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Thema: freier Wille

  1. #1
    spirit
    Gast

    freier Wille


    Um den Begriff der Willensfreiheit des Menschen ranken sich die unterschiedlichsten Ansichten.




    Auf der einen Seite betonen manche unserer verbreitetsten Religionen und mythologischen Weltsichten die Gegebenheit des freien Willens des Menschen, wohingegen andere Ansichten eine deutliche Determiniertheit postulieren. So rechtfertigen jene Glaubensanschauungen, die auf dem Gedanken des ewigen Weltgesetzes fußen (wie z.B. der Hinduismus und der Buddhismus) die von den unterschiedlichen Abhängigkeiten des Menschen geprägte jeweilige Existenz. Dieser Gedanke lässt den Menschen seinem Schicksal gegenüber zunächst ausgeliefert erscheinen, und so rechtfertigt sich maßgeblich die hinduistische Auffassung des Kastenwesens, welches Menschen kraft ihrer jeweiligen Geburt ein Leben lang in der gleichen sozialen Schicht verhaftet sein lässt.




    Im Gegensatz zu dieser hinduistischen Determiniertheit des Menschen trat Gautama Buddha, der das Kastenwesen als vom Menschen geschaffene Institution betrachtete und es demzufolge ablehnte. Dennoch fußten die Grundlagen von Buddhas Lehre auf den Gedanken des ewigen Weltgesetzes, welches sich durch Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge auszeichnet und einen ewigen, absoluten Schöpfergott ablehnt.




    Diesen Auffassungen stehen die monotheistischen Religionen (z.B. Judentum, Christentum, Islam) entgegen, die die Schöpfung als von einem Urheber erschaffen erkennen.




    Betrachtet man beide grundsätzlichen Auffassungen unter dem Gesichtspunkt des möglichen freien Willens, können sich unterschiedliche Schlussfolgerungen ergeben.




    Der monotheistische Ansatz des „Sündenfalles“ des Menschen kann nicht gesehen werden, ohne die grundsätzliche Gegebenheit der Freiheit der Wahl. Hier mag sich dem kritischen und undogmatischen Auge allerdings die Frage stellen, warum der Schöpfer zunächst grundsätzlich die Möglichkeit einer Wahl gegeben hat, um dann anschließend – folgt man der jeweiligen Dogmatik – die in „seinen“ Augen falsche Entscheidung hart zu bestrafen – und dies zudem mit „Sippenhaft“ („bis ins siebte Glied“). Diese Schöpfervorstellung des menschlichen Geistes basiert meiner Ansicht nach auf einer unzureichend durchdachten Annahme, von der zudem seitens der theologischen Lehrer verlangt wird, sie als „Wahrheit“ anzuerkennen. „Ich habe Dich nach meinem Ebenbilde erschaffen“ impliziert nicht die Projektion menschlichen Verhaltens im Umkehrschluss auf Gott. Dies wäre ein Syllogismus (falscher Umkehrschluss: Jeder Fuchs hat einen Schwanz – Alles, was einen Schwanz hat, ist ein Fuchs).




    Sich der Wahrheit Gottes aus religiös-dogmatischer (also menschlicher) Sicht zu nähern, zieht stets und unmittelbar Unvollständigkeit nach sich, folgt man dem Gedanken, es gäbe nur EINEN Weg zur Wahrheit. Und dennoch maßen sich religiöse „Führer“ in aller Welt an, die ewige Wahrheit zu verbreiten (und jeder seiner jeweiligen Glaubensrichtung nach auch die einzig wahre). Der mögliche Sinn eines freien Willens wäre somit untergraben und folglich nutzlos – weil nicht-existent.




    Wendet man sich den modernen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Bewusstseinsforschung, der Hirnanatomie und der biologischen Wirkungsmechanismen auf cerebraler Ebene zu, lassen die jüngsten Erkenntnisse auf diesen Feldern erkennen, dass biologische Organismen (wie der Mensch) in ihren Entscheidungen gebunden sind. Die funktionalen Zusammenhänge biochemisch-elektrischer Natur scheinen darauf hinzudeuten, dass nicht ausschließlich der Geist den Körper leitet, sondern dass die Interaktionen zwischen beiden auch in die entgegengesetzte Richtung geschehen. Sind also unsere Geistesfunktionen in Wahrheit bestimmt durch jeweilige biochemische Prozesse des Organismus?




