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Thema: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

  1. #1
    Luigi
    Gast

    Wo ist die Schönheit der alten kinderfilme?

    Hallo

    Hoffentlich nerve ich euch nicht mit meinen themen aber ich denke mir sehr oft: warum haben die heutigen kinderfilme nicht mehr die perfektion die die alten hatten?
    Hier ein paar beispiele:
    youtube.com/v/BubRcIvy0KA">
    youtube.com/v/TCv0cRSdh68">

    Wobei Aschenputtel sicherlich mein absoluter favorit ist. Aber wo ist diese schönheit in den heutigen filmen die meist in 3D programmiert werden? Ich habe mir einige angesehn. Ja sie sind nicht schlecht, lustig und vieles mehr(Als bsp. wären da "Ab durch die Hecke" "Ice age"...). Aber an die klasse von den alten disney- filmen wo noch alles mit hand und viel liebe gezeichnet wurde können sie nicht mithalten, auch der gesang ist wunderschön!
    Was ich aber viel wichtiger finde ist auch die nachricht die wie bei einem märchen (klar aschenputtel ist ein märchen ) übermittelt wird. Das suche ich bei den heutigen filmen nicht wirklich. Da zählt nur noch der humor und die coolnes.
    Das finde ich sehr schade.

    Es gibt natürlich nicht nur filme die gut sind. Es sind auch einige serien dabei die ich sehr gut finde. Als beispiel wäre hier der Rosarote Panther zu nennen. Aber ich denke den kennt wirklich jeder. Falls nicht werde ich noch ein video nachreichen (youtube spinnt wieder mal tz tz).

    Kinderfilme sind meiner meinung nach sehr wichtig weil sie uns(jedenfalls mich) stark in der entwicklung beeinflussen, also miterziehen wenn ihr es so wollt .

    Wie seht ihr das, warscheinlich habt ihr euch noch nicht darüber gedanken gemacht aber mich faszinieren diese alten schinken immer wieder.:11111175 :

    Schönes wochenende noch!
    Lieben Gruß
    Lukas

  2. #2
    Viola
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten kinderfilme?

    Hallo Lukas,

    das ist ein schönes Thema!

    Ich bin auch ein Fan vom rosaroten Panther und Aschenputtel. Da hast Du recht, die alten Kinderfilme und -serien die waren viel besser, hatten noch einen erzieherischen Wert und der Panther ist trotzdem lustig.

    Was hingegen heute die Kinder so anschauen Simpsons,... das halte ich nur mehr für Unterhaltung, ohne Tiefgang und manche Aussagen davon finde ich einfach schrecklich.

    Liebe Grüße,
    Viola

  3. #3
    Luigi
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Hi viola

    Ja das mit den simpsons is schwierig. Ich persönlich find sie auch gut, aber eben wie du es schon geschrieben hast, hat diese serie auch keinen erzieherischen wert, was auch fehlt ist die liebe, die wie ich finde sehr wichtig für kinder ist.

    Ich kann mir auch gut vorstellen das die kinder von heute, die sich schon oft simpsons usw angesehn haben, sich auch langweilen würden bei den alten walt disney filmen. Viell. nicht langweilen, aber die aktion die bei heutigen medien vorgeführt wird können die alten filme nicht bieten. Müssten sie meiner meinung auch nicht, aber die kinder würden da glaub ich schon anders denken.

    Hier noch schneewittchen und der rosarote panther:11111175 : :

    youtube.com/v/OBu1hMXiH5w">

    youtube.com/v/ADDURCGq9DI">

    Lieben Gruß
    Lukas

  4. #4
    dyon
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Cathy O'Brien schreibt, dass sehr viele Kinderfilme für die Verstandskonditonierung von Mind-Control-Sklaven verwendet werden, was ich auch glaube. Darunter "Der Zauberer von Oz", "Alice im Wunderland" und "Cinderella" und andere Walt Disney Filme. Diese Filme sind offensichtlich gut dafür geeignet, möglicherweise wurden sie sogar dafür gemacht.
    Die Simpsons halte ich teilweise für sehr tiefgründig.
    Das einzige was bei mir große Bedenken verursacht sind diese Itchy&Scratchy Einspielungen, Halloweenspecials udgl., vor allem weil die Serie schon ab 6Jahre geeignet sein soll. Interessant dazu finde ich, dass die Macher der Simpsons z.B. mit Problemen mit der Aufsichtsbehörde rechnen müssen, wenn sie den Pimmel von Bart nur ansatzweise mit einem Strich andeuten, sich Itchy&Scratchy aber ohne Probleme gegenseitig auf die perversesten Arten massakrieren und töten dürfen.
    Ich glaube Groening oder Mel Brooks hat das Problem mit "Nacktszenen" angesprochen.
    Da läuft sicher was verkehrt.

