Persönliche Reflexion: Erfahrung

Über Erfahrungen und Durchbrüche muss etwas mehr gesagt werden.
Viele Leute warten unablässig auf eine große Durchbruchserfahrung, aber das ist ein Egospiel und eine Illusion. Erwachen ist nicht irgendeine Erfahrung, sondern die Transformation der eigenen Welt und des eigenen Weltbildes. Erwachen ist eine Erfahrung, aber keine Erfahrung, die man "haben" kann. Erwachen ist mehr Realisierung als Erfahrung. Zu Ramana Maharshi kam einmal eine Person, die darüber klagte, dass die Vision ihres Gottes erschiene und dan wieder verschwände.Ramana sagte dazu, dass ein Gott, der kommt und geht, kein wahrer Gott sei. Erfahrungen kommen und gehen, sie hängen von den Zuständen unseres Körpers und unseres Gehirns ab. Erfahrungen sind zudem offen für vielfältige Interpretationen und werden von unseren Weltbildern bedingt und gefärbt. Erfahrungen können auch produziert, hergestellt und manipuliert werden. Darum verwirft Zen alle Erfahrungen als Makyos, als Illusionen.

Ich hatte einige große Erfahrungen, vor allem während meiner ersten Sesshins mit Yamada Roshi in Japan. Doch Erfahrungen habe ich nie besonders wichtig genommen.

Erwachen bedeutet nicht, Erfahrungen zu haben, eine Erfahrung, die man jetzt hat und später dann verliert. Erwachen ist das Erwachen zu dem, was man ist. Und es reicht nicht aus, davon überzeugt zu sein, dass man Buddha ist oder das wahre Selbst oder das Nicht-Selbst. In allen meinen schriftlichen und mündlichen Äußerungen habe ich Hinweise auf das Erwachen gegeben. Klärung und Realisierung des Erwachens ereigenen sich aber im Dokusan, im persönlichen Dialog mit dem Meister.

Aus: "Zen und Erleuchtung"
von Ama Samy

Liebe Grüße,
Viola