    Bedingt. Die Gegebenheiten bestimmter Bewusstseinszustände in Abhängigkeit von z.B. Hormonen oder Neuro-Transmittern lassen sich nicht leugnen. Dieser Umstand bedarf nicht am Beispiel der Psychopharmaka erläutert zu werden; zur Verdeutlichung genügt das Beispiel des Rausches. Die veränderten neuronalen Prozesse – basierend auf den durch einen Rausch ausgelösten unterschiedlichen biochemisch-elektrischen Reaktionen – des Gehirns sprechen im Erleben des Individuums eine deutliche Sprache.




    Bewusstsein kann also u. U. durch Physis bestimmt sein. Am geeignetesten erscheint mir hier der Gedanke der interdependenten Wechselwirkung, d. h., beide Ausprägungen des Seins (Bewusstsein und Leib – Software und Hardware) bedingen einander und stehen in reaktiver Kommunikation.




    Ein weiteres mögliches Indiz der Bedingtheit des Menschen bietet seit Alters her die Astrologie. Der Gedanke, menschliches Dasein sei durch die jeweilige Konstellation der näheren Gestirne bestimmt, taucht in der Historie in annähernd allen menschlichen Kulturen, Gemeinschaften und Generationen auf. Diese Auffassung existiert also in Raum UND Zeit; demzufolge möge sie als potentielle Möglichkeit nicht ausgeschlossen sein, sondern vielmehr individueller Betrachtung unterzogen werden.





    Zusammenfassend betrachtet, entsteht in mir der Eindruck, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Körper, Geist und Seele folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten und sind demzufolge berechenbar und prognostizierbar. Dieser Umstand rechtfertigt somit die Existenz beispielsweise der kognitiven Psychologie und impliziert auf der anderen Seite das Motiv der „Vorherbestimmtheit“ aller Existenz. Dies beinhaltet also eine Synthese zwischen fernöstlich religiöser Überlieferung und wissenschaftlichem Nachweis. Religionen beleuchten hierbei die makroperspektivische Sicht auf die Existenz, während die Wissenschaften den Beweis religiöser Auffassung quasi aus der Innensicht heraus gesehen führen mögen. Beide Ansätze widersprechen einander keineswegs, sondern ergänzen sich vielmehr. Dies unterstreicht die Bedeutung eines notwendigen intensivierten Dialogs zwischen den Religionen und den Wissenschaften.




    Gautama Buddha erkannte diese Mechanismen und begründete somit seinen – auf Ursache und Wirkung bezogenen – allumfassenden Konditionalismus.





    „Der Mensch ist in seine Zeit geworfen“




    Martin Heidegger





    „Wer die Unfreiheit des Willens fühlt, ist geisteskrank – wer sie leugnet dumm.“




    Friedrich Nietzsche


    ... hier geht's in die grosse weite Welt hinaus ...:





  2. #2
    CSW
    Gast

    Bitte etwas genauer


    Als Antwort auf: freier Wille geschrieben von spirit am 21. Mai 2001 12:17:37:


    Hmm, viel verstanden von deinem Beitrag habe ich ja nicht gerade, wie ich zugeben muß.

    Mag ja sein, daß es daran liegt, daß ich nicht besonders fit bin in diesen Dingen.

    Allerdings hab ich irgendwie schwer den Eindruck, daß es diesmal daran

    liegt, daß du den 1. Satz hingeschrieben, die nächsten 10 nur gedacht und

    den 12. erst wieder niedergeschrieben hast.


    Bis das bei mir mit dem Gedankenlesen klappt, kann es noch was dauern, fürchte ich.

    Tu mir bitte einen Gefallen und erklär einige der Stellen da unten nochmal etwas

    ausführlicher:


    > Auf der einen Seite betonen manche unserer verbreitetsten Religionen und mythologischen Weltsichten die Gegebenheit des freien Willens des Menschen, wohingegen andere Ansichten eine deutliche

    > Determiniertheit postulieren. So rechtfertigen jene Glaubensanschauungen, die auf dem Gedanken des ewigen Weltgesetzes fußen (wie z.B. der Hinduismus und der Buddhismus) die von den

    > unterschiedlichen Abhängigkeiten des Menschen geprägte jeweilige Existenz. Dieser Gedanke lässt den Menschen seinem Schicksal gegenüber zunächst ausgeliefert erscheinen, und so rechtfertigt sich

    > maßgeblich die hinduistische Auffassung des Kastenwesens, welches Menschen kraft ihrer jeweiligen Geburt ein Leben lang in der gleichen sozialen Schicht verhaftet sein lässt.


