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Thema: Gedankenleere

  1. #1
    Singar
    Gast

    Gedankenleere



    Hallo allerseits!


    Im Buch "Der Weg zum wahren Adepten" von Bardon ist eine der ersten Übungen u.a. die "Gedankenleere"...

    Wir wollen daher als nächstes die vollkommene Gedankenleere erzeugen lernen. [...] Jeden Sie überfallenden Gedanken weisen Sie energisch ab. Nichts darf in Ihrem Geist auftreten, nur absolute Leere muß herrschen. Diesen Zustand der Leere halten Sie fest, ohne abzuschweifen oder sich zu vergessen. Anfangs werden Sie dies nur für wenige Sekunden fertigbringen, aber bei öfteren Üben wird es Ihnen immer besser gelingen. Der Zweck der Übung ist erreicht, wenn es Ihnen gelungen ist, volle zehn Minuten in diesem Zustand zu verweilen, ohne sich zu vergessen oder sogar einzuschlafen.
    Diese Übung mache ich meißtens wenn ich spazierenlaufe, oder auf der Arbeit bei einer einfachen Tätigkeitsablauf. Beim Spazierengehen ist mir bei der Übung der Gedankenleere etwas erstaunliches aufgefallen, was mir zu Beginn noch nicht so auffiel.. Langsam, aber sicher fällt mir die Gedankenleere immer einfacher - und die Dauer der Übung kontinuierlich ein stückchen länger ausüben. Mir fiel auf, das in dem moment, wo man die innere Gedanken verstummen lässt, mit den äußeren/körperlichen Sinnen auf einmal sehr viel mehr wahrnimmt. Meine Wahrnehmung konzentrierten sich und nehme meine Umgebung sehr viel bewusster wahr mit den Ohren, Nase, Auge... Schalte ich meine innere Gedanken kurzzeitig ab, ist es so, als gäbe es dann kein "Innenwelt" mehr, sondern nur eine "außenwelt" und ich nehme z.b. unzählige Vogelgezwitscher wahr bis in weiter Ferne, spüre den Wind, rieche das Gras... Gerade das Gehör scheint sich zu verfeinern und nehme unzählige Geräusche parallel wahr, und kann sie auseinanderreihen wie einzelne Tonspuren

    Beim Nachdenken über diesen interessanten "Effekt" der Gedankenstille ergibt es für mich Sinn... ist jemand sprichwörtlich "in Gedanken versunken", also sehr "in sich gekehrt", nimmt dieser von seiner äußeren Umgebung kaum noch was wahr - es ist, als seien die körperlichen Sinne dann "heruntergefahren". Je nachdem wie sehr jemand in Gedanken versunken ist, könnte man den ansprechen und er würde zunächst nichts hören, oder ist schreckhaft, wenn man für denjenigen scheinbar wie aus dem Boden gewachsen vor ihm steht. Das ergibt Sinn - das die Sinne aufgrund erhöhte Gedankenaktivität weniger "Aufmerksamkeit" haben und man um sich herum die Umgebung sehr vermindert wahrnimmt.
    Das Gegenteil davon dann, die Gedankenleere! Schaltet man den inneren, ununterbrochenen Gedankendialoge ab, kehrt automatisch die Aufmerksamkeit von der gedanklichen Innenwelt auf die Außenwelt - die Sinne verschärfen sich, man nimmt die Umgebung mit sehr viel erhöhterem Maße wahr und bemerkt Dinge, die vielleicht einem vorher sonst nie aufgefallen sind (z.b. das weit entfernte Rauschen der Autobahnstrecke).

    Ich kann mir vorstellen, das im laufe der Übungen oder später das Optimum erreicht werden kann, beiderseits voll wahrnehmen zu können. Sowohl die Außenwelt mit allen körperlichen Sinnen, wie auch die Innenwelt und die Gedanken.

    Diese Feststellung und daraus gewonnener Erkenntnis bei der Magischen Übung fand ich überaus interessant und hat mich wirklich überrascht, da das mir bisher so nicht klar bzw. bewusst war.



    Viele liebe Grüße
    Singar

  2. #2
    Leah
    Gast
    Liebe singar :D

    Irgendwie hat mich Dein Bericht gerade an das "shapeshifting" oder auch
    das Unsichtbarmachen erinnert.