    In Japan herrscht Hochkultur, was Zeichentrickfilme betrifft.
    Wenn du "Das wandelnde Schloss" noch nicht kennst, würde ich diesen eventuell empfehlen. Ist aber auch schon etwas älter, aber immer noch einer der erfolgreichsten japanischen Zeichentrickfilme.

    Im Internet habe ich den Film leider nicht in einem Stück gefunden. Hier das 1te von 12 Teilstücken. Die anderen lassen sich auch leicht finden.
    YouTube Video
    youtube.com/v/Zpm5lhda9-U&ap=%2526fmt%3D18&fs=1"> Video direkt als .FLV herunterladen" href="http://keepvid.com/?url=http://www.youtube.com/watch?v=Zpm5lhda9-U">Dieses Video direkt herunterladen

  5. #5
    Ina
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Hallo Luigi,

    Was ich aber viel wichtiger finde ist auch die nachricht die wie bei einem märchen (klar aschenputtel ist ein märchen ) übermittelt wird. Das suche ich bei den heutigen filmen nicht wirklich. Da zählt nur noch der humor und die coolnes.
    Das finde ich sehr schade.
    Ich glaube , dass das vom Zeitgeist bestimmt wird.
    Früher mochte ich gern Pippi Langstrumpf , Biene Maja und Pumuckl.
    Die alten Walt Disney-Filme mag ich auch!

    Insgesamt ist der Umgang und das soziale Klima miteinander "kälter" geworden.
    Viele Eltern verlangen , dass Kinder wie kleine Erwachsene "funktionieren", vor Jahren wäre niemand auf so eine Idee gekommen.

    Am schönsten ist es sowieso kleinen Kindern die Märchen zu erzählen, was dann die Kreativität und Phantasie der Kleinen fördert.
    Auch helfen Märchen bei der Konfliktbewältigung, da sie Ur-Ängste darstellen.
    Ich habe meiner Tochter als Einschlafritual jeden Abend Märchen erzählt und gab fast nie Probleme mit dem Zubettgehen.

    Leider wird wird heutzutage oft in irriger Weise angenommen, dass ein Kind von alleine aufwächst wie eine Blume, oder wie ein Haustier sich ganz von allein entwickelt.
    Eltern sorgen sich um`s Essen und um`s materielle Wohl und das Kind ist für sich alleine.
    Aber das geht leider nicht, Kinder bedürfen viel mehr als Pflanzen oder Tiere.

    Rudolf Steiner hat sehr interessante, spirituelle Beobachtungen gemacht, wie die einzelnen Wesenglieder/Körper heranreifen und was für Kinder wichtig ist.


    Einen schönen Sonntag-Abend,
    wünscht
    Ina

  6. #6
    Luigi
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Hallo dyon

    Danke für deinen link, aber asiatische zeichentrick und comics liegen mir allgemein nicht so.

    Das ist ja interessant was du schreibst. Leider weiß ich nicht genau was du damit meinst. (sorry ich hörs zum ersten mal)
    Im net finde ich auch nichts besonderes darüber, nur über mind- controll.
    Aber wieso sollten diese filme so einen schlechten einfluss auf kinder haben? Da müsste ich doch auch was davon abbekommen haben oder ?

    Ich bitte um aufklärung:6: .

    Hallo Ina

    Es stimmt was du schreibst! Ich glaube das die eltern auch teilweise zu faul sind um sich die mühe zu machen um zb märchen zu erzählen.
    Auch sind kinder keine erwachsenen, aber es schadet meiner meinung nicht wenn man kinder wie erwachsene behandelt. Damit meine ich das man kinder ernst nehmen sollte, sie respektieren und ganz normal mit ihnen reden sollte.