    Was ist "das ewige Weltgesetz" bitte in Worten? Nur mal so ein grober Abriss bitte,

    quasi "Das Ewige Weltgesetz für Dummies - Ein 5-Minuten-Kurs für Anfänger". ;-)




    > Im Gegensatz zu dieser hinduistischen Determiniertheit des Menschen trat Gautama Buddha, der das Kastenwesen als vom Menschen geschaffene Institution betrachtete und es demzufolge ablehnte.

    > Dennoch fußten die Grundlagen von Buddhas Lehre auf den Gedanken des ewigen Weltgesetzes, welches sich durch Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge auszeichnet und einen ewigen, absoluten

    > Schöpfergott ablehnt.


    Wenn der gute Mann einen Schöpfer ablehnt, was hat er dann für eine Erklärung für die "Existenz" von Dingen sowohl im materiellen als auch astralen und

    geistigen Bereich?




    > Diesen Auffassungen stehen die monotheistischen Religionen (z.B. Judentum, Christentum, Islam) entgegen, die die Schöpfung als von einem Urheber erschaffen erkennen.


    Was hat die Frage, ob es einen Schöpfer gibt oder nicht, zu tun mit der Frage nach der Willensfreiheit des Menschen? Ich sehe da keinen Zusammenhang.

    Denn für die Willensfreiheit ist es theoretisch egal, ob es einen Schöpfer gibt oder nicht, da davon unabhängig die beiden Modelle der Determiniertheit

    und der absoluten Entscheidungsfreiheit existieren könnten.




    > Der monotheistische Ansatz des ?Sündenfalles? des Menschen kann nicht gesehen werden, ohne die grundsätzliche Gegebenheit der Freiheit der Wahl. Hier mag sich dem kritischen und undogmatischen

    > Auge allerdings die Frage stellen, warum der Schöpfer zunächst grundsätzlich die Möglichkeit einer Wahl gegeben hat, um dann anschließend - folgt man der jeweiligen Dogmatik - die in ?seinen? Augen

    > falsche Entscheidung hart zu bestrafen - und dies zudem mit ?Sippenhaft? (?bis ins siebte Glied?). Diese Schöpfervorstellung ...


    ... ist (meiner Meinung)nach keine echte Schöpfervorstellung. Wer Bibelstellen wortwörtlich nimmt ist mit Sicherheit auf dem Holzweg.

    (Leider bedeutet es im Gegenzug, daß sinngemäße oder symbolische oder wie-auch-immer Ausdeutungen solcher Texte viel zu viele

    Räume für Deutungsversuche lassen, als daß man sagen könnte: Dies und das besagt diese oder jene Stelle, basta.)

    Den Sündenfall nach der Deutung der kirchlichen Dogmatik als Grundlage zu nehmen für das Modell der Willensfreiheit halte ich für

    verfälscht, da schlicht und einfach die kirchliche Dogmatik einfach zu platt ist und dieses "historische Symbol" gar nicht in seiner

    vollen Tragweite beschreibt (was nicht heißt, daß es nicht Kleriker gibt, die sehr wohl die volle Bedeutung solcher Dinge erfassen;

    lediglich das, was der Masse erzählt wird, reicht bei weitem nicht an das heran).




    > Sich der Wahrheit Gottes aus religiös-dogmatischer (also menschlicher) Sicht zu nähern, zieht stets und unmittelbar Unvollständigkeit nach sich, folgt man dem Gedanken, es gäbe nur EINEN Weg zur

    > Wahrheit. Und dennoch maßen sich religiöse ?Führer? in aller Welt an, die ewige Wahrheit zu verbreiten (und jeder seiner jeweiligen Glaubensrichtung nach auch die einzig wahre). Der mögliche Sinn eines

    > freien Willens wäre somit untergraben und folglich nutzlos - weil nicht-existent.


    Was hat der dritte Satz mit den ersten beiden zu tun?

    Bloß weil ein Mensch glaubt, es gäbe nur einen Weg zur Wahrheit, bedeutet es noch lange nicht, daß die Willensfreiheit damit widerlegt ist.

    Die Vorstellung bzw. der Glaube eines Menschen beschreibt noch lange nicht die tatsächliche Realität einer Schöpfung oder eines Zustandes.