    Du legst Dich auf den Rasen .... fühlst Dich in das Gras hinein, den Wasserfluss und Nährstoffetransport, den Wind der Obefläche der Halme

    Du bist das Grass und der innere Gedankenstrom versiegt.

    Liebe Grüße Leah

  3. #3
    Lilo
    Gast
    Hallo Singar,

    ich habe nun deinen Bericht zum wiederholten Male durchgelesen und komme damit einfach nicht klar.

    Deine Art, diese Übung der Gedankenleere anzugehen, finde ich interessant und auch sehr erstaunlich. Denke mir aber, dass das etwas ist – wie du ja auch in deinem vorletzten Absatz selbst schreibst, was für später vielleicht vorgesehen ist.

    Unter Gedankenleere verstehe ich etwas anderes.
    Bei der Gedankenleere bin ich vollkommen leer. Ich nehme weder Gedanken noch äußere Sinne wahr.

    Darum kann ich mir auch schlecht vorstellen, dass man diese Übung während des Laufens oder gar bei einer Tätigkeit, und mag sie noch so einfach sein, praktizieren kann.

    Wenn deine inneren Gedanken verstummen, nimmst du die äußeren Sinne schärfer wahr. Das geht aber m. E. nicht ohne denken. Wie willst du dir der verschärften Wahrnehmung der äußeren Sinne sonst bewusst werden?

    Selbstverständlich kann man sich nur auf „Innen“ oder nur auf „Außen“ konzentrieren. Aber das ist wiederum in keinem Fall Gedankenleere.


    Die Vorstellung, irgendwann einmal sowohl die Außenwelt mit allen körperlichen Sinnen, als auch die Innenwelt mit ihren Gedanken gleichzeitig wahrnehmen zu können, finde ich höchst interessant und erstrebenswert. Aber ich denke, da liegt noch ein weiter Weg vor uns.

    Gruß Lilo

  4. #4
    Singar
    Gast
    Hallo Lilo!

    Ja, ich verstehe, was Du meinst.. Das was Du beschreibst was Du zum Beispiel unter Gedankenleere verstehst, klingt für mich nach einem sich-völligem-Auflösen-ins-Nichts so irgendwie .. Ich habe Gedankenleere so verstanden nach Bardon's Beschreibung der Übung "Jeden Sie überfallenden Gedanken weisen Sie energisch ab. Nichts darf in Ihrem Geist auftreten, nur absolute Leere muß herrschen." das absolut keine inneren Dialoge mehr geführt werden darf. Im Kopf schnattert und labert unser Geist doch pausenlos vor sich hin über alles mögliche - springt von einer Gedanke zum nächsten, kehrt zum Ursprungsgedanke zurück, lässt Gedanken fallen, nimmt ein neuer Gedanke auf, denkt über Ereignisse nach, etc. etc. etc.

    In Gedankenleere-Übung - so habe ich das verstanden - geht es darum, diesen inneren, pausenlosen Monolog bewusst abzustellen. Und einfach nur... wahrnehmen... Einfach nur sein... Die inneren stattfindenden Gedankenbewegungen kurzzeitig zum verharren bringen.
    Beim Spazierenlaufen denkt man ja auch nicht, das man nun einen Fuss nach den nächsten setzen muss, oder ein Atemzug nach dem anderen - das sind unbewusste Dinge die automatisch ablaufen, ohne dabei eine Gedanke zu verschwenden.

    Nur als Beispiel - bei der Gedankenstille draußen in der Natur nimmt man einfach nur noch den Klang z.B. verschärfter wahr - weil die Aufmerksamkeit sich automatisch von der inneren Monolog-Welt nach außen ent-rückt und es existiert dabei nur noch Wahrnehmung - Sein - Gespür. In Gedankenstille existiert nur noch Sein - und Klang... (wenn man sich nun mehr auf das Gehör konzentriert zum Beispiel) ... oder nur Sein - und Gefühl - wenn man den Wind auf der Haut spürt... Oder nur Sein und Geruch - wenn man den frischgemähten Rasen riecht...
    Leah hat es recht treffend beschrieben - "Du bist das Gras und der innere Gedankenstrom versiegt" ... so in etwa ist das für mich auch vorstellbar...