    Lieben Gruß
    Lukas

  7. #7
    dyon
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Die Geschichte stammt von einer Britin und der japanische Regisseur (Oscarpreisträger, für einen anderen Film) hat u.a. bei Heidi maßgeblich mitgewirkt. Wenn die Augen der Darsteller nicht so groß wären, würde man kaum merken, dass es sich um einen asiatischen Film handelt. Ich habe nochmal nachgesehen, Kinostart war bei uns am 25.08.2005 und in Japan war das der dritterfolgreichste Film aller Zeiten (nach "Titanic" und "Spirited Away")
    Das wandelnde Schloss
    Ich sehe nicht so viel fern. Mir war zufällig die Bewertung dieses Films aufgefallen (hatte noch nie eine so hohe bei einem Zeichentrickfilm gesehen), was mich neugierig machte.

    Das mit Cathy O'Brien kannst du am besten in ihrem Buch nachlesen, wenns dich denn interessiert.

  8. #8
    Luigi
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Hi dyon

    Tut mir leid wenn ich dich damit belästige aber bitte erklär mir nur kurz was es mit "Verstandskonditonierung" gemeint ist. Und warum kinder zu Mind-Control-Sklaven werden sollen wenn sie sich einen film ansehen?

    Wenn man werbung für ein produkt macht ist mind control für mich klar, aber nicht bei kinderfilmen .

    Ich hoffe du nimmst es mir nicht bös wenn ich dich das frage, aber ich will nur das^^ wissen und nicht gleich ein buch lesen.

    Lieben Gruß
    Lukas

  9. #9
    Ina
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Hi Luigi,

    Es stimmt was du schreibst! Ich glaube das die eltern auch teilweise zu faul sind um sich die mühe zu machen um zb märchen zu erzählen.
    Auch sind kinder keine erwachsenen, aber es schadet meiner meinung nicht wenn man kinder wie erwachsene behandelt. Damit meine ich das man kinder ernst nehmen sollte, sie respektieren und ganz normal mit ihnen reden sollte.
    Sehe ich genauso.
    Doch ich meinte weniger, was Achtung und Respekt gegenüber den Kindern betrifft, sondern, dass mir aufgefallen ist, dass sie oftmals überfordert werden und das fängt schon in der Schule, bzw. im Kindergarten an.

    Wenn man einkaufen geht und das Kind fängt an zu weinen und zu quengeln, dann kriegt man als Elternteil ärgerliche Blicke zugeworfen, als wenn man ein Verbrechen begangen hätte.
    Für die einfachsten Dinge scheint es kein Verständnis mehr zu geben.
    Kinder sind zu einer Art "Störfaktor" geworden, sie haben ausschließlich nett und still zu sein und perfekt zu funktionieren.

    Genau da sehe ich einen Zusammenhang zwischen den computergesteuerten Kinderfilmen und den überzogenen Ansprüchen, die viele Erwachsene (meist unbewusst!) an die Kinder stellen.
    Die Filme mögen perfekt sein, dennoch scheinen sie irgendwie seelenlos und leer...

    Liebe Grüße,
    Ina

  10. #10
    Viola
    Gast

    AW: Wo ist die Schönheit der alten Kinderfilme?

    Die Bedeutung von Märchen

    "Ohne Poesie lässt sich nicht auf der Welt wirken, Poesie aber ist Märchen"
    Johann Wolfgang Goethe an Kanzler Müller


    Märchen gehören zum ältesten Kulturgut der Menschheit. Wir finden sie bei fast allen Völkern, als Nachfahren von Mythen, diesen Götter- und Heldensagen aus der Frühzeit, aus der Urgeschichte eines Volkes, die aus einer naiven Schau eines Volkes geborene, sich in Bildern vollziehende Weltdeutung ist.

    Jedes Volk hat seine eigenen Mythen und Märchen. In ihnen verbirgt sich eine große Kenntnis, ein Wissen um die menschliche Seele, von ihren Verstrickungen, Verwirrungen und Irrungen, von den Sorgen der Liebe, von Licht und Schatten des Lebens. Menschliche Grundmuster ähneln sich, sie überdauern die Zeiten. Menschliche Grundprobleme, wie Liebe, Leid, Angst und Freude, Leben und Tod, sind als archetypische Bilder in den Märchen widergespiegelt. In den Märchen finden wir die ganze Breite des Welterlebens. Archetypische Bilder sind völkerübergreifende, zeitlose Spiegelungen menschlicher Existenz. Ihre Urgründe finden sich auch im Unbewussten des Menschen.

