaturtips und Quellen
    • Heilmittel der Sonne, Madejsky u. Rippe; Verlag Peter Erd
    • Schlangen, Beuchot, Naturbuchverlag
    • Leesers Lehrbuch der Homöopathie, Bd. 5 Tierstoffe, Stübler u. Krug; Haug Verlag
    • Schlangen- und Insektengifte, Rabe, Haug Verlag
    • Verzaubertes Land, Fink; Tyrolia Verlag
    • Das Reich Satans, Frick; Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz
    • Die grosse Mutter in ihren Tieren, Johnson, Walter-Verlag
    • Fabeltiere, Schöpf; VMA-Verlag
    • Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Walter de Gruyter
    • Rheingold, Grundy; Fischer-Verlag (empfehlenswerter Roman über die Sigfrid-Sage)

  5. #5
    Raven
    Gast

    AW: Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer

    Schlangenstein

    Serpentin


    Ser|pen|tin [m. 1] (meist grünliches, oft seidenglänzendes) Mineral, Magnesiumsilikat (mit unterschiedlichen Gemengteilen) [<lat. lapis serpentinus ”Schlangenstein“, wegen des gefleckten Aussehens, das einer Schlangenhaut ähnelt]

    © Wissen Media Verlag

    Buch:

    Zaubersteine-Schlangensteine: Versteinerungen--Volksglaube, Sagen, Geschichte (Hardcover)
    by Kurt Beat Hebeisen (Author)

  6. #6
    Viola
    Gast

    AW: Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer

    Danke Raven für die super interessanten Beiträge!!

    Ich war erstaunt zu lesen, dass Menschen mit der Schlange als Krafttier meist überaus empfindlich für Düfte und Gerüche sind. Das ist bei mir so, ich bin extrem geruchsempfindlich. Ich empfand das bisher eher als Nachteil, weil es ist schwer mit mir zu leben, da ich ein Frischluftfanatiker bin, auch im Winter, und viel lüfte, weil ich immer frische Luft brauche. Ich vertrage viele chemische Düfte überhaupt nicht, z.B. manche Rasierwässer meines Mannes, von denen mir einfach schlecht wird. Ich liebe dagegen natürliche Düfte in der Duftlampe,... sehr und auch Räucherungen, die mir sehr gut tun. Bei Menschen die ich treffe, achte ich immer auf deren Geruch und kann sie dadurch auch gut einschätzen.

    Schlangen essen würde ich niemals. Da verzichte ich lieber darauf 110 Jahre alt zu werden. Auch Medizin aus Schlangengift möchte ich nicht haben.

    Unglaublich, was die Schlange alles symbolisiert. Ich bin aber keine Schlange in der chinesischen Astrologie, dafür aber in der indianischen.

    Liebe Grüße,
    Viola

  7. #7
    Sir Aaron
    Gast

    AW: Schlangen:als Krafttiere/als Weisheitslehrer

    Schlangenmythen





    Kulturvergleiche

    In uralten prähistorischen Zeiten schon galt die Schlange als das Sinnbild der schöpferischen Vitalkraft der Erde (Schlangen kriechen aus Erdlöchern und waren somit Sinnbild für die zu Leben gewordene Kraft der Erde). Die Seele im Sinne eines Lebensprinzips kehrte nach dem Tod zur Erde zurück.

    Die Schlange verkörperte somit: Die Erde als Basis allen Lebens, die Erdgöttin, Vitalität, Heilkraft, Fruchtbarkeit. Weibliches Prinzip

    Ergänzend hierzu war der Himmel mit Sonne, Mond und Sterne als Lichtträger und Quelle göttlicher Kräfte. Der Geist des Menschen, das Lichtvolle im Menschen wohnte im Himmel. Helden, Heilige kehrten als Sternschnuppen zur Erde zurück. Die geistigen Prinzipien normal Sterblicher kamen als Regen zur Erde zurück, befruchteten diese und gelangten solcherart wieder in den Kreislauf des Lebens.

    Der Himmel stand für: Befruchtung der Erde durch das Sonnenlicht, Geist, das Lichtvolle. Männliches Prinzip

    Im Laufe der Zeit gab es im Orient (Ursprung unserer Religione und Kultur) und in Indien zwei konträre Entwicklungen:

    In Indien wurde das weibliche Prinzip als unentbehrliche Ergänzung des männlichen Prinzips beschaut - ein Mensch konnte nur dann vollkommen werden, wenn er beide Prinzipien in sich vereinte und vervollkommnen konnte. Die Schlange (ind. Shakti, Kundalini, Naga) ist in Indien heilig und jene Kraft, welche den Menschen zum Allbewusstsein verhilft.

    Im Orient wurde das weibliche Prinzip zunehmend als böse erachtet, als Ursache allen Übels, und nur das männliche Prinzip wurde verehrt. Das Christentum vertritt ein dreifaches männliches Prinzip: Gott Vater, Gottes Sohn, der Heilige Geist, das Weibliche konnte sich nur als Relikt im Volksglauben erhalten (als Erbe unserer "heidnischen" Ahnen, nicht jedoch in der Bibel) als Mutter Gottes. Solcherart ist die Schlange die Verkörperung des Bösen, der Teufel schlechthin, der den Sturz der Menschen aus dem Paradies verursachte.

    Herzliche Grüße,

    -Aaron-

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  1. 01.10.2011, 23:33

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