    Wenn man gut ist, und die Gedankenstille noch weiter ausweitet, das man dann mit allen Sinnen nur noch Wahrnimmt und im absolutem JETZT-Bewusstsein sich befindet... man hängt gedanklich in keinem Gedanken nach - keine Vergangenheit, keine Zukunft - es gibt nur noch das JETZT - es gibt nur noch Wahrnehmung, es gibt nur noch die Existenz - das Sein ...

    Was denkst Du darüber, Lilo?

    Viele liebe Grüße
    Singar

  5. #5
    Mebac
    Gast
    Liebe Freunde,

    ich denke, ihr habt BEIDE recht! Es geht um das Sein, ohne Einschränkungen - d.h. aber auch, daß man es IMMER herzustellen in der Lage sein muß. Beim Spazierengehen und in der Meditation. Und dann wird Dir auffallen, daß es im Asana noch sehr viel weiter geht als beim Laufen z.B., da auch von außen viel mehr eindrücke auf Dich einstürmen. Auch diese müssen so gut wie komplett ausgeschaltet sein.
    Dr. M.K. hat das in seinen "Anmerkungen zur Hermetik" sehr schön beschrieben. Aber wie Bardon schreibt:

    "Jeden Sie überfallenden Gedanken weisen Sie energisch ab. Nichts darf in Ihrem Geist auftreten, nur absolute Leere muß herrschen."

    Abweisen. D.h. die Eindrücke sind natürlich noch da, aber halt so peripher, daß sie die Leere des Geistes nicht stören...

    Hoffe, das hilft weiter!

    LG,

    Chris

  6. #6
    Bronte
    Gast
    hallo zusammen,
    eigentlich wollte ich das Thema in den "Diskussionsbereich mentale Übungen - Stufe 1" verschieben, da es dahin gehört. Habe es jetzt aber im öffentlichen Bereich gelassen, da Chris ja auch geschrieben hat. Und wäre ein bisschen doof, wenn er seine eigenen Beiträge nciht mehr lesen könnte. Darum findet ihr im "Diskussionsbereich mentale Übungen - Stufe 1" einen Schatten dieses Themas.
    Viele Grüsse, Bronte

  7. #7
    Bronte
    Gast
    hallo zusammen,
    eigentlich wollte ich das Thema in den "Diskussionsbereich mentale Übungen - Stufe 1" verschieben, da es dahin gehört. Habe es jetzt aber im öffentlichen Bereich gelassen, da Chris ja auch geschrieben hat. Und wäre ein bisschen doof, wenn er seine eigenen Beiträge nciht mehr lesen könnte. Darum findet ihr im "Diskussionsbereich mentale Übungen - Stufe 1" einen Schatten dieses Themas, so dass man auch von da auf dieses Thema zugreifen kann.
    Viele Grüsse, Bronte

  8. #8
    Lilo
    Gast
    Hallo Singar,

    vielleicht haben wir unterschiedliche Auffassungen von „Gedankenleere“, obwohl du selbst schreibst:


    Ich habe Gedankenleere so verstanden nach Bardon's Beschreibung der Übung "Jeden Sie überfallenden Gedanken weisen Sie energisch ab. Nichts darf in Ihrem Geist auftreten, nur absolute Leere muß herrschen."

    Genau diese Leere ist es, die ich bei der „Gedankenleere“ praktiziere. Ich habe mir das vorher auch nicht vorstellen können, dass das jemals möglich ist. Aber es funktioniert. Bei mir ist im Kopf dann auch kein Geschnatter oder Gelaber.

    Das, was du vermutlich meinst und was ich aus deiner Beschreibung ersehe, ist die Gedankenkontrolle. Du hörst das Geschnatter und siehst die Gedanken kommen. Sollst dich aber nicht mit ihnen beschäftigen, sondern wahrnehmen und weiterziehen lassen.

    Das ist so, als ob du auf der Straße Leute siehst, die du kennst. Du grüßt und gehst deiner Wege, ohne ein Schwätzchen zu halten. Wenn du dann nach Hause kommst, kannst du dich natürlich noch an die Leute erinnern, die du gesehen hast. Und so sollst du dich auch an die vorbeigezogenen Gedanken später erinnern können.