    Bei orientalischen Märchen denken wir zumeist an die Märchen "Aus Tausend und einer Nacht", die wunder-vollen Geschichten der Scheherezade. Der Märchenerzähler spielte und spielt noch heute im Orient eine große Rolle. Orientalische Märchenerzähler, es sind immer Männer, sind gute Menschenkenner. Besonders in früheren Zeiten waren sie für viele Analphabeten Informanten und Lebensberater, einem heutigen Psychotherapeuten nicht unähnlich. Sie waren auch Berichterstatter verschlüsselter politischer Informationen.

    In orientalischen Märchen findet sich eine pragmatische und praktische Sicht auf die Dinge des Lebens. Ihre Sprache ist sehr poesievoll. Die Wort-Bilder, die Symbolik der Märchen sind den Zuhörenden oder Lesenden vertraut. Die Märchengestalten sind meist trickreich und listig, bieten vielerlei Identifikationsmöglichkeiten, auch Strategien zur eigenen Lebensbewältigung.

    Der Psychoanalytiker C .G.Jung beschreibt die Märchen als "Anatomie der Seele". Märchen sind "Selbstdarstellungen seelischer Prozesse". C.G. Jung bezeichnet Fantasievorstellungen ebenso als primär und ursprünglich wie Triebe und Instinkte. Fantasie ereignet sich nach seiner Auffassung spontan und ist vor allem etwas Schöpferisches. Vieles finden wir im Märchen verschlüsselt in Form von Verdichtung, Verschiebung und Symbolisierung.
    Sigmund Freud betrachet Märchen als Triebrepräsentanten. Als Bedeutung für die seelische Entwicklung eines Kindes. Mythen und Märchen lassen wie Träume vielschichtige Deutungen zu. Die Fantasie ist ein wesentliches Element des Märchens. Jedoch braucht jeder "Empfänger" eines Märchens sie zu seiner eigenen, inneren Bilderschau und Bildgestaltung. Tradiertes Lebenswissen im Märchen, seine Symbolhaftigkeit, wird von Kindern meist intuitiv verstanden. Kinder sind in ihrem Symbolverständnis offen, sie erkennen Bilder der Außenwelt als die ihrer eigenen Innenwelt, als Bilder in sich selbst. Sie haben meist einen emotionalen Zugang zum Märchen, vesuchen nicht, ein Märchen rational, intellektuell zu verstehen oder eine Logik zu überprüfen. Märchen haben keine Logik, märchenhaft-fantastische Geschehnisse werden nicht erklärt. Kinder nehmen dies als etwas Selbstverständliches - Irrationalität ist ihnen nicht fremd. Das zeigt sich besonders in der sogenannten magischen Phase, sie dauert etwa bis zum siebenten Lebensjahr, in der sich Realität und Fantastisches oft vermischen. Das erschreckt manche Eltern, die meist schon lange aus der Welt der Märchen und Wunder herausgefallen sind. Kinder reagieren spontan, mit allen Sinnen und Gefühlen auf märchenhafte Geschichten. Unaufgefordert analysieren oder deuten sie kein Märchen. Die sind in ihrer Eindimensionalität nicht rational erklärbar, sie berühren emotional und unmittelbar.

    Von Kindern können wir lernen, uns vorurteilslos einem Märchen zu nähern, seinen Zauber, seine Magie und Poesie auf uns wirken zu lassen. Die Fantasie ist eine große Magierin, sie sucht sich Freiräume, versucht enge Fesseln des Bewusstseins zu sprengen. Diese Freiräume sind eine Art "Naturreservat". Viele Wissenschaftsdisziplinen beschäftigen sich mit der Analyse von Märchen, sie deuten, definieren und kritisieren, denn Märchen lassen wie Träume vielschichtige und tiefsinnige Deutungen zu.