    > Wendet man sich den modernen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Bewusstseinsforschung, der Hirnanatomie und der biologischen Wirkungsmechanismen auf cerebraler Ebene zu, lassen die jüngsten

    > Erkenntnisse auf diesen Feldern erkennen, dass biologische Organismen (wie der Mensch) in ihren Entscheidungen gebunden sind. Die funktionalen Zusammenhänge biochemisch-elektrischer Natu

    > scheinen darauf hinzudeuten, dass nicht ausschließlich der Geist den Körper leitet, sondern dass die Interaktionen zwischen beiden auch in die entgegengesetzte Richtung geschehen. Sind also unsere

    > Geistesfunktionen in Wahrheit bestimmt durch jeweilige biochemische Prozesse des Organismus?

    > Bedingt. Die Gegebenheiten bestimmter Bewusstseinszustände in Abhängigkeit von z.B. Hormonen oder Neuro-Transmittern lassen sich nicht leugnen. Dieser Umstand bedarf nicht am Beispiel der

    > Psychopharmaka erläutert zu werden; zur Verdeutlichung genügt das Beispiel des Rausches. Die veränderten neuronalen Prozesse - basierend auf den durch einen Rausch ausgelösten unterschiedlichen

    > biochemisch-elektrischen Reaktionen - des Gehirns sprechen im Erleben des Individuums eine deutliche Sprache.

    > Bewusstsein kann also u. U. durch Physis bestimmt sein. Am geeignetesten erscheint mir hier der Gedanke der interdependenten Wechselwirkung, d. h., beide Ausprägungen des Seins (Bewusstsein und

    > Leib - Software und Hardware) bedingen einander und stehen in reaktiver Kommunikation.


    D'accord.




    > Ein weiteres mögliches Indiz der Bedingtheit des Menschen bietet seit Alters her die Astrologie. Der Gedanke, menschliches Dasein sei durch die jeweilige Konstellation der näheren Gestirne bestimmt,

    > taucht in der Historie in annähernd allen menschlichen Kulturen, Gemeinschaften und Generationen auf. Diese Auffassung existiert also in Raum UND Zeit; demzufolge möge sie als potentielle

    > Möglichkeit nicht ausgeschlossen sein, sondern vielmehr individueller Betrachtung unterzogen werden.


    Astrologie war und ist niemals so zu deuten, daß Dinge festgelegt sind, quasi "in den Sternen (fest-)geschrieben" sind. Astrologie ist die Wissenschaft

    der Wirkungen von Planetenkräften. Sie beeinflussen nur, aber sie determinieren nicht!

    Also ist auch die daraus abgeleitete Vorstellung von Determiniertheit zu revidieren.




    > Zusammenfassend betrachtet, entsteht in mir der Eindruck, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Körper, Geist und Seele folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten und sind demzufolge berechenbar

    > und prognostizierbar. Dieser Umstand rechtfertigt somit die Existenz beispielsweise der kognitiven Psychologie und impliziert auf der anderen Seite das Motiv der ?Vorherbestimmtheit? aller Existenz.

    > Dies beinhaltet also eine Synthese zwischen fernöstlich religiöser Überlieferung und wissenschaftlichem Nachweis. Religionen beleuchten hierbei die makroperspektivische Sicht auf die Existenz,

    > während die Wissenschaften den Beweis religiöser Auffassung quasi aus der Innensicht heraus gesehen führen mögen. Beide Ansätze widersprechen einander keineswegs, sondern ergänzen sich

    > vielmehr. Dies unterstreicht die Bedeutung eines notwendigen intensivierten Dialogs zwischen den Religionen und den Wissenschaften.

    > Gautama Buddha erkannte diese Mechanismen und begründete somit seinen - auf Ursache und Wirkung bezogenen - allumfassenden Konditionalismus.


    Ich unterstelle dir einfach mal, daß du dich intensiv damit befasst hast und dir deine Meinung durch

    tiefes Nachdenken darüber gebildet hast.

    Dennoch, deine letzten Sätze da oben scheinen mir nur leere Worthülsen zu sein, ein einziges Wischi-Waschi.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß manche Zusammenhänge im Geiste glasklar erscheinen und zu Papier gebracht

    völligen Unsinn darstellen.

    Trotzdem würde ich dich gerne um eine etwas ausführlichere Darstellung bitten. So kann man das ganze nämlich

    nicht stehen lassen (zumindest kann man so nicht damit arbeiten oder drüber diskutieren).

    (wahrscheinlich liegt's aber nur daran, daß ich heute einen ziemlich anstrengenden Arbeitstag hatte)




    Alles Gute weiterhin an alle Leser (und Beitragschreiber)


    Christian




    :-)




    (und überhaupt: wo ist eigentlich der Guny abgeblieben?)










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