    Ferner schreibst du:

    In Gedankenleere-Übung - so habe ich das verstanden - geht es darum, diesen inneren, pausenlosen Monolog bewusst abzustellen. Und einfach nur... wahrnehmen... Einfach nur sein... Die inneren stattfindenden Gedankenbewegungen kurzzeitig zum verharren bringen.

    Bei meiner Gedankenleere-Übung nehme ich nichts mehr wahr – mit einer Ausnahme – meinen Atem. Alles andere ist abgeschaltet.


    Allerdings habe ich in den letzten Tagen eine andere Erfahrung gemacht:

    Bei meinen Übungen und Meditationen benutze ich Ohropax. Dadurch ist mein Atem deutlicher zu vernehmen als ohne dieses Hilfsmittel.

    Solange ich das Ein- und Ausatmen noch wahrnehme, fühle ich mich als Körper, obwohl ich weiß, dass ich nicht Körper, sondern Geist bin.

    Erst wenn ich tiefer gelange und den Atem nicht mehr wahrnehme, empfinde ich mich als Geist. Dann kann ich jede Größe annehmen und jeden Ort bereisen, was vorher mit dem Körpergefühl nicht möglich war.

    Nächstes Zitat von dir:

    Nur als Beispiel - bei der Gedankenstille draußen in der Natur nimmt man einfach nur noch den Klang z.B. verschärfter wahr - weil die Aufmerksamkeit sich automatisch von der inneren Monolog-Welt nach außen ent-rückt und es existiert dabei nur noch Wahrnehmung - Sein - Gespür. In Gedankenstille existiert nur noch Sein - und Klang... (wenn man sich nun mehr auf das Gehör konzentriert zum Beispiel) ... oder nur Sein - und Gefühl - wenn man den Wind auf der Haut spürt... Oder nur Sein und Geruch - wenn man den frischgemähten Rasen riecht...
    Leah hat es recht treffend beschrieben - "Du bist das Gras und der innere Gedankenstrom versiegt" ... so in etwa ist das für mich auch vorstellbar...


    Das ist mit Sicherheit eine wunderschöne Übung und auf jeden Fall nachahmenswert.

    Aber es ist - zumindest für mich – keine Gedankenleere. Bitte verstehe mich nicht falsch. Das, was ich versucht habe, hier wiederzugeben, ist nur meine Sichtweise.

    Liebe Grüße - Lilo

  9. #9
    Singar
    Gast
    Aber es ist - zumindest für mich – keine Gedankenleere. Bitte verstehe mich nicht falsch. Das, was ich versucht habe, hier wiederzugeben, ist nur meine Sichtweise.

    Liebe Grüße - Lilo
    *kicher* :D Ja ist ja auch vollkommen in Ordnung, das Du versuchst deine Sichtweise wiederzugeben. Genau das tue ich auch. Dafür ist das Forum ja da um jedermanns Gedanken auszutauschen ^^

    Ich sehe einen deutlichen Unterschied zwischen Gedankenleere und Gedankenkontrolle, und es ist rÃ*chtig, was Du beschrieben hast bezüglich Gedankenkontrolle - das man sie zwar ansieht, aber vorbeiziehen lässt ohne daran festzuhalten. Bei Gedankenleere dagegen herrscht absolute Stille oben im kleinen, grauen Gehirnkasten :D

    Ohropax verwenden klingt nach einer guten Idee - werde ich auch mal ausprobieren! Es ist selten das ich so tief in mich "hineinhorchen" kann, das ich dann mein eigener Herzschlag wahrnehmen kann (was immer mein Ziel ist).

    Viele liebe Grüße
    Singar

  10. #10
    Zlan
    Gast
    Ich mag den Ausdruck Gedankenkontrolle nicht, weil er falsch ist. Es geht hier um Gedankenbeobachtung. Gedankenzucht gefällt mir auch nicht, es ist eher eine Gedankenkonzentration. Und die dritte ist keine Gedankenbeherrschung, sondern eher eine Gedankenleere.



    Zlan

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