    Dies gilt im besonderen für die Volks- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Sie haben die meist mündlich überlieferten Märchen als Erste systematisch gesammelt und aufgeschrieben. Die Grimms suchten auch Spuren alter Volksweisheit. Ruhmreiche Vergangenheit und urdeutsche Mythen sollten beitragen, deutsche Identität zu stärken.
    Einfache Frauen, aber auch adlige Damen der Hofgesellschaft waren die "Zubringerinnen" für die Grimms. Die sammelten nicht nur deutsche Märchen, ihnen waren zum Beispiel französische Märchen bekannt, in denen es keine Hexen gab, sondern nur gute oder böse Feen. Hexen waren Frauen mit Wissen und Macht, und sie wurden im Laufe der Zeit zu meist Unheil stiftenden Hexen verwandelt. Ein weiterer Aspekt ihrer "Ver-Wandlung" war eine Verteufelung alter weiblicher Gottheiten und Göttinnen. Der Märchenfigur Frau Holle liegt die Göttin Diana zugrunde, die als Holda oder Holle in alten Mythen beschrieben wird. Im russischen Märchen finden wir die Baba Jaga, eine uralte slawische Gottheit, verwandelt in eine meist hilfreiche Frau oder Fee, vielleicht auch Zauberin oder Hexe.

    Als Sammler von Märchen waren die Gebrüder Grimm Kinder ihrer Zeit, sie haben sie umgeschrieben, umgestaltet, verändert und verfeinert, die oft derbe Sprache geglättet, Eros und Sinnlichkeit entschärft. Die Zeit der Romantik, ihre Normen und Werte, Religion und Moral blieben auch in den Märchen nicht ohne Wirkung. Damit ging Manches an Ursprünglichkeit verloren. Das mindert jedoch nicht den Wert ihrer großartigen Arbeit.

    Volksmärchen spiegeln immer den jeweiligen Zeitgeist. Sie haben ihre ureigene Struktur, Symbolik und Moral. Märchen lesen oder vorgelesen zu bekommen, bedeutet, sich wohlzufühlen. Das schüttet sogenannte Wohlfühl- oder Glückshormone (Endorphine) aus wie z.B. das Serotonin. Diese Glückshormone stärken das Immunsystem, aktivieren die Selbstheilungskräfte. Ruheformeln, Atemberuhigungen und Affirmationen aus dem Autogenen Training, innerhalb oder am Schluß eines Märchens, verstärken deren "heilsame" Wirkung. In großer Ruhe, im erholsamen Zustand einer ganzheitlichen Entspannung, sind die Märchen und Geschichten "Inseln der Ruhe" oder "Oasen im Alltag".

    Das oft kritisierte "Grausame" im Märchen hat eine wichtige Funktion in der seelischen Entwicklung eines Kindes. Sogenannte böse Märchengestalten bieten eine breite Projektionsfläche für die kindliche Fantasie für Wünsche, Träume, Ängste und Allmachtsfantasien. Eine Bestimmung der Grausamkeit im Märchen ist, diffuse Ängste zu personalisieren und auch zu überwinden. Ist die "böse" Märchenfigur, der "Gegenspieler" bestraft, verschwunden oder gar getötet, bedeutet das für das Kind Reinigung, Läuterung.

    Die Psychoanalyse spricht noch einen anderen Aspekt des Bösen an: das Elternimago kann übertragen werden. Die kindliche Ambivalenz den Eltern gegenüber kann über Hexen, Feen, Zauberer, Stiefeltern folgenlos ausagiert werden. Im natürlichen Spannungsverhältnis von Liebe und Hass kann das Kind ohne schlechtes Gewissen den entsprechenden Märchenfiguren Böses, ja sogar den Tod wünschen. Ohne Schuldgefühle, die oftmals Ursache neurotischer Grundierungen im späteren Leben sind. Aggressive Ohnmachtsgefühle in der Hierarchie Eltern-Kind, auch andere negative Gefühle können über die "Bösen" im Märchen abreagiert und Affekte gemindert werden. Das Kind kann durch das Märchengeschehen und seine Protagonisten seine eigene Gefühlswelt autonom inszenieren.

    Die dargestellten Märchenfiguren sind nie konkrete Menschen, sie sind Symbolträger eines umfassenden Geschehens, und als solche haben sie einen symbolischen Stellenwert in einem unsichtbar gelenkten Prozess. Märchen sagen viel über das Geheimnis des Menschen aus, über Untiefen und Unbewusstes. Das Leben wird in seiner ganzen Bandbreite vorgestellt und mit Hilfe der Fantasie werden auch für spätere Lebensphasen Problemlösungsmöglichkeiten, eine Form von Lebenshilfe angeboten. Fantasie kann aber auch einen negativen Aspekt beinhalten: Erwachsene, als so genannte Ver-rücke, versinken oft in magisch-fantastische Welten.

    Tagträume können für viele Menschen erholsame Oasen der Ruhe werden. Diese selbstbestimmten Ruhephasen unter gesteuerter Kontrolle bedeuten ein bewusstes Ab- und Ausschalten eines hektischen, belastenden Alltags. Doch für manche Menschen bedeutet Fantasie gleich Kontrollverlust, sie fürchten den freien Fall des Verstandes in die undurchschaubare, unbeherrschbare Welt der Fantasie, der Gefühle, die untrennbar mit jener verbunden ist.

    Jean Paul sagte: "Fantasie ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können." Doch Mancher verlässt es freiwillig.
    Die Kritik der 68er-Bewegung an Grimms Märchen besagte, dass dort soziale Strukturen festgeschrieben seien, die Macht immer den Herrschenden gehöre und beklagte den Mangel eines emanzipatorischen Anspruchs. In den Märchen werde keine Aufhebung hierarchischer Strukturen und Geschlechterrollen geprobt. Es gäbe ein Oben und Unten in der Gesellschaft, eine enggefasste Moral und kaum Frauen mit Macht und Einfluss. Das geschmähte "Grausame" in den Märchen wurde damals unreflektiert geschmäht. Professor Bruno Bettelheim hat in seinem Buch "Kinder brauchen Märchen" eine Antwort auf die studentische Märchenschelte, umfassend die Bedeutung der Märchen für die kindliche Entwicklung, dargestellt. Er rehabilitiert die Märchen und trug dazu bei, ihren Wert neu zu definieren und zu überdenken. Überzeugend beschreibt er als Analytiker, Therapeut, Pädagoge und Vater die Unverzichtbarkeit der Märchen.

    Doch heute sind Märchen in Gefahr, aus dem alltäglichen Kinderleben zu verschwinden. Sie werden ersetzt durch Medien-Fantasien, durch "moderne, mediale Märchen". Videoproduktionen und Serien wie Superstar und Co. befriedigen eigene, meist unerfüllte soziale und emotionale Wünsche und Bedürfnisse, als Traum und Utopie zur oft banalen (eigenen) Wirklichkeit. Medienfantasien bieten der eigenen Fantasie wenig Freiraum, schüren ein Ausagieren von aggressiven Wünschen in der Wirklichkeit des Alltags. Die medialen Bildproduktionen aktivieren andere Gehirnareale als diejenigen, die durch Lesen oder Vorlesen eigene, authentische innere Bilder entstehen lassen. In diesen "moderenen Märchen" werden Versatzstücke aufgegriffen und eingebaut und das mit kalkulierter Suggestionswirkung. Aber trotz allen Glanz und Scheins bleiben sie zu enge Äußerungen einer lebendigen Kreativität. Der Schaden dieser fast täglichen Suggestionen auf Kinder und Heranwachsende wird erheblich unterschätzt: "Fernsehen als zweite Mutterbrust".

    Es geht aber nicht nur um die Austrocknung der eigenen kreativen Fantasie. Bevor Kinder sich die Welt aneignen können, kommt ihnen die Wirklichkeit als Medien-Bild entgegen. Entscheidung ohne Welterfahrung? Virtuelle Wirklichkeit als Lebensersatz? Der Konsum medialer Fantasien geschieht in sozialer und emotionaler Isolation, in einer trostlosen Einweg-Kommunikation. Das schließt jeden emotionalen und heilsamen Effekt einer liebevollen Nähe und Zuwendung eines Märchenerzählers oder -vorlesenden aus.

    Märchen im Schutz, in der Nähe und Wärme eines zugewandten Menschen, gehören zu unvergesslichen Kindheitserlebnissen und sind oft Baustein eines fantasievollen Lebens. Brauchen Kinder Märchen? Kinder brauchen Märchen! Scheherezade konnte ihr Leben mit allnächtlichem Märchenerzählen retten und nach Tausend und einer Nacht den König zum Mann bekommen. Märchen retteten ihr damals das Leben. Heute lassen wir uns noch immer von ihnen verzaubern. Auf den Flügeln der Fantasie lässt es sich voller Wunder wundervoll träumen.

    Aus: "Der Wind bringt mir die Träume zurück"
    von Else Müller

    Liebe Grüße,
    Viola

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